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Mutwillig beschädigt: ein Baum am Georg-Lindner-Weg in Seehausen.

Naturschützer sind fassungslos

Baumfrevel am Staffelsee bleibt ungesühnt

Naturschützer sind fassungslos. Der Baumfrevel am Georg-Lindner-Weg in Seehausen wird nach aktuellem Stand der Dinge für den mutmaßlichen Verursacher keine Folgen haben.

Seehausen – Am Georg-Lindner-Weg in Seehausen ist es beschaulich. Doch das Idyll am Staffelsee bekam vor ein paar Jahren einen Kratzer. Denn in einem Auwäldchen wurden sieben Bäume so schwer beschädigt, dass alle zum Absterben verurteilt sind. Offenbar wurden die Rinden der gesunden, ausgewachsenen Birken, Weiden und Linden mutwillig ringsum mit Werkzeugen bearbeitet. Damit ist ihr Ende besiegelt.

Eigentümer des Grundstücks ist der Markt Murnau. Diesen hat die Gemeinde Seehausen laut Bürgermeister Markus Hörmann (CSU) „abgemahnt“ und auf die Einhaltung des Bebauungsplans hingewiesen. Zuvor hatte das Landratsamt der Kommune Seehausen mitgeteilt, dass die Ahndung von Ordnungswidrigkeiten deren Sache sei.

Doch der große Nachbar wird nicht tätig. Der Markt Murnau hat Rechtsanwälte und Gutachter herangezogen. „Man kam jedoch zu dem Ergebnis, dass aufgrund der Tatsache, dass das Gebiet als Bruchwald einzustufen ist, für die Marktgemeinde nahezu keine Vermögensschäden geltend gemacht werden konnten“, erklärt Wirtschaftsförderer Jan-Ulrich Bittlinger, der auch für die Presse und Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Daher habe man darauf verzichtet, weitere rechtliche Schritte (Strafanzeige, Ersatzpflanzung) einzuleiten, da die Chance zu gewinnen „als äußerst gering eingeschätzt wurde“.

Nun könnte die Gemeinde Seehausen gegen den Markt Murnau juristisch vorgehen. Hörmann hält einen solchen Schritt allerdings nicht für sinnvoll, auch weil die Verhältnismäßigkeit nicht gegeben sei. „Eine weitere Handhabe sehe ich nicht“, sagt Seehausens Gemeindechef. Es gibt einen Verdächtigen. Doch nach aktuellem Stand kommt der mutmaßliche Verursacher ungeschoren davon. Der Baumfrevel bleibt wohl ungesühnt. Schädigungen jüngeren Datums sind Hörmann nach eigenen Angaben keine bekannt.

Naturschützerin Heidi Bäuml, die vor zwei Jahren auf den Fall aufmerksam gemacht hatte, ist fassungslos. „Ich bin entsetzt, dass das im Sande verläuft.“ Die 77-Jährige findet es „erstaunlich“, dass so etwas in der heutigen Zeit möglich ist, in der Natur- und Tierschutz eigentlich einen hohen Stellenwert haben. Bäuml, Mitglied beim Vogelschutzbund, hatte sich schon vor Jahren in ihrer Wut an die Behörden gewandt. Es wäre „schlimm“, wenn der „Baumfrevel“ am Georg-Lindner-Weg „keine gravierenden Strafmaßnahmen für den Verursacher zur Folge hätte“, betonte sie 2016 gegenüber dem Murnauer Tagblatt.

Dr. Rudolf Nützel, Vorsitzender der Ortsgruppe Murnau mit Umgebung des Bund Naturschutz, hatte 2016 von einem „Skandal“ gesprochen. Heute sagt er: Der Fall „zeigt, wo wir stehen. Der Baumschutz spielt keine große Rolle“. Der Seehauser würde sich eine Strafverfolgung wünschen, „wenn man den Verdächtigen kennt. Was muss noch passieren, dass man für den Baumschutz aktiv wird“, fragt er. Wenn der Biber Schäden mache, sei das Geschrei groß. Wobei Nützel einräumt, dass es sich dabei um andere Dimensionen handelt. Im Dezember hieß es, dass das Nagetier entlang der 22 Kilometer Uferlinien am See und auf den Inseln bereits 3000 Bäume geschädigt hat.

Roland Lory

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