Coronavirus in Deutschland: RKI bestätigt 128 Tote in 24 Stunden - jüngstes Opfer war 28 Jahre alt

Coronavirus in Deutschland: RKI bestätigt 128 Tote in 24 Stunden - jüngstes Opfer war 28 Jahre alt
+
Besuch aus dem Maximilianeum: der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag, Ludwig Hartmann, zusammen mit der Murnauer Bürgermeisterkandidatin Veronika Jones. 

Grünen-Veranstaltung in Seehausen

Hartmann: „Bauern sollen vor Discountern demonstrieren“

Prominente Unterstützung: Der Abgeordnete Ludwig Hartmann greift der Murnauer Bürgermeisterkandidatin Veronika Jones unter die Arme.

Seehausen – Die zunehmende Entfremdung zwischen Landwirten und Verbrauchern ist Ludwig Hartmann aus Landsberg am Lech ein Dorn im Auge. Bei einem Informationsabend des Ortsverbandes der Grünen mit den Themenschwerpunkten Landwirtschaft und Wohnbau zeigte der Fraktionsvorsitzende der Partei im Bayerischen Landtag im Gasthof „Zum Stern“ am Donnerstag Wege auf, aus der Misere aus Überproduktion und extrem niedrigen Preisen für Lebensmittel zu kommen: „Denn in diesem System läuft grundlegend etwas falsch.“

Verbraucher ist gefragt

Um dies deutlich zu machen, nahm er einen Blick in die europäische Geschichte vor. „In einem Kontinent, in dem die Nationen über Jahrhunderte untereinander Krieg führten, haben wir es geschafft, leben wir seit 75 Jahren im Frieden. Das kann nur klappen, wenn nie wieder das Essen ausgeht. Das wir das geschafft haben, haben wir unseren Landwirten zu verdanken.“ Allerdings seien heute Überproduktion, verfallende Milchpreise und Höfesterben das Problem. „Hier ist der Verbraucher gefragt, er sollte ein Bewusstsein für die landwirtschaftlich erzeugten Produkte bekommen, und da kann die öffentliche Hand mit gutem Beispiel vorangehen. Wenn etwa der Freistaat Autos beschaffe, würden solche aus Bayern gekauft, stellte er provokativ fest. „Die Frage ist nur, warum wir zum Beispiel bei Catering-Ausschreibungen für Schulen und Kantinen nicht genauso darauf bestehen, dass die Erzeugnisse aus Bayern kommen.“ Beim Vergaberecht könnten durchaus entsprechende Vorgaben gemacht werden, was man bevorzuge. Damit nahm Hartmann rechtlichen Gegenargumenten den Wind aus den Segeln.

Jones ist für zweiten Wochenmarkt

Der Grünen-Politiker schlug vor, mit Schulklassen jene Bauernhöfe zu besuchen, die für die Belieferung ihrer Schulen zuständig seien. Entscheidend sei die Wertschätzung für die aufwändig von Landwirten erzeugten Lebensmittel. „Wenn es in ganz Bayern so wäre wie im Landkreis Garmisch-Partenkirchen, hätte es wahrscheinlich kein Volksbegehren ‚Rettet die Bienen’ gebraucht“, zollte er den Bauern in der Region seinen Respekt. Im gleichen Sinne äußerte sich auch die Murnauer Bürgermeisterkandidatin der Grünen, Veronika Jones. „Die Landwirte in der Region arbeiten sehr ökologisch und naturverbunden“, unterstrich sie. „Trotzdem werden die Landwirte oft unter Sippenhaft gestellt, und das ist nicht richtig.“ Es gelte, die Bevölkerung regional mit frischen Lebensmitteln zu versorgen, etwa durch einen zweiten Wochenmarkt am Samstag, wenn die meisten Menschen Zeit hätten. „Und wenn ich kurze Transportwege habe, betreibe ich aktiven Klimaschutz“, sagte die Bürgermeister-Anwärterin.

Keine kommunalen Flächen verkaufen

In puncto Wohnbau warnte Jones vor ungezügelter Bauwut und Flächenfraß: „Wir wollen nur die Wohnungen bauen, die wir für die Einheimischen brauchen und für die Arbeitskräfte der örtlichen Betriebe.“ Kommunale Flächen dürften nicht veräußert, sondern sollten über eine Genossenschaft im Erbpachtmodell direkt bebaut werden, forderte Jones. Wenn Betriebe keine Mitarbeiter wegen der hohen Mietpreise fänden, drohe im schlimmsten Fall sogar deren Abwanderung, warnte sie.

Debatte mit rund 50 Zuhörern

In der anschließenden Diskussion mit den rund 50 Zuhörern – darunter auch mehrere Landwirte - ging es unter anderem um die Überproduktion von Fleisch, viel zu billige Lebensmittel, Tiertransporte ins Ausland und internationale Freihandelsabkommen, die den heimischen Bauern schaden. „Wie bringt man das ‚Geiz ist geil’ bloß aus den Köpfen raus?“ ärgerte sich eine Zuhörerin. Beifall erhielt Hartmann für seine Bemerkung „Die Bauern sollten mit ihren Traktoren nicht nur in Berlin, sondern auch mal vor den Discountern demonstrieren, die ihnen ihre Preise kaputtmachen“. Entschieden wandte sich Jones gegen die Auffassung, man könnte gegen die herrschenden Missstände nichts unternehmen: „Es braucht einen längeren Atem, um etwas zu verändern, aber es ist durchaus möglich“.

Heino Herpen

Protest starteten hunderte Landwirte in Oldenburg. Der neue Werbe-Slogan des Edeka-Konzerns brachte sie derart auf die Palme, dass sie das Zentrallager bei Oldenburg komplett lahm legten. 

Auch interessant: Veronika Jones will Rathaus erobern

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Mittenwalder Ehe-Polit-Tandem: Er Bürgermeister, sie Gemeinderätin
Der künftige Bürgermeister Enrico Corongiu wird am 5. Mai seine Ehefrau Kerstin vereidigen. Ein Novum in Mittenwald.
Mittenwalder Ehe-Polit-Tandem: Er Bürgermeister, sie Gemeinderätin
Rathaus-Vize: Dr. Julia Stewens wirft Hut in den Ring
Nach der Wiederwahl Rolf Beutings stellt sich in der Murnauer Ortspolitik die Frage, wer den neuen alten Bürgermeister vertreten soll. Die bisherige Vizechefin im …
Rathaus-Vize: Dr. Julia Stewens wirft Hut in den Ring
Bei Verkehrskontrolle: Beifahrer geht mit erhobenen Fäusten auf Polizisten los
Erwischt: Der Polizei gingen zwei Männer ins Netz, die zuvor einige Vergehen begangen haben. Einer der beiden wurde bei der Kontrolle auch noch aggressiv.
Bei Verkehrskontrolle: Beifahrer geht mit erhobenen Fäusten auf Polizisten los
Kommunalwahl 2020 im Kreis Garmisch-Partenkirchen: Alle Ergebnisse der Stichwahlen
Die Ergebnisse der Kommunalwahl 2020 im Landkreis Garmisch-Partenkirchen: Landrat, Bürgermeister, Gemeinderäte und Kreistag im Überblick.
Kommunalwahl 2020 im Kreis Garmisch-Partenkirchen: Alle Ergebnisse der Stichwahlen

Kommentare