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Die Werdenfelsbahn verkehrt zwischen München und Garmisch-Partenkirchen.

Diskussion über zweigleisigen Ausbau

Pro Bahn zu neuer Seehauser Unterführung: „Schildbürgerstreich“ verhindern

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Der Fahrgastverband Pro Bahn unterstützt die Forderung, beim Bau der Unterführung in Seehausen ein zweites Gleis vorzusehen. Das Problem: Diese ist schon bald fertiggestellt.

Seehausen – Norbert Moy hegt eine Befürchtung: „Hier droht wieder einmal ein bahn-typischer Schildbürgerstreich.“ Der Vorsitzende des Bezirksverbands Oberbayern von Pro Bahn bezieht sich damit auf die laufende Errichtung der Fuß- und Radwegunterführung unter der Zugstrecke München-Garmisch-Partenkirchen an der Seehauser Römerstraße. Nachdem bereits im August Kritiker beklagt hatten, dass man die Option für einen zweigleisigen Ausbau verspiele, schließt sich nun – quasi mit Verspätung – der Fahrgastverband an. Dieser fordert die Deutsche Bahn auf, bei der Unterführung gleich das zweite Gleis vorzusehen. Dieses ist nach Angaben von Moy zwischen Uffing und Murnau zwingend erforderlich, wenn die Bundesregierung ihre Pläne für den Deutschlandtakt umsetzt, der für die Strecke einen Halbstundenrhythmus vorsieht. Der Abschnitt sei dabei „eminent wichtig“, weil dort nach einem Gutachterentwurf „zusätzliche Züge kreuzen“ sollen, sagt Moy. Mit der jetzigen Infrastruktur sei ein Halbstundentakt nicht möglich.

Die Bahn hat bereits in der Vergangenheit argumentiert, dass mögliche künftige Neu- und Ausbauten bei laufenden Projekten nur berücksichtigt werden, wenn dafür eine hinreichend konkrete Vorplanung vorliege oder das Vorhaben zumindest im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans enthalten sei. Beides treffe auf den zweigleisigen Ausbau des Bereichs Murnau-Weilheim nicht zu.

Pro Bahn fordert die Politik in einer Pressemitteilung auf, „die der DB verordnete Kurzsichtigkeit zu beenden und eine Umplanung der Unterführung vorzunehmen“. Nur weil zum jetzigen Zeitpunkt dafür keine durchfinanzierte Planfeststellung vorliege, weigere sich die DB Netz beziehungsweise der Eigentümer Bund, „vorausschauend zu handeln“. Dass Erweiterung oder Umbau später noch möglich seien, hält der Verband für „eine bloße Beschwichtigung“. Er habe dies öfter erlebt, so Moy: „Da heißt es, das kann man später alles noch machen. Und wenn es so weit ist, sagt man, die Kosten seien zu hoch.“

Moy ist sich allerdings über einen Punkt im Klaren: „Wir sind zu spät dran, das ist blöd gelaufen.“ Der Verband werde in Planfeststellungen nicht eingebunden.

Tatsächlich ist die Unterführung nach Angaben von Seehausens Bürgermeister Markus Hörmann (CSU) sehr weit gediehen. Er geht davon aus, dass das Konstrukt im Sommer 2020 voll funktionsfähig sein wird. Hörmann weist darauf hin, dass die Bahnfläche, auf der ein potenzielles zweites Gleis liegen würde, „auf ewige Zeiten gesichert ist, die wird nie jemand verkaufen“. Genau an der Stelle verläuft die gemeindliche Hauptwasserleitung. Die Kommune hat für diese eine Grunddienstbarkeit eingetragen – und damit quasi die Hand drauf.

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