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Genießt die Fahrt über den Stafffelsee jedes Mal auf Neue: Kapitän Thomas Eckelt.

Kapitän auf der MS Seehausen

Faible für Technik und Menschen

Er arbeitet dort, wo andere Urlaub machen: Seit 21 Jahren ist Thomas Eckelt Kapitän der MS Seehausen auf dem Staffelsee.

Seehausen – Eigentlich wollte Thomas Eckelt als Schiffsführer „nur mal einen Sommer“ arbeiten, als er sich bei der Staffelseeschifffahrt bewarb. Das war vor 21 Jahren. Doch er ist immer noch im Einsatz, genau wie seine Kassiertasche, die er noch von damals hat. Heute möchte er sich gar nichts anderes mehr vorstellen. In der Hochsaison ein paar Stunden weniger arbeiten, das schon. Zumal er die 50 ja auch schon etwas überschritten hat. Ansonsten gibt es für den gelernten Feinmechaniker keinen Grund, nicht in seiner schicken Kapitänsmontur um 10 Uhr in Seehausen seinen Dienst als Schiffsführer anzutreten und die Fahrt über den Staffelsee, inmitten einer herrlichen Landschaft, jedesmal selbst auf‘s Neue zu genießen.

    „99,9 Prozent der Leute sind nett, weil sie im Urlaub sind“, erzählt er. „Hier kann ich Technik und Menschen miteinander verbinden. Ich habe gerne Menschenkontakt.“ Eckelt schmeichelt es zwar, dass er als Kapitän von den Gästen positiv wahrgenommen wird und Anerkennung bekommt. Allerdings wird es auch ihm manchmal zu viel, wenn bierfreudige Gäste sich nicht mehr von seiner Seite lösen wollen oder gar zu viele Kinder um ihn herum den Geräuschpegel extrem ansteigen lassen. „Dann stelle ich auch mal auf stur.“

    Rund 80 Minuten dauert eine Staffelseerundfahrt. In dieser Zeit, und das mehrfach am Tag, begrüßt Kapitän Eckelt die Fahrgäste, kassiert die Fahrgebühr, erzählt etwas über den Staffelsee und seine sieben Inseln, winkt mal einem Campingplatzstammgast auf der Buchau zu oder beantwortet Fragen. Zumindest meistens – und manche davon auch mit Verwunderung. Ob die Vögel echt sind, ist er schon gefragt worden. Aber in der Tat stehen an der Achmündung im Obersee die Kormorane und Seidenreiher derart malerisch im Wasser, dass es wohl wirklich manchen Fahrgast an ihrer Echtheit zweifeln lässt. Und ob das Schiff elektrisch laufe, interessiert den ein oder anderen. Aber nein, sonst blieben ja die Kabel an den Inseln hängen. Wobei die E-Bike-Ladestation, die seit einem Jahr an Deck angebracht ist, doch recht fortschrittlich wirkt.

    Die Frage allerdings, ob das Schiff bei einer Rundfahrt auch wieder zur Anlegestelle zurückkäme, kann er mit einem leichten Grinsen nur schwer beantworten: „Nur wenn nichts passiert.“ Und das ist es zum Glück noch nie. Auch wenn er in der Murnauer Bucht sogar schon über der Zeit ist, wartet er gerne noch einen Moment, wenn die aufgeregte Ehefrau außer Atem auf ihren Mann zeigt, der gerade noch den Parkschein löst. Dann wird eben unterwegs mehr Gas gegeben, was manchmal allerdings fast unmöglich erscheint. Nämlich dann, wenn bei schönem Wetter am Nachmittag Bootsfahrer, Stand-Up-Paddler und Schwimmer das Wasser pflastern. „Da gibt es Kampfschwimmer. Die haben den Kopf unter Wasser“, erzählt Eckelt. „Mein Hupen hören sie gar nicht. Einmal musste ich vollständig abbremsen und stand drei Meter vor einem. Er ist gesprungen wie ein Delphin.“

    Da verwundert es nicht, dass jeder Tag die volle Konzentration fordert. Wenn dann die Hitze und große Mengen an Fahrgästen dazu kommen und abends noch Reparaturen und Wartungsarbeiten anfallen, ist Eckelt verdient geschafft. „Das geht nur, weil ich auf meine Pause achte und mich zwischendurch auf mein Radel setze oder im See schwimme. Man muss ganz viel auf sich selbst achten, auf die Energie, damit man entspannt heimkommt.“ In den ruhigen Wintermonaten stellt der Kapitän auch gerne auf Hausmann um.

Birgit Schwarzenberger

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