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Anspruchsvoll: Am gewünschten Standort entsteht das Fundament, auf dem dann die rund 180 Tonnen schwere Fußgänger- und Radfahrerunterführung mit Zugseilen verschoben wird.

Ein bautechnischer Kraftakt

Nächtliche Aktion: Fachfirma setzt 180 Tonnen schwere Unterführung ein

Diese Aktion war technisch höchst anspruchsvoll: In Seehausen wurde die neue Fußgänger- und Radfahrerunterführung an der Bahnlinie eingesetzt.

Riedhausen – Nicht nur die Seehauser Schulkinder dürfen sich freuen: Bald gibt es für sie eine Gefahrenquelle weniger. Der wichtigste Schritt bei der Errichtung einer Fußgänger- und Radfahrerunterführung an der Werdenfelsbahn zwischen dem Ettaler Weg in Seehausen und der Riedhauser Römerstraße ist in einer nächtlichen Aktion vollzogen worden. Mit einem erheblichen technischen Aufwand wurde das rund 180 Tonnen schwere, vor Ort hergestellte Bauwerk an seinen endgültigen Standort gebracht, nachdem Bagger an dieser Stelle den etwa sechs Meter hohen Bahndamm abgetragen hatten.

Damit geht ein seit Jahrzehnten gehegter Wunsch zahlreicher Bürger aus der Staffelsee-Gemeinde in Erfüllung, deren Nachwuchs ab Frühjahr 2020 nicht mehr den bisherigen, unbeschrankten Bahnübergang überqueren muss. Mit sichtlicher Begeisterung verfolgte Bürgermeister Markus Hörmann (CSU) das nächtliche Spektakel, das von den verantwortlichen Bauleitern um einen Tag vorverlegt worden war. „Heute ist ein Jubeltag, weil die beiden Ortsteile durch die Unterführung näher zusammenrücken und der Schulweg viel sicherer geworden ist“, freute sich der Rathauschef. Mit der Unterführung sei eine Verbindung von Seehausen zu dem stark expandierenden Riedhausen hergestellt worden. Nicht nur Fußgänger dürfen sich künftig bei der Querung der Bahnlinie in Sicherheit wiegen: So wird es neben der noch zu errichtenden Treppe eine großzügig gestaltete Rampe für alle Radler, Mütter mit Kinderwagen, Rollstuhlfahrer und Senioren mit Rollatoren geben.

Doch zunächst steht noch viel Arbeit ins Haus. „Wasserleitung und Kanal müssen um das Bauwerk herum neu gebaut werden, und die Bayernwerk AG wird aus dem Baufeld heraus eine Hauptleitung verlegen“, sagte Hörmann. Trotz vorgerückter Stunde hatte sich an den Absperrungen eine kleine Schar Zuschauer eingefunden, die beim Einheben der Fertigbeton-Fundamente und deren präziser Fixierung zusah. „Die Unterführung wurde binnen fünf Wochen vor Ort betoniert“, sagte dazu der Abteilungsleiter Betonbau der ausführenden Firma Pfaffinger aus Passau, Rainer Somol. „Auf die Fundamente kommen Edelstahlplatten, die mit Fett eingestrichen werden, um das Bauwerk um zehn Meter an seinen endgültigen Standort versetzen zu können.“ Und Bauingenieur Jürgen Doms, Bauüberwacher im Auftrag der DB Netz AG, ergänzte: „Dies geschieht mit zwei Zugseilen, die an einer an Stahlträgern angeschweißten Quertraverse verankert sind.“ Mittels eines so genannten Litzenhebers, einer hydraulischen Einrichtung, werde dann die Versetzung abgewickelt.

Noch wenige Stunden vor Beginn der Prozedur habe ein Bodengutachter den Untergrund am neuen Standort geprüft und einen Bodenaustausch angeordnet, sagte Doms, der sich dadurch aber nicht aus der Ruhe bringen ließ: „Dann haben wir eben noch einen halben Meter tief ein Mineralgemisch eingebracht.“ Die Planungs- und Realisierungskosten der Unterführung werden laut Hörmann mit 3,85 Millionen Euro zu Buche schlagen, wobei der Betrag je zu einem Drittel von der Deutschen Bahn, dem Bund und der Gemeinde Seehausen getragen wird: „Im aktuellen Haushalt haben wir hierfür bereits eine Summe von 950 000 Euro eingestellt.“ Ein Drittel des von der Gemeinde zu zahlenden Betrags werde dabei von einem staatlichen Zuschuss gedeckt. Nachdem der Zugverkehr von Freitag an unterbrochen war, wird er nach Wiederherstellung der Gleise am Dienstag, 30. Juli, um 4.35 Uhr wieder aufgenommen.

Heino Herpen

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