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Zwischenstopp: Die Boote und die Fähre machen Halt bei der zweiten Station auf der Jakobsinsel.

Seeprozession in Seehausen

Ein Hochfest auf dem Staffelsee

Blauer Himmel und sommerliche Temperaturen: Beste Bedingungen herrschten bei der Seeprozession in Seehausen. Diese Tradition an Fronleichnam ist etwas Besonderes: Denn die Gläubigen ziehen nicht nur durch die geschmückten Straßen des Fischerdorfs, sondern setzen auch mit Booten zur Insel Wörth über. Einige hundert Besucher verfolgten das katholische Hochfest auf dem Staffelsee.

Seehausen – Eine Spur aus zartrosa Blütenblättern erstreckte sich vom östlichsten Ende der Insel Wörth bis hin zur St.-Simpert-Kapelle – Relikte der traditionellen Fronleichnamsprozession, die das Fischerdorf Seehausen abhielt. Zu diesem Anlass war der Ort festlich geschmückt: Ein Teppich aus Gras und Blüten erstreckte sich an den beflaggten und mit Birkenstämmchen flankierten Häusern entlang bis hin zur Bootslände. Von dort aus ging die Fähre mit den Geistlichen, Ministranten und Gläubigen über die Jakobsinsel zur Wörth.

Das Eiland hat eine ganz besondere Bedeutung für die Seehauser, da hier die Ursprünge der örtlichen Pfarrei St. Michael liegen. Bei schönstem Kaiserwetter marschierten die Teilnehmer in Reih und Glied über die geschichtsträchtige Insel. Im siebten Jahrhundert wurde dort eine Steinkirche errichtet, im achten Jahrhundert erhob sich daraus ein Kloster. Und etwa 800 Jahre lang bis ins 18. Jahrhundert hinein stand dort die Seehauser Pfarrkirche, die vom Festland aus über einen hölzernen Steg zu erreichen war. Daher stellt Fronleichnam für die Bewohner der Staffelsee-Gemeinde mehr als ein Kirchenfest dar – es ist ein Stück ihrer Identität.

Das ganze Dorf ist auf den Beinen, wenn diese Tradition mit Chor, Blaskapelle sowie Liedern und Gebeten gepflegt wird. Karl Widmann aus Seehausen nimmt seit knapp 50 Jahren daran teil: „Durch meine Eltern habe ich von Klein auf mitgewirkt. Ich finde, dass der Glaube einen Menschen vollständig macht. Er gibt Halt in schweren Zeiten. Darum ist es wichtig, diese Werte an die junge Generation weiterzugeben.“

Bilder: So malerisch war die Seeprozession in Seehausen

An vier Stationen wurde das Evangelium in alle Himmelsrichtungen verkündet: beim Lebensmittelladen Krüger, vor der Jakobs-Insel, auf der Insel Wörth und letztlich am Ostufer beim „Kreuzl“. Hierbei trug Generalvikar Harald Heinrich aus Augsburg den Leib Christi in Form der Hostie in einer mit Gold und Edelsteinen verzierten Monstranz. Überdacht wurde der Geistliche von einem Stoffbaldachin, dem „Himmel“. Die feierliche Prozession soll daran erinnern, dass Gott gegenwärtig ist.

„Ich bin zwar nicht gläubig im klassischen Sinne, doch habe ich die andächtige Stimmung sehr genossen“, berichtete die Zuschauerin Klara Schäfer aus München. Sie fuhr heuer zum ersten Mal auf dem Wasser mit, begleitet von hunderten Besuchern und deren Booten.

Schätzungen des ortsansässigen Fischers Matthias Matschl zufolge haben sich zu Wasser und zu Land insgesamt rund 600 Besucher eingefunden, um die bayernweit einzigartige Prozession, die laut Polizeiangaben unfallfrei verlief, zu verfolgen. „Wir freuen uns, wenn nicht allzu viel Andrang herrscht. Wir wollen diesen wichtigen Feiertag in aller Würde begehen“, meinte dazu Widmann.

Constanze Wilz

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