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So sieht das bestellte Elektro-Schiff aus: Der Geschäftsführer der Staffelsee-Motorschifffahrt, Gerhard Meyer, präsentiert stolz den Plan.

Eine kleine Schwester für die „MS Seehausen“

Mit Elektro-Motor über den Staffelsee

Die Staffelsee-Motorschifffahrt setzt auf eine umweltfreundliche Technik: Heuer im Sommer soll als Ergänzung zur „MS Seehausen“ ein kleineres Schiff hinzukommen, das mit Elektroantrieb fährt. Der Name steht schon fest: die „Staffelseerin“.

Seehausen – Sie kommen mit großen Mengen an Gepäck, Grills, Bierbänken und Zelten, um vom Festland auf die Campinginsel Buchau im Staffelsee überzusetzen. Weil das Fahrgastschiff „MS Seehausen“ dort wegen seiner Größe nicht anlegen kann, war der Transport der Camper seit 2010 die Aufgabe des kleineren Motorboots „D’Fischerin“. Dieses ist aber mittlerweile mit seinen zwölf Plätzen längst an seine Kapazitätsgrenze angelangt. Doch nun ist komfortable Abhilfe in Sicht: Im Juni wird der Betreiber, die in Seehausen ansässige Staffelsee-Motorschifffahrt, ein hochmodernes, elektrisch betriebenes Schiff mit 39 Sitzplätzen und einer Gesamtkapazität von 70 Passagieren bekommen. „Geplant ist, dass das neue Schiff bis zu siebenmal täglich zur Insel Buchau und weitere dreimal nach Uffing und auch nach Murnau fahren wird“, sagt Gerhard Meyer, Geschäftsführer des Unternehmens. Dabei sei es nicht als Konkurrenz zur „MS Seehausen“ gedacht, sondern als „sinnvolle Ergänzung“.

Mit rund 100 Kilowatt Motorleistung und einer Länge von 16 Metern sowie einer Breite von 4 Metern übertrifft die „Staffelseerin“, wie sie heißen wird, in der Größe sogar die alte „Seehausen“, die von 1961 bis 1998 ihren Dienst verrichtete und inzwischen auf den Amsterdamer Grachten unterwegs ist.

An Bord des neuen Gefährts, das in einer Werft in Niederkassel-Mondorf am Rhein montiert wird, gibt es eine Getränkeausgabe und eine Toilette, erklärt Meyer dessen Ausstattung. Wie die aktuelle „MS Seehausen“ verfügt die „Staffelseerin“ über eine Bugklappe, über die Mütter mit Kinderwagen, Gehbehinderte mit Rollatoren und Rollstuhlfahrer problemlos das Innere erreichen können. Das Dach des Passagierraumes ist mit großflächigen Solarpaneelen bestückt, die die Batterien des Elektroantriebs unterstützen. Laut Meyer sind die Batterien, die den Elektro-Außenborder speisen, auf sechseinhalb Stunden Dauerbetrieb ausgelegt, bevor das Schiff in Seehausen wieder an die Ladestation muss.

Nur über den genauen Preis der Neuanschaffung schweigt sich der Geschäftsführer beharrlich aus: „Das ist eine strenge Geheimsache. Aber es gibt dafür eine Leader-Förderung, soviel kann ich verraten.“ Wenn sich das Prinzip des Elektroantriebs bewährt, werde seine Gesellschaft auch über eine Umrüstung der „MS Seehausen“, die über zwei Deutz-Dieseltriebwerke verfügt, nachdenken.

Kapitän Thomas Eckelt, der täglich am Steuer des großen Schiffs steht, weiß allerlei über Elektroantriebe: „Die U-Boote vor dem Zweiten Weltkrieg fuhren auf dem Wasser mit Diesel und unter Wasser bereits elektrisch. Auch das Schiff auf dem Königssee ist seit Jahrzehnten elektrisch unterwegs, und das ‚Reserl’ auf dem Eibsee wurde vor ein paar Jahren auf diese Technik umgerüstet.“ Zwischendurch werde er Gelegenheit haben, die „Staffelseerin“ zu lenken: „Das ist eine Herausforderung für mich, denn jedes Schiff fährt sich anders.“

Heino Herpen

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