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Bayernweit einmalig: die Seeprozession auf dem Staffelsee. 

Fronleichnam am Staffelsee

Seeprozession in Seehausen: Demonstration des Glaubens

Diese Tradition ist etwas ganz Besonderes: An Fronleichnam fand auf dem Staffelsee wieder die Seehauser Seeprozession statt.

Seehausen – Von Josef, dem Traumdeuter, liest die Welt im ersten Buch Mose. Er prophezeit dem Pharao sieben gute, fette Jahre, auf die sieben Jahres des Hungers folgen. Dieser hatte zuvor von sieben fetten und dann von sieben mageren Kühen geträumt.

Nun hält sich die Seeprozession in Seehausen vor allem an die Gesetze der Natur und nicht an die Träume Angelika Guglhörs. Doch die Vorsitzende des örtlichen Pfarrgemeinderats greift gerne das biblische Bild auf, wenn sie von der Prozession und dem Wetterglück schwärmt. „Das sind unsere fetten Jahre“, sagt sie. Zuletzt fiel die Fronleichnams-Feier auf dem Staffelsee 2013 aus. Lothar Bily, Direktor der Salesianer in Benediktbeuern, erinnert sich sehr genau, wie sie überall in Bayern die Umzüge abgesagt hatten. Er war damals gerade in die Seelsorge in Bad Heilbrunn eingestiegen. Bei seiner Premiere im Nachbarlandkreis regnete es ohne Unterlass.

Fronleichnam am idyllischen Staffelsee: Hier läuft das Fest traditionell ganz besonders ab 

Seine zweite Premiere verlief doch ein wenig erfolgreicher. Die Seeprozession am Donnerstag bei 25 Grad und bewölktem Himmel nennt er „noch angenehmer als in den Vorjahren“, in denen sich der Schweiß in den Trachten der Frauen und Männer sammelte. „Besser geht es nicht“, findet Guglhör und packt einen Wunsch obendrauf. „Ich hoffe, es kommen jetzt keine mageren Jahre.“

Früh morgens, etwa gegen fünf Uhr, entschieden sich die Seehauser für eine Prozession auf dem See. Weil nicht jeder Wettermelder einen trockenen Vormittag vorhergesagt hatte, blieben einige Gäste – vor allem die von außerhalb – lieber daheim. „Sehr ruhig war’s“, sagt Guglhör. In diesem Fall sehen die Organisatoren das als positive Sache. Ausnahmsweise pressten sich auf die Brücke zwischen den Fischerhütten einmal nicht die Gläubigen und Schaulustigen aneinander wie die Forellen im Fangnetz. Am Ufer blieb für alle genug Platz, die Prozession zu verfolgen und ein Erinnerungsfoto zu schießen. Außerdem hat Guglhör den Eindruck, dass die Zahl der Touristen, die nur wegen des Spektakels kommen, zurückgegangen ist. Vor vier Jahren hatte es einmal im Dorf eine große Diskussion gegeben, nachdem sich die Flip-Flop-Träger und Foto-Knipser gehäuft hatten. „Es sind immer ein paar da, die nicht wissen, um was es geht“, bestätigt die Vorsitzende des Pfarrgemeinderats. Aber die Seehauser haben längst ihre Mittel zur Aufklärung. Seit etwa 20 Jahren verteilen sie Broschüren, die Ablauf, Gebete und Lieder enthalten – das Starterpaket für Prozessions-Neulinge. „Da steht alles drin.“ Man müsse es aber den Leuten schon in die Hand drücken, betont Guglhör. Sie hat noch einen persönlichen Tipp für alle Gläubigen: Einfach auf die Mit-Christen schauen, die sich freuen, „den Herrgott auf diese Art zu ehren“, und dankbar sind „in so einer schönen Landschaft zu leben“.

Seeprozession in Seehausen: Endlich selbst dabei

Bily hat bislang nur Bilder und Filmaufnahmen der Seeprozession gesehen. Der Umzug in Fleisch und Farbe sei nochmals beeindruckender mit einem „ganz eigenen Reiz“. Zumindest in Deutschland kenne er keine schönere Prozession, sagt der Direktor der Benediktbeurer Salesianer. Selbst die Dampfer-Prozession auf dem Ammersee habe „bei weitem nicht die Aura“ des Seehauser Umzugs. Der Ablauf gleicht den Glaubensfeiern in den übrigen Dörfern. Besonders sei die Fahrt über den See und der Marsch hinauf zur kleinen Kapelle auf der Insel Wörth. Die leichte Brise, die die Erholung fördert, werde ihm in Erinnerung bleiben, sagt Bily auf die Frage nach seinem schönsten Moment.

In drei Jahren – so schreibt es der Turnus vor – möchte er gerne wiederkommen. Wenn ihn die Glaubensbrüder denn lassen. Nächstes Jahr endet seine erste Amtszeit als Direktor des Klosters. Eine zweite (weitere drei Jahre) ist vorgesehen, „wenn man sich nicht ganz blöd anstellt“, scherzt der 66-Jährige. Von Ruhestand hält er nichts, zumindest nicht mit 65 Jahren. „Ich sehe es nicht ein, dass Leute aufhören müssen, die weitermachen wollen.“ Eine letzte Seeprozession wäre ein perfekter Abschluss. Hoffentlich, wie Bily sagt, mit weiterhin schönem Wetter.

Andreas Mayr

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