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Ein stolzer Großvater: Sylvester Eichberger genießt seine Opa-Rolle. Die beiden Enkelkinder Manuel und Annika hat der Seehauser fest ins Herz geschlossen. 

Die Familie an erster Stelle 

Ein Mann, der die Heimat liebt: Sylvester Eichberger wird 80

Nicht nur wegen seiner äußeren Erscheinung ist Sylvester Eichberger eine echte Größe. Als Bürgermeister und Gemeinderat hat er wichtige Impulse für sein geliebtes Seehausen gegeben. Am Freitag feiert der kreative und kunstsinnige Kopf im Kreise der Familie seinen 80. Geburtstag.

Seehausen – Sylvester Eichberger hat sie einfach: Diese natürliche Autorität, die man braucht, um andere Menschen zu begeistern. Auch in seiner Zeit als Seehauser Rathauschef (1996 bis 2002) strahlte er Ruhe, Kompetenz und Abgeklärtheit aus. Drei unabdingbare Faktoren für dieses wichtige Amt, wie er findet. „Denn ein Bürgermeister ist kein Grüß-Gott-Sager, sondern ein Manager der Gemeinde.“ Ein Satz, der so typisch ist für diesen baumlangen Mann, der nicht nur in seiner Heimatgemeinde aus vielerlei Gründen Respekt genießt. Eichberger weiß das. „Ich kann mich entspannt zurücklehnen“ – und beobachten, wie positiv sich Seehausen entwickelt hat. „Ich habe kein schlechtes Gefühl, und verkriechen brauch’ ich mich erst recht nicht.“

Schon gar nicht am Freitag an seinem 80. Geburtstag. Ein Runder, der den weisen Mann vom Staffelsee auch zum Nachdenken bringt. „Je älter man wird, desto kleiner werden die Kreise.“ Will man als junger Stürmer und Dränger die ganze Welt erobern, so besinnt man sich in reiferen Jahren auf die Wurzeln – oder im Falle Eichberger auf Ehefrau Johanna, die Töchter Aurelia (44) und Raphaela (40) sowie die Enkel Manuel (10) und Annika (5), mit denen der „Suivest“ in einem gesegneten Landstrich leben darf.

Doch so unbeschwert und friedvoll gestaltet sich der Alltag nicht, wenn man am 19. Januar 1938 während der Nazi-Diktatur zur Welt kommt. Die Gedanken ans Kriegsende mit den nicht enden wollenden Flüchtlingsströmen treiben dem Seehauser Falten auf seiner hohe Stirn. „Eine ganz schlechte Zeit.“ Wenige Tage vor der deutschen Kapitulation rücken im Mai 1945 die ersten US-Panzer an. „Wir haben’s von Weitem schon Bumpern hören.“ Erstklässler Eichberger hat gerade Turnunterricht im Freien. Das Artillerie-Feuer dröhnt immer lauter, trotzdem müssen der Bub vom „Weberl-Schuasta“ und seine Mitschüler auf Geheiß der Lehrerin „Heil Hitler“ schreien. Treue bis zum Endsieg – welch ein Irrsinn.

Was sich im Gedächtnis des Seehausers ebenfalls bis heute eingebrannt hat: ein Flüchtlingsehepaar. Der alte Mann und seine Frau wurden mit ihrer Habe im Fischerdorf abgesetzt – Heimat, Haus, Geld, Familie, einfach alles verloren. „Die zwei haben bitterlich geweint.“ Das hat den damals siebenjährigen Burschen „sehr beeindruckt“ – und irgendwie für sein späteres Leben geprägt. Solch’ eine Katastrophe wie das menschenverachtende Dritte Reich dürfe sich nie mehr wiederholen.

Ein Anspruch auch für seine politische Arbeit, die mit der Gebietsreform in den 1970ern beginnt. Die Seehauser rebellieren dagegen, dem großen Nachbarn Murnau einverleibt zu werden. Einer der wortgewaltigen „Freiheitskämpfer“ ist Sylvester Eichberger. Er und seine Mitstreiter haben Erfolg: Seehausen bleibt selbstständig – wenn auch mit Zugeständnissen.

Fortan sitzt der gelernte Schreiner und akademische Bildhauer für die neugegründete CSU im Gemeinderat (1978 bis 1996). Lange bildet der stramm Wertekonservative mit Bürgermeister Georg Bosch ein erfolgreiches Polit-Tandem. Wobei Eichberger bei heiklen Verhandlungen mit Banken oder Behörden oft den bösen Buben spielt. „Ich war der Wadlbeißer vom Bosch“, beschreibt Eichberger seine Rolle, die ihm ebenso liegt wie die des weitsichtigen Gemeinde-Lenkers.

In all den Jahren hat sich der leidenschaftliche Zitherspieler ein ungemeines Wissen angeeignet. Eichberger macht niemand was vor – schon gar nicht wenn es um Flur- oder Hausnamen geht. Er kennt sie alle und nicht selten die Geschichten dahinter. Worauf der Jubilar besonders stolz ist? Dank seiner Zähigheit und seines unerschütterlichen Willens brachte Bürgermeister Eichberger Ende der 1990er mit dem Gemeinderat ein Einheimischen-Modell auf den Weg. 14 junge Seehauser Familien konnten somit den Traum vom Eigenheim verwirklichen. „Für mich die allergrößte Genugtuung“ – und irgendwie auch Heimatliebe.

Christof Schnürer

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