Der Standort: Im Bereich Längenwiesen soll das Gewerbegebiet entstehen, Seehausen.
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Der Standort: Im Bereich Längenwiesen soll das Gewerbegebiet entstehen.

„Keine schnuckelige Firma“

Seehauser Absage an Marvel Fusion: die Details

  • Roland Lory
    vonRoland Lory
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Auch wenn der Seehauser Gemeinderat der Firma Marvel Fusion eine Absage erteilt hat: Es tut sich etwas in Sachen Gewebegebiet. Wenn alles glatt läuft, könnte 2022 der erste Bagger anrollen.

  • Im Seehauser Gemeinderat wurden Details zur Absage an das High-Tech-Unternehmen Marvel Fusion bekannt.
  • Nur vier Volksvertreter waren für weitere Gespräche mit der Firma.
  • Wenn alles klappt, könnte 2022 der erste Bagger an den Längenwiesen anrollen.

Seehausen – Seit knapp zehn Jahren hat der Seehauser Gemeinderat das Thema Gewerbegebiet auf der Agenda. 2011 stellte man sich die Frage, welche Areale überhaupt in Frage kommen. Letztlich kristallisierten sich die Längenwiesen heraus. Erste Planungen gab es 2013. Die Gemeinde erwarb für knapp 2,5 Millionen Euro Grundstücke. Lange ging wegen der Zufahrtfrage nichts weiter. Kürzlich dann der Paukenschlag: Es wurde publik, dass die Hightech-Firma Marvel Fusion auch Seehausen genauer, gesagt eine Fläche im geplanten Gewerbegebiet Längenwiesen, als potenziellen Standort auf dem Schirm hatte.

High-Tech-Firma

Es geht bei dem Projekt, vereinfacht gesagt, darum, mit einem Hochenergie-Laser eine Kernfusion und auf diese Weise CO2-freie und damit klimaneutrale Energie zu erzeugen – zuerst in einer Forschungsanlage und dann in einem Prototypen eines Kraftwerks. In Penzberg hat Marvel Fusion eine Fläche direkt neben dem Roche-Werk ins Auge gefasst.

Investition von 500 000 Millionen Euro

Seehausens Bürgermeister Markus Hörmann (CSU) erzählte am Dienstag im Gemeinderat Details zu den Verhandlungen, die im Sommer liefen. So hätte die Gemeinde der Firma für einen ersten Bauabschnitt rund 10 000 Quadratmeter zur Verfügung gestellt. Laut Hörmann stand eine Investitionssumme von 500 Millionen Euro im Raum. Bei den Gesprächen, die hinter verschlossenen Türen stattfanden, saßen auch Vertreter der Regierung von Oberbayern, des Marktes Murnau, des Landratsamts und des Staatlichen Bauamts am Tisch. Die Rede war von Firma 500 bis 750 Mitarbeitern – im Endausbau. Wobei Hörmann einschränkte, dass dieser nicht in Seehausen realisiert worden wäre.

Mehrheit: Firma passt nicht nach Seehausen

Mit der Ansiedlung von Marvel Fusion wären Arbeitsplätze für hochqualifizierte Fachkräfte entstanden. Diese hätten allerdings die ohnehin prekäre Wohnungssituation verschärft. Eine Frage, die sich die Volksvertreter auch stellten, war: Passt ein solches Unternehmen nach Seehausen? Die Mehrheit fand: Nein.

Abstimmung mit 4:10-Stimmen

„Das ist keine schnuckelige Firma“, betonte Dr. Peter Manusch (Liste Bürgernah/ÖDP/Grüne). „In Penzberg passt das. Wir wären von der Firma richtig abhängig gewesen“, glaubt er. Bei 600 Arbeitsplätzen „wackelt der Hund mit dem Schwanz“. Marvel Fusion hätte mit den 10 000 Quadratmetern ein Fünftel des Gewerbegebiets belegt. „Es wäre sehr wohl noch Platz da gewesen“, betonte der Dritte Bürgermeister Daniel Schreyer (CSU). Doch dieses Argument zog nicht. Nur vier Gemeinderäte stimmten damals dafür, weitere Verhandlungen mit Marvel Fusion zu führen. Zehn und damit die große Mehrheit waren dagegen. Hörmann bedauert es. Seiner Meinung nach wäre die GmbH „eine ideale Ergänzung“ zum Institut zur Fortbildung von Betriebsräten (IFB) gewesen.

Ziel: Bagger rollen 2022 an

Unterdessen will die Gemeinde Seehausen bei der Entwicklung des Gewerbegebiets den nächsten Schritt gehen. Anfang 2021 sollen Planungsbüros die zweite Auslegung des Bebauungsplans vorbereiten. Dabei wird auch der Verkehr eine Rolle spielen. An der Bundesstraße 2 soll ein Kreisel entstehen, von dem ein Ast das Gewerbegebiet erschließt. Zu diesem Thema hatte es zuletzt ein Gespräch gegeben, an dem Vertreter der Marktgemeinde Murnau, der Bundeswehr und des Staatlichen Bauamts teilnahmen. Den Kreisverkehr müsste laut Hörmann die Gemeinde Seehausen bezahlen. „Ein paar hunderttausend Euro“ kostet das, schätzt er. Eine dafür nötige Fläche hat die Kommune kürzlich erworben. Ziel sei, dass sich 2022 der erste Betrieb ansiedelt.

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