Beliebter Seelsorger: Robert Walter.
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Beliebter Seelsorger: Robert Walter.

Pfarreiengemeinschaft Staffelsee

Nach langer Wartezeit: Requiems für Pfarrer und Dekan Robert Walter

  • vonChristof Schnürer
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Nach langer Wartezeit ist es so weit: Es finden Requiems für Pfarrer und Dekan Robert Walter statt.

Seehausen – Das Leben liegt in Gottes Händen. Pfarrer Robert Walter hat wie kein anderer an diese Worte geglaubt. Als er im Juni 2017 mit Franz Matschl, Uli Hubal und Gerry Meyer zum Inselkreuz von St. Jakob übersetzt, weiß der Seelsorger, dass er krank, möglicherweise unheilbar krank ist. Er schließt die Augen und lässt sich die frühsommerliche Brise ins Gesicht wehen. Mit dem Trio vom Verein „Da Sea is inser“ postiert er sich vor dem Kruzifix zum Erinnerungsfoto. Zehn Jahre ist es her, dass rund 80 Seehauser im Mai 2007 das Inselkreuz zu Papst Benedikt XVI. zum Segnen gebracht haben. Rückblickend ist diese Wallfahrt in die Ewige Stadt aber mehr: „Die Gemeinschaft, die sie erzeugt hat, war unglaublich.“

Und Pfarrer Walter war prägender Teil dieser verschworenen Einheit. Darum haben die Seehauser ihren Dekan auch so gemocht. „Die Pfarreien waren seine Familie“, meint Pfarrgemeinderatsvorsitzende Angelika Guglhör. „Er hat uns zur Gemeinschaft gemacht.“ Womit die Konrektorin die Schöffauer, Uffinger und Spatzenhauser einbezieht.

Pfarrer Robert Walter mit 56 Jahren gestorben

Am 27. März dieses Jahres hat Walter mit gerade einmal 56 Jahren den Kampf gegen den Krebs verloren. Wegen des Corona-Lockdowns und der damit verbundenen Kontaktbeschränkung konnten die Staffelsee-Gemeinden bis heute nicht richtig Abschied von ihm nehmen. Die Beerdigung von Robert Walter fand im Frühjahr nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit auf dem Uffinger Friedhof statt. Für Angelika Guglhör, die in all den Jahren den „sehr umtriebigen“ Schwaben zu schätzen wusste, ein unerträglicher Zustand.

Ein würdevoller Abschluss muss her – das hat dieser volksnahe und leutselige Priester wie kein anderer verdient. Nun ist es endlich soweit: In den einzelnen Kirchengemeinden finden in memoriam Pfarrer Walter wochenweise einzelne Requiems statt. Den Anfang macht an diesem Wochenende Schöffau. Seehausen feiert seinen verstorbenen Seelsorger am 1. August in St. Michael. Als die Pfarrgemeinderatsvorsitzende am vergangenen Sonntag am Ende der Heiligen Messe diesen Termin verkündet, ist sie spürbar bewegt. Nachher meint sie: „Unser Pfarrer hat sich einfach der Menschen angenommen, er hat nicht erwartet, dass wir für die Kirche da sind, sondern die Kirche sollte für uns da sein.“

Unvergessene Rom-Wallfahrt 

Natürlich denkt auch Guglhör gerne an die Rom-Wallfahrt zurück, „Das Highlight“, wie sie die unbeschwerten Tage am Tiber bezeichnet. Als unmittelbar vor der Audienz auf dem Petersplatz das Papamobil vor der vierköpfigen Seehauser Delegation in einem Vorhof anhält, „Benedetto“ und sein Sekretär Georg Gänswein vor Pfarrer Walter und seine drei Begleiter treten, herrscht plötzlich mystische Stille. Den Moment, als der Pontifex an dem Binsenkörbchen der Seehauserin Cilly Gugler riecht, hat Walter nie vergessen. „Da hat das Gesicht des Heiligen Vaters geleuchtet.“

Der Staffelsee-Pfarrer hat solche Momente geliebt. Er sah sich stets als Brückenbauer – und Baumeister war er auch. In den zurückliegenden 16 Jahren sanierte er im Verbund mit seiner Kirchenverwaltung die Gotteshäuser St. Michael (Seehausen), St. Mauritius (Riedhausen) und St. Peter und Paul (Rieden). Auch den Kauf der vier neuen Bronze-Glocken für die Pfarrkirche hat Walter im Verbund mit seinen Schäfchen 2014 bewerkstelligt.

Pfarrer Robert Walter hat immer ein offenes Ohr

„Er war ein kompetenter und lösungsorientierter Ansprechpartner, der immer ein offenes Ohr hatte“, blickt Bürgermeister Markus Hörmann zurück. Selbst vom Tod gezeichnet, kümmerte sich der Seelsorger auch um weltliche Dinge. Zwei Tage vor seinem plötzlichen Ableben erkundigte sich Walter bei Hörmann nach dem Fortschritt der Kinderkrippe.

Zu seinem Geburtstag hatte ihm der Rathauschef einmal die DVD-Sammlung von „Don Camillo und Peppone“ geschenkt. „Bei uns läuft’s deutlich besser wie bei den beiden“, meinte seinerzeit Walter mit einem Augenzwinkern. Doch der bekennende Motorrad-Fan konnte nicht nur scherzen, sondern auch Klartext reden. Angelika Guglhör erinnert sich an eine „flammende Predigt“, bei der sich Walter dafür einsetzte, dass auch Geschiedene die Kommunion empfangen sollten.

Robert Walters persönlicher Kreuzweg 

Unbequem und unermüdlich war er ebenso wie liebenswert, leger und locker. Ein Mann im Hier und Jetzt. Als Robert Walter vor einigen Monaten nach Rücksprache mit seinen Ärzten beschloss, den Kampf gegen die Krankheit einzustellen, begann seine letzte, schmerzvolle Etappe. Der Geistliche, der zutiefst an die frohe Botschaft von Jesus Christus glaubte, durchlitt wie der Heiland seinen ganz persönlichen Kreuzweg. Bis kurz vor seinem Tod feierte er mit seinen Staffelsee-Gemeinden die Auferstehung des Herrn – und das obwohl er oft vor Schmerzen kaum noch am Altar stehen konnte.

In seinen letzten Stunden ist im vielleicht auch das vom Papst geweihte Inselkreuz von St. Jakob in den Sinn gekommen. Einmal hat er über dieses Kruzifix aus Eichenholz gesagt: „Jedesmal wenn ich daran vorbei rudere oder fahre, kriege ich strahlende Augen.“

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