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Der Revierinhaber soll entscheiden, ob „Notzeit“ herrscht und gefüttert werden muss. Aber wehe, er liegt mit seiner Einschätzung daneben.

Wildfütterung in der Diskussion

Notzeit ist wohl Auslegungssache

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Seehausen/Peiting - Wann darf man Wildtiere in eisigen Winter füttern? Um diese Frage ist Streit entbrannt.

Seehausen/Peiting– Der Seehauser Revier-Pächter Heinz Rätsch hat sich beschwert. Der Murnauer Jäger Hubert Hertlein hat einen geharnischten Brief an die Landrätin geschickt. Viele Leserbriefe sind gegen das Fütterungsverbot von Rehwild trotz Kälte und Schnee im Landkreis Weilheim-Schongau eingegangen. Die Proteste haben Wirkung gezeigt. Die Versorgung der Tiere wurde daraufhin, so wie im hiesigen Landkreis, geduldet.

Den Stein ins Rollen gebracht haben der Seehauser Heinz Rätsch und die Vorsitzende des Tierschutzvereins Garmisch-Partenkirchen, Tessy Lödermann. Rätsch ist Jäger und hat ein Revier bei Peiting gepachtet. Das somit auch für ihn gültige Verbot vom 11. Januar seitens der Unteren Jagdbehörde des Landratsamtes Weilheim-Schongau, dass das Rehwild trotz hoher Schneelagen und hoher Minusgrade nicht gefüttert werden dürfe, stieß bei ihm auf komplettes Unverständnis, ebenso wie bei Lödermann (wir berichteten). Auch Hubert Hertlein aus Murnau, Jäger, Fotograf und Wildbiologe, hatte seinem Unmut daraufhin am 21. Januar in einem Brief an Andrea Jochner-Weiß, Landrätin des Landkreises Weilheim-Schongau, Luft gemacht. Hertlein sprach darin von „Behördenwillkür und Amtsanmaßung sowie Gängelung mündiger Revierpächter“ und forderte Jochner-Weiß auf, diesem ein Ende zu setzen. „Diese Ignoranz, Eigeninitiative und Selbstherrlichkeit, den Jagdpächtern ohne Rücksicht auf deren Einstellung, Selbstverantwortung oder gesetzliche Vorgaben bezüglich Hege, Tierschutz, Notzeitfütterung, Wildschadens-Vermeidung, Wildschaden-Ersatz, vorzuschreiben, wann Notzeit ist und gefüttert werden darf, sucht seinesgleichen“, ist weiter im Schreiben Hertleins zu lesen.

Dem Murnauer ist der Landkreis Weilheim-Schongau als ehemaliger Jagdpächter, Jagdaufseher und Mitarbeiter in der Unteren Naturschutzbehörde in Weilheim bestens bekannt. Er forderte Jochner-Weiß zu einer Freigabe der Notzeitbeurteilung durch die verantwortlichen Jagdpächter auf. „Einer Überprüfung der Einhaltung einer artgerechten Fütterung durch Ihren Sachbearbeiter würde dies nicht entgegenstehen.“ Kurz nach diesen Wogen der Empörung ruderte die Jagdbehörde zurück und sprach davon, die Fütterung von Rehwild in dieser kalten Zeit nach dem Vorbild des Landkreises Garmisch-Partenkirchen zumindest dulden zu wollen. Zudem sollen am 15. Februar alle Beteiligten zum Thema Rehwild-Fütterung an einen Tisch geholt werden.

Nach dem Vorbild des Landkreises Garmisch-Partenkirchen? Die hiesige Untere Jagdbehörde hatte es in diesem konkreten Fall jedenfalls geschickt verstanden, sich elegant durch die Wirren der Frage zu lavieren, wann Notzeit ist und wann nicht. Zunächst wird in einem Schreiben betont, man habe keine pauschale Notzeit, aber auch kein pauschales Fütterungsverbot ausgesprochen. „Notzeit herrscht in einem Zeitraum, in welchem Wild zu wenig von den Revierverhältnissen her gegebene Äsung findet. Klimatische Einflüsse wie zum Beispiel Frost oder hohe Schneelagen sind Parameter, welche die Not des Wildes nicht unmittelbar, sondern nur mittelbar begründen“, ist es etwas nebulös im Schreiben aus Garmisch-Partenkirchen formuliert. Durch angemessene und vor allem artgerechte Notzeitfütterung solle einerseits die Wildschadensgefahr verringert und zum anderen ein Beitrag zum Tierschutz geleistet werden. Wie im Landkreis Weilheim-Schongau auch mit seinen klimatischen Unterschieden zwischen Seeshaupt und Wildsteig, wird betont, dass die Witterungsverhältnisse im Karwendel eine Notzeit begründen, während im Staffelsee-Raum noch keine Notzeit herrscht.

Die entscheidende Frage jedoch lautet: Wer legt fest, ob Notzeit herrscht? Da wird das Garmisch-Partenkirchner Amt einerseits deutlich: „Revierinhaber sind verpflichtet, in der Notzeit zu füttern. Bei der Entscheidung, ob in ihrem Revier Notzeit herrscht, haben sie sich nach den oben genannten Parametern zu richten.“ Bei Bedarf könnten sie auch die Jagdgenossenschaft, den Hegegemeinschaftsleiter und im Zweifel auch die Untere Jagdbehörde heranziehen. Aber: „Die Entscheidung, ob gefüttert wurde, obwohl keine Notzeit vorlag, obliegt letztlich der Unteren Jagdbehörde.“ Heißt: Jeder Jagdpächter darf füttern, wenn er denkt, dass Notzeit ist, könnte aber Ärger bekommen, wenn es nicht so war.

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