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Landwirt Rupert Jais vor seiner Wiese im Murnauer Norden, auf der die Trasse der Umgehungsstraße verlaufen soll. Im Hintergrund ist der Lautnerhof zu sehen. 

Geplantes Verkehrsprojekt im Murnauer Norden

Seehauser Landwirt gegen Westtangente: Angst um die eigene Existenz

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Murnau erstickt im Stau: Über 17 000 Fahrzeuge rollen an normalen Werktagen auf der B 2 durch die Ortsmitte. Seit Jahren ist der Bau einer Umfahrung im Gespräch: die sogenannte Westtangente, die im Bundesverkehrswegeplan in den vordringlichen Bedarf eingestuft wurde. Für einen Seehauser würde die Trasse jedoch eine Katastrophe bedeuten.

Seehausen – Kommt es zum Bau der Westtangente auf dem Areal auf Riedhauser Flur in Seehausen, gäbe es einen Leidtragenden: Ruppert Jais ist Bauer und unterhält auf einem weitläufigen Areal landwirtschaftliche Flächen, teils für die Viehhaltung, hauptsächlich aber als Anbaufläche von Futter. Vier Mal im Jahr wird das Gras geschnitten, das das Jahr über als Nahrungsgrundlage für seine 43 Kühe dient.

Derzeit ist Jais unterwegs, um die Wiesen zu düngen, der erste Schnitt soll Mitte Mai erfolgen. Der Betrieb des 43-Jährigen verheirateten Vaters dreier Kinder ist voll auf die extensive Nutzung der rund 17 Hektar umfassenden Flächen eingestellt – seine Existenz als Landwirt wäre ruiniert, sollten die Behörden das Okay für das Bauprojekt geben. „Die Straße würde voll durch dieses Areal verlaufen, das wäre für mich der Supergau“, schildert der Seehauser. Andere Wiesen in der näheren Umgebung zu bekommen – so gut wie aussichtslos, da fast alle dafür in Frage kommenden Flächen bewirtschaftet sind. Berufliche Alternativen hat er nicht, eine Betriebsaufgabe sei „absolut unmöglich, da fressen mich die Steuern auf“.

Dass eine Entlastungsstraße für das verkehrsgeplagte Murnau kommt, dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein. Denn für den Ort hat sich durch die Entlastungsstraße, die 1998 eingeweiht wurde, nicht viel verändert. Nach wie vor rollen Autos, Laster, Busse und Motorräder auf dieser Straße durch die Staffelsee-Gemeinde. Wie es im Bundesverkehrswegeplan 2030 heißt, sei die Ortsdurchfahrt Teil der überregionalen Nord-Süd-Verbindung zwischen Starnberg, Weilheim und Garmisch-Partenkirchen. Das hohe Verkehrsaufkommen sowie etliche, hoch belastete Einmündungen und Kreuzungen führen in den täglichen Spitzenverkehrszeiten fast zu einem Kollaps. Dass was passieren wird, um Abhilfe zu schaffen, ist so gut wie sicher.

Allerdings könnte es auch auf eine andere Variante hinauslaufen als die besagte, die die bestehende Entlastungsstraße verlängern, westlich des Kemmelparks verlaufen und im Norden wieder in die Bundesstraße 2 einmünden soll. Wie berichtet, prüft das Staatliche Bauamt in Weilheim derzeit mehrere Varianten, man stehe allerdings erst am Anfang der Planungen. Ein Ingenieurbüro sei damit beauftragt worden, verschiedene Trassenführungen zu prüfen. Die Westtangente sei aber die wahrscheinlichste, wie Werner Hüntelmann, Sachgebietsleiter Planung und Bau in der Behörde, jüngst mitteilte. Es werde aber auch ein Streckenverlauf im Osten unter die Lupe genommen.

In Murnau wird das Bauvorhaben kontrovers diskutiert: SPD und Grünen sind dagegen, Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) will erst die Voruntersuchungen mit genauen Zahlen und Fakten abwarten, ein uneingeschränktes Ja zu dem Projekt kommt von der CSU, den Freien Wählern und Mehr Bewegen.

Was aber sagt das Seehauser Rathaus dazu? Da der massive Verkehr dann über die Nachbargemeinde abgewickelt würde, sollte das Vorhaben auf eine Front der Ablehnung stürzen. Bürgermeister Markus Hörmann (CSU) bemüht sich jedoch um eine einvernehmliche Lösung und Differenzierung. „Es ist ja klar, dass Murnau ein Verkehrsproblem hat“, schildert er auf Tagblatt-Nachfrage. Allerdings gelte es, jetzt einen kühlen Kopf zu bewahren und die Ergebnisse der Variantenplanung abzuwarten, wie er mit Nachdruck betont. „Gut, dass die Prüfung endlich läuft.“ Wenn die Entwürfe vorlägen, „werden wir uns zusammensetzen und sehen, welcher der beste ist“.

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