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Blick auf den Staffelsee: Mit roten Punkten sind die künftigen Standorte der Sturmwarnleuchten markiert. Zwei werden auf der Insel Wörth stehen (Mitte unten), eine auf der Buchau. Oben ist Uffing zu sehen, rechts unten Seehausen.

Leuchten statt Sirenen

Staffelsee: Im Herbst kommt das neue Warnsystem

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Die Wogen schlugen hoch am Staffelsee: Seit Jahren will Seehausen vorgeschriebene Sturmwarnleuchten installieren, blitzte aber bei vielen Grundbesitzern ab. Nun ist Land in Sicht: Spätestens im Herbst sollen die Leuchten stehen.

Seehausen –Die Redewendung ist den Seehausern in Fleisch und Blut übergegangen: „Da Sea is inser“, pflegen sie zu betonen – also der Staffelsee gehört uns, und nicht Uffing oder gar Murnau. Und es stimmt: Der beliebte See vor phantastischer Kulisse liegt allein auf Seehauser Flur. Damit plumpste der Gemeinde allerdings auch ein im Rückblick eher undankbares Projekt mit Haken und Ösen auf den Tisch, das sich in die Länge zog wie Kaugummi. Dabei kam es harmlos daher. Es ging darum, Warnleuchten am See zu installieren, die Wassersportler rechtzeitig auf aufziehende Gefahr hinweisen: je nach Taktung auf Starkwind oder Sturm. In einer Bekanntmachung der Staatsregierung vom Juli 2010 ist ausdrücklich von optischen Signalen die Rede; bis zum Aufbau der Leuchten könne die Warnung „auf andere Weise erfolgen“, heißt es.

Murnau reagierte relativ zeitnah: Etwa seit 2012, sagt Ordnungsamtsleiter Florian Krammer, finden sich am Riegsee zwei Leuchten. Seehausen habe damals die notwendigen Masten mitbestellt. Doch am Staffelsee schrillen noch immer Sirenen, wenn der Deutsche Wetterdienst (DWD) auf Gefahren hinweist. Damit hinkt man anderen Gewässern, die dem Warnsystem angehören, hinterher. „Nach meiner Kenntnis ist der Staffelsee der einzige größere See in Bayern, an dem man noch mit Sirenen arbeitet“, sagt Dr. Guido Wolz, Leiter der Regionalen Wetterberatung beim DWD.

Nicht alle Inseln und das ganze Ufer gehören der Gemeinde 

Am guten Willen liegt es nicht. Dritter Bürgermeister Daniel Schreyer (CSU), dem Rathaus-Chef Markus Hörmann (CSU) das Projekt 2012 übertragen hat, versuchte jahrelang vergeblich, geeignete Standorte zu finden, über die sich der See mit zwei bis vier Leuchten abdecken lässt und bei denen die Grundeigentümer sich nicht querstellen. „Das Problem ist: Der See ist unsere Flur, aber natürlich gehören uns nicht alle Inseln und das ganze Ufer“, betont Schreyer. Rund 20 Privatleute sagten ab oder reagierten gar nicht auf seine Anfrage. Als sich Alternativen zerschlagen hatten, fand sich in der für die Insel Wörth zuständigen Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung eine Partnerin. Zwei energieautarke Warnleuchten werden nun auf der Wörth in sensibler Natur entstehen, ein drittes Blinklicht ist auf der gemeindeeigenen Insel Buchau vorgesehen. Spätestens nach der Sommersaison sollen diese errichtet werden. Die Verträge seien unterzeichnet, die Genehmigung liege vor, so Schreyer. Zudem prüft Seehausen, eine vorhandene einfache Warnleuchte am Gelände des Segelclubs Staffelsee (Uffing) aufzurüsten, um damit auch das Gebiet am Restaurant Alpenblick mit Strandbad und Bootsverleih abzudecken. Die Gemeinde Uffing sagte 5000 Euro Zuschuss zu.

Ansonsten gilt für Seehausen: Da Sea is inser. Das Dorf muss die Kosten für die Sturmwarnung – rund 60 000 Euro – alleine tragen, weil der See ausschließlich auf seinem Gebiet liegt. Andernfalls wäre das Landratsamt zuständig gewesen. Die Gerüchte, Seehausen habe die Nachbarn Uffing und Murnau finanziell ins Boot holen wollen, weil diese auch Nutzen aus dem Projekt zögen, bestätigen die Beteiligten nicht, Krammer ebenso wenig wie Schreyer: „Das ist unser Job, den erledigen wir“, sagt der Dritte Bürgermeister. Die anderen Orte zu beteiligen, „gibt die Gesetzeslage gar nicht her“.

Leuchten signalisieren Sturm und Starkwind

An der Notwendigkeit besteht für Schreyer kein Zweifel: Mit den Leuchten werde frühzeitig und dauerhaft gewarnt, bis keine Gefahr mehr bestehe. Diese werden am Staffelsee künftig nicht nur angekündigten Sturm (Blinklichter mit 90 Blitzen pro Minute), sondern auch Starkwind (40) signalisieren. Dies ist aktuell gar nicht möglich: Schrillen heute die Sirenen, verheißen sie Sturm. Wer diese zeitlich verpasst, weil er erst später an den See kommt, bleibt ahnungslos. „Mit der Sirene kann ich auch keine Entwarnung oder Herabstufung signalisieren“, erklärt Wetterdienst-Vertreter Wolz.

Einen „deutlichen Mehrwert an Sicherheit“ sieht Marc Lehmann, Vorsitzender der Kreiswasserwacht, in den Leuchten. „Es ist sehr wichtig, dass es nicht nur eine akustische, sondern auch eine optische Warnung gibt.“ Wer sich auf dem See befinde oder schwimme, höre die Sirenen oft gar nicht. „Deswegen sind die Leuchten aus Sicht der Wasserwacht eine super Sache. Wir sind froh, dass sie endlich kommen.“ Lehmann hofft, dass mit dem System weniger Wassersportler in Not geraten.

Und Schreyer? Der atmet auf. Er hatte damals gedacht, das Projekt sei nach einem Jahr erledigt. „Mit fünf Jahren“, sagt er, „habe ich nicht gerechnet.“

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