Auf Abstand: die neuen Seehauser Gemeinderäte bei ihrer Vereidigung.

Trotz starkem Wahlergebnis

Roithmeier scheitert mit Kandidatur: Scharfe Kritik wird laut

  • vonRafael Sala
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Paukenschlag in Seehausen: Robert Roithmeier, Vorsitzender der Liste Bürgernah/ÖDP/Grüne, bleibt ein Stellvertreteramt im Rathaus verwehrt. Dabei ist seine Gruppierung stärkste Fraktion im neuen Gemeinderat. Der Bürgerwille werde nicht respektiert, lautet nun der Vorwurf.

Seehausen – Die erste Sitzung des neuen Seehauser Gemeinderats im Gasthaus Zum Stern ist gleich von Misstönen begleitet worden. Zwei Mal scheiterte der Vorsitzende der Gruppierung „Liste Bürgernah/ÖDP/Grüne“ (LB), Robert Roithmeier – sowohl bei der Wahl zum Zweiten als auch anschließend zum Dritten Bürgermeister. Mit jeweils 9:6-Stimmen entschied sich das 15-Mann-starke Gremium für Karl Widmann (PWS) als Zweiten und für Daniel Schreyer (CSU) als Dritten Bürgermeister.

Damit hat der promovierte Mathematiker Roithmeier, der mit seiner Gruppierung bei der Kommunalwahl mit knapp 40 Prozent der Stimmen ein sensationelles Ergebnis eingefahren hatte, in der Staffelsee-Gemeinde kein Stellvertreteramt inne. Die CSU und die Parteilose Wählergruppe Seehausen (PWS) haben dies geschlossen verhindert. Eine politische Ohrfeige, die nicht unkommentiert blieb. Der Geschasste selbst nannte das Ergebnis mit Blick auf das Votum seiner Gruppierung eine „schwierige Kiste“. Die Verbitterung war ihm sichtlich anzumerken. Dabei hatte sich seine Gruppierung vor der Wahl mit Nachdruck für Roithmeier starkgemacht. So hatte sein Parteikollege Peter Manusch eben dieses so deutlich ausfallende Votum der Seehauser aufgegriffen: Roithmeier zu umgehen, bedeute, das Wahlergebnis nicht zu respektieren. „Jeder Zweite hat den Robert gewählt.“ Ein Umstand, der sich in einem starken Amt niederschlagen müsse. Es müsse um „Einbeziehung“ und nicht um „Ausgrenzung“ gehen, forderte der 60-Jährige: „Das ist die bessere Strategie.“ Noch deutlicher wurde Eva Robl: „Ich bin schon entsetzt und enttäuscht, dass Robert Roithmeier als Bürgermeister einfach übergangen wird“, kritisierte die LB/ÖDP/Grüne-Gemeinderätin.

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„Einer wird immer leer ausgehen“

Der neue Zweite Bürgermeister Karl Widmann (PWS), ein politischer Neuling, der stark im Vereinsleben der 2500-Seelen-Gemeinde engagiert ist, äußerte sich nicht zu seiner Kandidatur. Dafür aber sein künftiger Stellvertreter, der Dritte Bürgermeister Daniel Schreyer (CSU), dem sichtlich daran gelegen war, die Wogen zu glätten und seine Wahl als legitim zu werten. Es sei keine Frage, dass Roithmeier „ein überwältigendes Stimmergebnis“ eingefahren habe. Dennoch sei es nun einmal so, dass es nur zwei Stellvertreter des amtierenden Bürgermeisters Markus Hörmann (CSU) geben könne: „Einer wird immer leer ausgehen, das ist der Lauf der Dinge.“ Aus seiner Sicht sei der Seehauser Gemeinderat ein starkes Gremium, das immer Zusammenhalt und Handlungsfähigkeit bewiesen habe. „Ich würde mich freuen, wenn es auch die nächsten Jahre so gut klappt.“ Der Bürgermeister habe alle drei Fraktionen immer gleichwertig behandelt, Ausgrenzungen gebe es nicht. Er selbst sitzt seit 18 Jahren im Gremium und hat in dieser Zeit kaum eine Sitzung versäumt.

Nach den Dissonanzen bei der Wahl der Stellvertreterämter gab es zumindest Einigkeit bei der Vereidigung des neuen Gemeinderats: Drei Gruppierungen gibt es im Team von Hörmann: die LB/ÖDP/Grüne, die PWS und die CSU. 

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