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Auf einer Wiese nördlich von Riedhausen steht der Vodafone-Mast. 

Vodafone rüstet in Seehausen auf

5G: Pionier-Standort erhitzt die Gemüter

5G – eine Zahl und ein Buchstabe, die gerade für Aufregung sorgen. Kritiker haben Bedenken wegen angeblich gesundheitsschädlicher Folgen. Weil ein Masten in Seehausen aufgerüstet wurde, schrillen bei Gegnern nun die Alarmglocken.

Seehausen – Wenn man von Spatzenhausen auf der B 2 Richtung Murnau fährt, ist die Konstruktion schon von Weitem sichtbar. Der Mobilfunkmast des Anbieters Vodafone steht auf einem Grundstück der Gemeinde Seehausen. Das Unternehmen hat an dieser Station jetzt zusätzlich 5G-Antennen installiert.

Vodafone startete die neue Mobilfunk-Generation 5G in diesem Sommer an 60 Stationen in Deutschland. Zu diesen Pionier-Standorten gehört Seehausen. „Die neuen 5G-Stationen haben jeweils eine Reichweite von etwa 800 Metern“, teilt Vodafone-Sprecher Volker Petendorf mit. Der Anbieter will mit Seehausen ein Gebiet, „das nur über eine schwache Internetanbindung im DSL-Festnetz verfügt, nunmehr via 5G erstmals an das schnelle Breitband-Internet anbinden“. Laut Petendorf geht es also „darum, die örtliche Infrastruktur durch 5G deutlich zu verbessern“.

Die Gemeinde Seehausen wurde nach Angaben von Bürgermeister Markus Hörmann (CSU) nicht eingebunden. Er habe „indirekt“ davon erfahren. „Eine technische Änderung ist aber nicht unbedingt anzeigepflichtig.“ Dennoch will die Gemeinde jetzt von Vodafone die ganzen Daten haben und auch Messungen veranlassen. Die Kommune hat sich Hilfe in Person eines Beraters geholt. „Wir wollen das mit Nachdruck verfolgen“, betont der Rathauschef. Und möchte dabei auch die Öffentlichkeit informieren.

Dass Vodafone in Seehausen aufgerüstet hat, „alarmiert mich total“, sagt die Huglfingerin Sabine Brenner von der Bürgerinitiative Stoppt 5G, die auch in der Region Murnau aktiv ist. Sie befürchtet unter anderem, dass sich 5G negativ auf die Gesundheit auswirkt. „Es ist wichtig, dass die Bevölkerung aufwacht“, betont Brenner. 5G betrachtet sie als „Feldversuch an der Menschheit“. Was sie zudem unterstreicht: „Die Gemeinden müssen sich das nicht gefallen lassen.“

Vodafone hat keine Bedenken. „5G-Mobilfunk ist nach aktuellem Stand der Wissenschaft eine sichere Sache“, erklärt Sprecher Petendorf. „Die gesetzlichen Regelungen für einen sicheren Mobilfunkbetrieb beruhen auf fundierten wissenschaftlichen Erkenntnissen.“ Bedenken in puncto 5G verweist der Anbieter gar ins Reich der Verschwörungstheorien.

Die Gegner berufen sich ebenso auf die Forschung. So empfehlen mehr als 180 Wissenschaftler und Ärzte aus insgesamt 36 Ländern ein Moratorium beim Ausbau. Und zwar bis potenzielle Risiken für die menschliche Gesundheit und die Umwelt vollständig durch industrieunabhängige Wissenschaftler erforscht wurden.

Die Kritiker sind aktiv, wollen die Bürger sensibilisieren. Die deutschlandweit vernetzte Bürgerinitiative Stoppt 5G sowie der Verein Transition Ammer-Loisach sammelten in Murnau gemeinsam 215 Unterschriften für die Petition „Keine 5G-Masten“ im Freistaat Bayern. Die Zeichnungsfrist läuft bis 8. Januar.

Vodafone will nach Angaben von Sprecher Petendorf „in den nächsten Wochen nach aktuellem Stand keine weiteren 5G-Stationen im Landkreis Garmisch-Partenkirchen in Betrieb nehmen“. Der Anbieter verfügt dort aktuell über 41 Stationen. Das sind Masten, Aussichtstürme, Kirchtürme, öffentliche Gebäude sowie Wohnhäuser. Beim weiteren 5G-Ausbau will Vodafone im Landkreis zunächst – wie in Seehausen – die bereits vorhandene Mobilfunk-Infrastruktur weitgehend mitnutzen. „Perspektivisch soll das 5G-Netz im Laufe der nächsten Jahre möglichst alle besiedelten Gebiete erreichen.“ 

In der Werdenfelser Kaserne in Murnau ist das Thema 5G-Ausbau durch die Bundeswehr bisher kein Thema. „Wir wissen nichts davon“, teilt der stellvertretende Kommandeur Harald Schauff mit.

Roland Lory

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