+
Vorfreude auf den großen Tag: Mesner Georg Schmid (l.) und Heimatforscher Jakob Fischer vor der Kapelle St. Peter und Paul in Rieden.

Im September werden sie aufgezogen

Neue Glocken für Sankt Peter und Paul

Die Vorfreude in dem Seehauser Weiler Rieden ist riesengroß. Rechtzeitig zum Patrozinium am 29. Juni werden in der dortigen Kapelle die neuen Bronze-Glocken geweiht – von Weihbischof Florian Wörner.

Rieden – Nach außen hin wirkt sie eher schlicht und schnörkellos. Und doch ist die Kapelle St. Peter und Paul südwestlich von Schloss Rieden nicht nur kunsthistorisch etwas ganz Besonderes. Zählt doch das kleine Gotteshaus zu den ältesten und traditionsreichsten seiner Art im gesamten Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Der 29. Juni wird ein besonderer Tag in der Geschichte des schmucken Kircherls sein: In der Glockengießerei Grassmayr in Innsbruck wurden für seinen Turm zwei neue Bronzeglocken gefertigt, die von dem aus Eschenlohe stammenden Weihbischof Florian Wörner im Rahmen eines Festgottesdienstes feierlich geweiht werden.

Sie ersetzen das Geläut aus Stahl, das kurz nach dem Zweiten Weltkrieg im Turm installiert wurde. „Die Glocke eins hat einen Durchmesser von 48 Zentimetern, ist 70 Kilogramm schwer und auf den Ton a/2 gestimmt, die Glocke zwei mit 40 Zentimetern wiegt 42 Kilogramm und ist auf c/3 gestimmt“, informiert Mesner Georg Schmid.

Weihbischof Florian Wörner wird den Segen für die neuen Glocken sprechen.

Glocke eins wird von Wörner dem Heiligen Petrus, die zweite dem Heiligen Paulus geweiht. Inklusive neuem Motor, Joch und Zubehör entstehen Kosten von rund 11 000 Euro, die die Riedener Mitglieder der Pfarrei Seehausen überwiegend selbst tragen werden. „Ich finde es faszinierend, was die Bewohner eines so kleinen Weilers bei der Vorbereitung dieses Projekts auf die Füße stellen“, würdigt Pfarrer Robert Walter deren Engagement. „Für mich ist es auch eine besondere Freude, Weihbischof Florian Wörner bei uns begrüßen zu können.“

Aufgezogen werden die Glocken allerdings erst im September, zumal am Turm dann größere Reparaturarbeiten anstehen. So wird die marode Schindelverkleidung ganz entfernt und durch eine weiße Putzfassade ersetzt. Auch die Zwiebel erhält mittels einer Kupferhaube ein neues Gesicht, das sich am Erscheinungsbild vor der Renovierung 1989 orientiert.

„Die jetzige Kirche entstand im 15. Jahrhundert“, erklärt der Riedener Heimatforscher Jakob Fischer (81), den am Staffelsee alle nur als Greiner-Jakl kennen. Dies ist an dem hoch aufragenden, gotischen Spitzbogengewölbe im Altarraum gut zu erkennen. „Man nimmt an, dass sich an diesem Ort einmal eine keltische Kultstätte befunden hat.“ Der detailreiche, überaus fein gearbeitete Altar im Stil des Barock hingegen gelangte den schriftlichen Überlieferungen zufolge 1789/90 in die Kapelle und ist den Heiligen Petrus und Paulus gewidmet, die als gefasste Holzfiguren auf die Kapellenbesucher herabschauen. „Die gewundenen Säulen sind jenen im Petersdom in Rom nachempfunden“, erzählt der Heimatforscher, „rechts und links der Muttergottes stellen Fische den Bezug zur Staffelseefischerei her“.

Aus heutiger Sicht mutet es schier unglaublich an, dass das Kircherl Ende des 18. Jahrhunderts wegen seines schlechten Zustands zu jener Zeit vom Abbruch bedroht war. „Bayerns Kurfürst Max Joseph II. hat sich damals persönlich eingesetzt, dass es erhalten wurde“, bericht Fischer über eine glückliche Fügung.

Am 29. Juni, dem Tag des Patroziniums der Kapelle, wird Weihbischof Wörner gegen 9 Uhr am Greinerhof empfangen, um 9.30 Uhr bewegt sich der Kirchenzug zum Anger der Familie Schmid in Oberrieden. Der Festgottesdienst mit der Glockenweihe beginnt um 10 Uhr. Anschließend formiert sich ein Festzug zur Halle der Familie Weingand, wo für das leibliche Wohl der Gäste gesorgt wird. Bei schlechtem Wetter findet dort auch der Gottesdienst statt. Die Blaskapelle Seehausen wird sowohl die Messe als auch das weitere Fest musikalisch gestalten.

Heino Herpen

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Nach Schmalenseehöhe: Pkw überschlägt sich
Schwer verletzt hat eine 30-jährige Farchanterin einen Unfall auf der Staatsstraße 2542 zwischen Mittenwald und Klais. Ihr Wagen überschlug sich mehrfach.
Nach Schmalenseehöhe: Pkw überschlägt sich
Zitzmann und (k)ein Ende?
Wie geht es weiter in Sachen Zitzmann? Nachdem der Gemeinderat das Bürgerbegehren abschmetterte, hält sich Initiatorin Amanda Stork über die nächsten Schritte bedeckt. …
Zitzmann und (k)ein Ende?
Kohlgruber Kindergarten zieht in die Wandelhalle
Eine einfache, kostengünstige Lösung für die Zeit der Bauarbeiten im Bad Kohlgruber Kindergarten ist gefunden.
Kohlgruber Kindergarten zieht in die Wandelhalle
Eibsee-Rundweg verkommt im Sommer immer mehr zur Müllkippe
Kein schöner Anblick: Am Rundweb um den Eibsee häuft sich in den Sommermonaten der Müll. Und die Gemeinde stößt an ihre Grenzen. 
Eibsee-Rundweg verkommt im Sommer immer mehr zur Müllkippe

Kommentare