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Die Westseite Richtung Norden, wo es in früheren Zeiten ein zweites Gleis gab.

Neue Unterführung in Seehausen 

Kritik von Bahnfreunden: Option für zweites Gleis wird verbaut

Bahnfreunde üben Kritik an den Plänen für die Unterführung zwischen Riedhausen und Seehausen. Damit werde die Option für einen zweigleisigen Betrieb verbaut, heißt es. Die Deutsche Bahn betont, dass es dafür keine konkrete Vorplanung gibt.

Seehausen – Es ist ein Projekt, auf dessen Realisierung die Seehauser eine halbe Ewigkeit warten mussten. Nun ist die Bahnunterführung an der Römerstraße seit ein paar Monaten im Bau. Sie schlägt mit 3,85 Millionen Euro zu Buche, wobei der Betrag je zu einem Drittel von der Deutschen Bahn, dem Bund und der Gemeinde Seehausen getragen wird.

Doch jetzt wird Kritik laut: „So begrüßenswert die Schaffung einer direkten Fuß- und Radwegverbindung zwischen Riedhausen und dem Ortszentrum von Seehausen auch ist, hier liegt eine katastrophale Fehlplanung vor“, betont der Murnauer Ingenieur Dr. Reinhard Pospischil in einer E-Mail ans Tagblatt. „Tatsächlich wird durch die gewählte Art der Anbindung der neuen Unterführung sowie eine geplante Lärmschutzwand auf der Westseite des bestehenden Gleises die Option für die Wiederherstellung des zweiten Gleises München-Mittenwald verbaut.“ 

Besonders pikant aus Pospischils Sicht: „Für zwei zusätzliche, unmittelbar an der Bahn gebaute Häuser am Ettaler Weg wurde sogar noch ein vorher dort vorhandener Lärmschutzwall entfernt.“ Korrekturen sind nach Meinung des ehemaligen Bahn-Mitarbeiters noch möglich. „Aktuell sind die Zugangsbauwerke zur neuen Unterführung in der Trasse des früheren zweiten Streckengleises noch nicht errichtet.“ Pospischil hält ein sofortiges Eingreifen sowohl seitens der Bahn als auch der Gemeinde und ein Planänderungsverfahren für nötig. „Wenn da jetzt nicht umgehend nachgebessert wird, wäre der Zug für einen leistungsfähigeren Ausbau der Werdenfelsbahn wohl endgültig abgefahren.“

Pospischil ist nicht allein mit seiner Kritik. Auch Bernhard Schülein aus Unterau, der dem Fahrgastverband Pro Bahn eng verbunden und Vorsitzender der SPD Kochel ist, meldet sich zu Wort. „So sehr es richtig und wichtig ist, an dieser Stelle eine Fußgängerunterführung zu bauen, so unsinnig ist es, deren Anbindung so auszuführen, dass der Wiederaufbau des zweiten Gleises damit behindert wird.“ Wer auf der Strecke regelmäßig fahre, kenne die entsprechenden Verspätungsdurchsagen, die sich aus dem eingleisigen Betrieb ergeben. „Hier wird der dringend nötige Ausbau der Werdenfelsbahn unnötig blockiert“, ärgert sich Schülein. „So kann sich der ÖPNV natürlich auch seine eigenen Zukunftschancen verbauen.“ Auch seiner Ansicht nach ist es nicht zu spät, umzuplanen.

Bei der Deutschen Bahn sieht man dazu offensichtlich keinen Anlass. In puncto Zweigleisigkeit sagt ein Sprecher: „Mögliche zukünftige Neu- und Ausbaumaßnahmen können bei aktuellen Bauprojekten grundsätzlich nur dann berücksichtigt werden, wenn dafür eine hinreichend konkrete Vorplanung vorliegt oder das Projekt zumindest im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplanes enthalten ist.“ Beides treffe auf einen zweigleisigen Ausbau des Streckenabschnitts Weilheim-Murnau nicht zu. „Der Bund stellte deshalb auch nur Finanzmittel für eine eingleisige Brücke zur Verfügung. Sollte zu einem späteren Zeitpunkt die Entscheidung für einen zweigleisigen Ausbau getroffen werden, muss ohnehin die gesamte Strecke inklusive der Bauwerke neu geplant werden.“ Der Brückenneubau sei im Übrigen planfestgestellt. „Es kamen zu diesem Punkt auch keine Einwendungen oder Forderungen.“

Bürgermeister Markus Hörmann (CSU) sieht einen zweigleisigen Ausbau grundsätzlich positiv. Nur in der Zwischenzeit sollte man seiner Meinung nach Projekte wie die Unterführung realisieren. Die Deutsche Bahn habe zu verstehen gegeben, dass sie jetzt gebaut werde – „oder nie mehr“. Im Übrigen weist Hörmann darauf hin, dass die Unterführung bei Rieden, die vor zehn Jahren errichtet wurde, auch nur für einen eingleisigen Betrieb ausgelegt ist. Bei einem zweigleisigen Ausbau „müsste sie komplett herausgerissen werden“.

Wie auch immer: Pospischil hält einen Baustopp für die Bauwerke auf der Westseite der neuen Bahnunterführung angezeigt. Es gelte zu handeln, „bevor das Kind endgültig in den Brunnen gefallen ist“. Die Werdenfels-Strecke sei „der Lebensnerv für die ganze Region“. Auch Schülein findet: „Es wäre schade, wenn man jetzt leichtfertig diese Chance verbaut.“ Hörmann hält eine Umplanung jedoch für unrealistisch: „Die Aussicht geht gegen null.“

Apropos Planungen: Erst kürzlich schnürten Bund und Bahn ein Milliardenpaket, mit dem der Schienenverkehr gestärkt werden soll. Damit will man auch das Klima schonen. Ob die Werdenfelsbahn auch profitieren wird, bleibt abzuwarten.

Roland Lory

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