+
Vor dem 16 000 Quadratmeter großen Strandbad: die Vorsitzende des Seehauser Fremdenverkehrsvereins, Rosemarie Biehler. 

Spürbare Folgen für Nutzer

Strandbad Seehausen: Gerichtsurteil zwingt zum Handeln

Das wird die Gäste des Seehauser Strandbads nicht freuen: Wegen eines Gerichtsurteils gibt es künftig Einschränkungen.

Seehausen – Ein juristisches Damoklesschwert hängt seit kurzem über dem Seehauser Strandbad, das für dessen Nutzer künftig spürbare Veränderungen bringen wird. Grund hierfür ist ein Urteil des Deutschen Bundesgerichtshofes von 2017 im Hinblick auf die Sicherheit in öffentlichen Bädern. „Darin wird verlangt, dass eine ständige Aufsicht anwesend sein muss, um diese Einrichtungen betreiben zu können“, sagt Rosemarie Biehler, Vorsitzende des Seehauser Fremdenverkehrsvereins, der das Strandbad ehrenamtlich betreibt. „Wir haben unser Bad täglich drei Stunden ohne Aufsicht unentgeltlich geöffnet. Das wäre nach diesem Urteil theoretisch nicht mehr möglich.“

Vor allem geht es dabei um den Steg, den Sprungturm und die Wasserrutsche, die jährlich vom TÜV zertifiziert werden. „Im Urteil ist eine Beweisumkehr impliziert worden, was konkret bedeutet, dass wir bei einem Unfall nachweisen müssen, dass wir nicht daran schuld waren. Im schlimmsten Fall hat das strafrechtliche Folgen für unseren Verein – und für mich als Vorsitzende“, sorgt sich Biehler, die zudem seit 1986 Tourismuschefin der Gemeinde ist.

Um auf der sicheren Seite zu sein, hat der Verein für die laufende Saison eine dritte Badeaufsicht eingestellt. Die gerichtliche Entscheidung betrifft nicht nur Seehausen, sondern alle Orte mit öffentlichen Bädern in ganz Deutschland. Die Folge der neuen Gesetzeslage ist laut Biehler, dass viele Bäder dazu übergingen, ihre Anlagen wie Stege und Flöße ganz zu entfernen, wie etwa auf dem Starnberger- und dem Ammersee. „Wir wollen aber diesen brachialen Schritt nicht gehen und die Menschen zu den Zeiten ohne Aufsicht aus unserem Bad nicht aussperren“, betont die Vereinsvorsitzende. „Wir versuchen es auf andere Weise, und zwar mit einer aktiven Verbauung unserer Anlagen am Abend.“ So werden künftig in den nicht beaufsichtigten Zeiten die Zugänge zu den Stegen versperrt, ebenso die Aufstiege zum Sprungturm und der Wasserrutsche. „Unsere Gäste dürfen nach wie vor baden, sollen aber nicht über den Steg ins Wasser gehen, sondern vom Ufer aus“, erläutert Biehler. „Und auch die Umkleiden werden offen sein. Jeder Gast muss dann ein Stück Verantwortung übernehmen“, fordert sie. „Darum bitten wir unsere Besucher, aktiv mitzuhelfen, die Vorgaben zu respektieren und Personen bei Zuwiderhandlungen anzusprechen. Denn wenn das nicht funktioniert, hat das definitiv die Schließung des Bades außerhalb der offiziellen Öffnungszeiten zur Folge.“ Gesetzesänderungen wie die vorliegende führten letztendlich zu einem erhöhten Personalaufwand und hohen Investitionskosten, die an die Gäste weitergegeben werden müssten, erklärt Biehler.

Folglich werden in der Freizeiteinrichtung die Eintrittspreise heuer moderat von 3,50 für eine Tageskarte für Erwachsene auf 4 Euro und für Kinder zwischen sechs und 18 Jahren von 1,50 auf 2 Euro erhöht. Das Bad hat täglich offiziell von 9 bis 20 Uhr sowie samstags und sonntags von 8.30 Uhr bis 20 Uhr geöffnet, inoffiziell – also ohne Badeaufsicht – von 6 bis 8 Uhr und von 20 bis 21 Uhr. (Zwischen 8 und 9 Uhr wird geputzt). Bei den Strandbädern von Murnau und Uffing stellt sich das Problem so nicht: Sie sind laut Tagblatt-Recherche außerhalb der Öffnungszeiten mit Badeaufsicht geschlossen. 

Heino Herpen


Das könnte Sie auch interessieren:  Nach Ärger mit Badegästen:Hier am Staffelsee dürfen Stand-Up-Paddler nicht mehr ins Wasser

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Nie mehr Strafzettel: Parken per Smartphone in Oberammergau ab sofort möglich
Oberammergau zieht nach: Ab sofort muss man keine Parkscheine mehr am Automaten ziehen. Das bringt Vorteile mit.
Nie mehr Strafzettel: Parken per Smartphone in Oberammergau ab sofort möglich
Münchnerin stürzt in den Alpen 70 Meter in den Tod
Tödlich endete ein Alpen-Ausflug für eine Frau aus München. Sie stürzte bei der Tour 70 Meter in die Tiefe und verletzte sich am Kopf.
Münchnerin stürzt in den Alpen 70 Meter in den Tod
Tödliches Unglück an der Klammspitze: Frau (70) stürzt ab 
Drama an der Klammspitze: Rund 70 Meter ist eine Frau in den Tod gestürzt. Die 70-Jährige zog sich dabei Kopfverletzungen zu. 
Tödliches Unglück an der Klammspitze: Frau (70) stürzt ab 
Bürgermeister? Landrat? Corongiu bleibt Antwort über Kandidatur noch schuldig
Er lässt sie alle zappeln: seine Genossen bei der SPD und die Landkreis-Bürger. Enrico Corongiu hat noch keine Entscheidung getroffen, wie er sich für die Kommunalwahlen …
Bürgermeister? Landrat? Corongiu bleibt Antwort über Kandidatur noch schuldig

Kommentare