+
Im Fokus: die Mauritiusstraße in Riedhausen.

Protest gegen Pläne der Gemeinde Seehausen

Initiative: Riedhauser Dorfcharakter muss erhalten bleiben

Neben der ungewissen Zukunft der Westtorhalle gibt es in Riedhausen ein weiteres Thema, das gerade die Gemüter bewegt. Dabei geht es um ein Kanal- und Straßenbauprojekt der Gemeinde Seehausen.

Riedhausen – Die Gemeinde Seehausen plant für den Ortsteil Riedhausen umfangreiche Maßnahmen. So sollen in der Mauritiusstraße und Am Fügsee Wasserleitungen und Kanäle erneuert werden, es stehen aber auch Straßenarbeiten an. Kosten: Alles in allem rund zwei Milionen Euro. Das Projekt ruft Teile der Bürgerschaft auf den Plan. Es hat sich eine „Interessengemeinschaft Riedhauser Dorfstraße“ gebildet. Sie sammelt unter dem Motto „Der Riedhauser Dorfcharakter muss erhalten bleiben“ Unterschriften im Hacklhof. Die Initiative beklagt: „Wertvolle Bäume sollen fallen – eine Dorfstraße soll verbreitert werden“. So steht es in einer Stellungnahme, die Martin Schmötzer dem Murnauer Tagblatt zukommen ließ. Sie wurde von 19 Teilnehmern eines Treffens abgesegnet.

Die Wasserversorgung sei lebenswichtig, heißt es in dem Papier. „Da gibt es keine zwei Meinungen.“ Dass nun aber der Gemeinderat die erforderlichen Erneuerungen der Leitungen „so ganz nebenbei“ dazu „nutzen will, die betroffenen Straßen unter Opferung eines Teiles des Baumbestandes zu verbreitern und Grünflachen verändert werden, stößt bei uns Anwohnern auf Unverständnis“. Dies umso mehr, da ja ein Großteil der Betriebe im „Gewerbegebiet“ Riedhausen abgewandert sei und stattdessen viele neue Wohnhäuser entstanden seien. „Im Interesse der Anwohner – und insbesondere der vielen Kinder – halten wir eine Verbreiterung der Straße für kontraproduktiv.“ Vielmehr sollte eine strikte Verkehrsberuhigung angestrebt werden, möglichst mit Erhalt beziehungsweise Erweiterung des Baumbestandes.

Dass die Mauritiusstraße Richtung Westen verbreitert werden soll und dafür die linksseitigen Bäume weichen müssen, werde „von uns Riedhausern“ ebenfalls grundlegend abgelehnt. Die Verbreiterung an dieser Stelle hat nach Angaben des Dritten Bürgermeisters Daniel Schreyer (CSU) einen Grund. „Es muss ausreichend Platz für Radler, Autofahrer und den landwirtschaftlichen Verkehr vorhanden sein.“ Und die Bäume können ihm zufolge dort nicht stehen bleiben, weil die Gemeinde den Schmutzwasserkanal neu machen müsse. Er wird von Privat- auf Gemeindegrund verlegt. 

Es ist laut Schreyer auch nicht so, dass die Straße überall breiter wird. „Zum Teil wird sie sogar verengt.“ An manchen Stellen sei die Strecke heute 7 Meter breit. Die Gemeinde will sie einheitlich auf 6 Meter bringen. Im Bereich der Kapelle wird die Mauritiusstraße auf 4,50 Meter verschmälert. Schreyer sieht die Marschroute der Kommune nicht im Widerspruch zum Anliegen der Initiative. „Ziel des Gemeinderats ist es, den dörflichen Charakter in Riedhausen zu erhalten.“

„Völlig unverständlich“ ist der Interessengemeinschaft auch, dass es sich beim so genannten dritten Bauabschnitt Am Fügsee um eine „erstmalige Herstellung“ handeln soll. „Die Straße ist seit Jahrzehnten komplett ausgebaut inklusive offizieller Beschilderung, Straßenbeleuchtung et cetera.“ In diesem Fall könne nur von einem „Ausbau“ einer bestehenden voll erschlossenen Straße ausgegangen werden. Dieser würde die Anlieger nichts kosten.

Die Gemeinde sieht es anders: „Dieser Bereich ist noch nicht erstmalig hergestellt worden“, betont Schreyer. Man habe sich diesbezüglich vom Landratsamt und dem Bayerischen Gemeindetag beraten lassen. Zunächst will die Kommune die Passage von der Engstelle bis zur Abzweigung Brunnenanger angehen. Der weitere Verlauf der Straße Am Fügsee Richtung Norden soll später folgen. 

Grundsätzlich wäre es Schreyer lieber, wenn bei solchen Themen zuerst einmal die Gemeinde kontaktiert würde, bevor man anfängt Unterschriften zu sammeln. „Man kann dann manche Dinge erklären.“

Roland Lory

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

„Sanis“ seit elf Dekaden im Einsatz
Die Rotkreuz-Bereitschaft Mittenwald blickt auf nun mehr 110 Jahre zurück. Eine Erfolgsgeschichte, wie sich am Sonntag bei der großen Feier zeigte.
„Sanis“ seit elf Dekaden im Einsatz
Zweites Vier-Sterne-Hotel für Bad Bayersoien
Eine Wellness-Herberge mit 32 Zimmern soll in Bad Bayersoien in 1A-Lage entstehen. Bauwerber und Architekt stellten dem Gemeinderat die Pläne vor.
Zweites Vier-Sterne-Hotel für Bad Bayersoien
Seehausen wartet rund 40 Jahre - nun bringt ein Millionenprojekt mehr Sicherheit
Rund 40 Jahre lang hat Seehausen darauf gewartet: Fast vier Millionen Euro fließen in eine Fußgänger- und Radfahrerunterführung, durch die man die Bahnstrecke sicher …
Seehausen wartet rund 40 Jahre - nun bringt ein Millionenprojekt mehr Sicherheit
Sie war auf dem Weg zum Taxi: Frau mit Aschenbecher beworfen
Als sie auf dem Weg zu einem Taxi war, ist eine junge US-Amerikanerin mit einem Aschenbecher beworfen worden.
Sie war auf dem Weg zum Taxi: Frau mit Aschenbecher beworfen

Kommentare