Zukunftsvision: So stellt sich Marvel Fusion das Forschungszentrum in Penzberg vor. Grafik: Marvel Fusion
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Zukunftsvision: So stellt sich Marvel Fusion das Forschungszentrum in Penzberg vor.

Marvel Fusion auf Standortsuche

Seehausen erteilt Hightech-Firma eine Absage

  • Andreas Seiler
    vonAndreas Seiler
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Die Pläne klingen nach Science-Fiction: Das Münchner Unternehmen Marvel Fusion möchte ein kommerzielles Fusionskraftwerk entwickeln, um sauberen Strom zu gewinnen. Aktueller Wunschstandort ist Penzberg. Auch in Seehausen klopften die Investoren an, kassierten allerdings eine Abfuhr.

Seehausen/Penzberg – In Penzberg ist die mögliche Marvel-Fusion-Ansiedlung momentan Gesprächsthema Nummer eins – und entzweit die Gemüter: Die GmbH mit Sitz in der Landeshauptstadt, anscheinend ausgestattet mit reichlich Risikokapital, hat ein städtisches Grundstück im Industriepark Nonnenwald direkt neben dem Roche-Werk ins Auge gefasst, um darauf ein ambitioniertes Projekt der Spitzentechnologie zu realisieren.

Kernfusion mit Hochenergie-Laser

Es geht, vereinfacht gesagt, darum, mit einem Hochenergie-Laser eine Kernfusion und auf diese Weise CO2-freie und damit klimaneutrale Energie zu erzeugen – zuerst in einer Forschungsanlage und dann in einem Prototypen eines Kraftwerks. Dieses Verfahren wäre, wenn es denn funktioniert, bahnbrechend und könnte die komplette Strombranche auf den Kopf stellen.

In der Industriestadt des Nachbarlandkreises ist noch alles offen. Die Politik scheint hin- und hergerissen zu sein zwischen Faszination und Skepsis. Bei aller Euphorie: Die Liste der Einwände und Befürchtungen ist lang. Dabei geht es beispielsweise um Fragen der Sicherheit.

In Seehausen ist hingegen die Entscheidung gefallen – und zwar gegen Marvel Fusion. Die Hightech-Firma hatte offenbar, wie erst jetzt publik wurde, auch das idyllische Fischerdorf am Staffelsee – genauer gesagt eine Fläche im geplanten Gewerbegebiet Längenwiesen, das am östlichen Rand zwischen Baywa-Baumarkt und Lautner-Hof entstehen soll – als potentiellen Standort auf dem Schirm.

Doch der Gemeinderat konnte sich, wie Bürgermeister Markus Hörmann (CSU) auf Nachfrage erklärt, mit dem revolutionären Konzept nicht so recht anfreunden und sprach sich bereits im Sommer hinter verschlossenen Türen dagegen aus.

Mehrheit stimmte dagegen

Mit Details zur Abstimmung hält sich der Rathauschef zurück. Nor soviel: „Die Mehrheit war dagegen.“ Hörmann selbst outet sich als Befürworter des Marvel-Fusion-Vorhabens, der gerne für Seehausen diese Chance ergriffen hätte. Doch er müsse das Nein des Gremiums akzeptieren. Sein Resümee: „Ich finde das bedauerlich.“ Wer die Energiewende voranbringen möchte, argumentiert der studierte Geologe, müsse auch gegenüber neuen Technologien aufgeschlossen sein. Außerdem hätte man die Möglichkeit gehabt, gerade für die jüngeren Landkreis-Bewohner hochqualifizierte Arbeitsplätze zu schaffen.

Gemeinderat Dr. Robert Roithmeier, Kopf der erstarkten Fraktion Liste Bürgernah/ÖDP/Grüne war zwar bei dem besagten Votum nicht dabei, konnte aber den Marvel-Fusion-Plänen nichts abgewinnen. Gegen die Idee, ein Fusionskraftwerk zu bauen, sei ja grundsätzlich nichts einzuwenden, findet der Ingenieur und Mathematiker. Nur gehöre dieses in ein Forschungszentrum, etwa nach Garching – und nicht nach Seehausen. Das Wirtschaftsareal an den Längenwiesen sei vor allem für heimische Handwerker, Kleinbetriebe und Dienstleister gedacht. „Das Gewerbegebiet ist nicht unendlich groß“, sagt der Ortspolitiker. Allein das Münchner Unternehmen hätte mindestens die Hälfte davon beansprucht. Und im Falle einer Ansiedlung hätte sich seiner Ansicht nach in Seehausen ein weiteres Problem verschärft: „Der Wohnungsmarkt wäre noch mehr unter Druck geraten.“

Marvel Fusion gibt sich indessen flexibel: Im Rahmen einer Standortanalyse ziehe man mehrere Areale in Oberbayern in Betracht, sagt Sprecherin Britta Weddeling. „Zu den besonderen Anforderungen an das Grundstück zählen zum Beispiel Größe oder Bodenbeschaffenheit.“ Für die Laser-Technik ist ein möglichst erschütterungsarmer Untergrund notwendig.

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