Wer sein Auto länger als vier Stunden am Seehauser Strandbad parken möchte, zahlt mittlerweile zehn Euro. Für manchen ist das ein Problem.	Foto: Andreas Mayr
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Kein Schnäppchen: Wer sein Auto länger als vier Stunden am Seehauser Strandbad parken möchte, zahlt mittlerweile zehn Euro. Für manchen ist das ein Problem.

Rentnerin aus Murnau kann sich Besuche trotz Saisontickets nicht mehr leisten

Seehauser Strandbad: Seniorin streicht wegen gestiegener Parkgebühr die Segel

  • Silke Reinbold-Jandretzki
    VonSilke Reinbold-Jandretzki
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Seehausen droht an schönen Tagen der Verkehrsinfarkt. Die Politik will den Ortskern entlasten, steuert mit deutlich gestiegenen Parkgebühren gegen. Dadurch entstehen soziale Härtefälle. Eine Rentnerin kann sich nach Jahrzehnten einen Strandbadbesuch nicht mehr leisten.

Seehausen/Murnau/Uffing – Sie muss gut haushalten. Rosemarie Heiler (Name geändert) erhält rund 900 Euro Rente im Monat. Damit lassen sich keine großen Sprünge machen. Einen Mini-Luxus gönnte sich die Seniorin bisher: 45 Euro für ein Saisonticket des Seehauser Strandbads, das sie ausgiebig nutzte und schätzte. Seit mehr als 20 Jahren zählt die Murnauerin zu den Stammgästen. „Mir gefällt es dort immer schon. Ich habe meinen Lieblingsplatz, treffe eine Freundin und andere.“ Fünf, sechs, sieben Stunden bleibt sie gerne.

Strandbad Seehausen: Seniorin kann sich Besuche wegen stark gestiegener Parkgebühren nicht mehr leisten

Damit ist nun Schluss. Die Murnauerin kann sich den Besuch schlicht nicht mehr leisten, und das liegt nicht am Preis für die Saisonbadekarte, der unverändert blieb. Die massiv angehobenen Parkgebühren für ihr Auto, in dem sie Liege und Proviant transportiert, „damit ich im Bad nichts mehr kaufen und leihen muss“, übersteigen ihre finanziellen Möglichkeiten. 2020 zahlte Heiler noch drei Euro fürs Park-Tagesticket am Strandbad. Jetzt werden zehn Euro fällig. Heiler kann die Verteuerung in diesem Ausmaß nicht verstehen. Ihr geht es nicht nur um ältere Menschen, die jeden Euro dreimal umdrehen müssen: „Da gibt es viele andere mit wenig Geld, Familien etwa.“

Höhere Parkgebühr: Murnauerin fährt nun etwas weiter - nach Uffing

Die Rechnung der Seniorin geht jedenfalls nicht (mehr) auf: Die höheren Parkgebühren „machen den Vorteil der Saisonkarte komplett zunichte. Je mehr ich sie nutze, umso teurer wird das Ganze“. Zu teuer für sie. Heiler will nun ausweichen, fährt die paar Kilometer weiter nach Uffing. Dort kann sie ihren Tag am Staffelsee aktuell günstiger verbringen. Die Bäder werden nach Angaben der Uffinger Rathaus-Geschäftsleiterin Gudrun Geiger wie 2020 als öffentliche Badestellen betrieben – also mit freiem Eintritt. Das Auto steht mit Schein aus dem Automaten 30 Minuten gratis, danach werden einheitlich auf allen Parkplätzen 50 Cent je angebrochene Stunde fällig. Heiler kann also für drei Euro locker sechs Stunden am und im Wasser verbringen.

Höhere Parkgebühren: Seehausen will Ortskern vom Verkehr entlasten

Seehausen indes hatte Gründe, bei den Parkgebühren ein höheres Niveau – Tagestickets kosten nun zwischen sieben und zwölf Euro – anzusteuern. So mancher fand das alte deutlich zu niedrig. Vor allem aber ging es angesichts des Ansturms von Ausflüglern und Badegästen darum, den Dorfkern vor dem Auto-Infarkt zu schützen, „umweltgerecht und verkehrsentlastend für die Ortschaft zu handeln“, wie Bürgermeister Markus Hörmann (CSU) es formuliert. Er verweist darauf, dass Gemeinden „landauf, landab“ Parkgebühren erhöhten. Seehausen schlug in seinen Augen nicht über die Stränge: Den Anstieg nennt er „mittelhoch“ – und im Vergleich zu anderen „noch moderat“. Härtefälle wie jener der Seniorin ließen sich nie ganz vermeiden, meint Hörmann und sagt zu, man könne besonders schwerwiegende Beispiele ausnahmsweise prüfen. Der Bürgermeister weist auf Alternativen zum Zehn-Euro-Tagesticket am Bad hin: Am Parkplatz Roßpoint etwa werden von 8 bis 20 Uhr sieben Euro fällig. Am Strandbad gibt es bis vier Stunden Standzeit (die erste Stunde ist gratis) Preis-Staffelungen, nur wer länger bleibt, zahlt zehn Euro. An gewissen Stellen lässt sich das Auto kostenfrei parken. Zudem nimmt der Murnauer Ortsbus Omobi Seehausen in sein Betriebsgebiet auf (wir berichteten). Den Vergleich mit Uffing findet Hörmann schwierig. Er verweist auf die großen Parkflächen des Nachbarn und die Tatsache, dass die Bäder anders als in Seehausen außerhalb des Orts liegen.

Staffelsee: Auch Murnau hat an der Parkgebührenschraube gedreht

Auch Murnau hat heuer an der Parkgebührenschraube gedreht. Am Strandbad werden jeweils für zwei Stunden zwei Euro fällig, der Preis fürs Tagesticket, also der Höchstsatz, liegt nach Angaben von Rathaus-Sprecherin Annika Röttinger bei zehn Euro. Eine kombinierte Saisonkarte für Murnauer Bucht und Froschhauser See kostet insgesamt 50 Euro, für den Froschhauser See einzeln 25 Euro. Vor dem Preisanstieg hatte die Tagesgebühr drei Euro betragen (ein Euro für die erste Stunde, 50 Cent für jede weitere). Eine Saison-Eintrittskarte bietet das Murnauer Strandbad wegen der Corona-Auflagen vorerst nicht an. Erwachsene zahlen für ein Tagesticket (9 bis 20 Uhr) vier Euro. Neben anderen Tarifen gibt’s den Vormittag allein für zwei und nur den Nachmittag für drei Euro. Dazu kommen die Parkgebühren, zumindest für Menschen wie Rosemarie Heiler, Ihr gesundheitlicher Zustand lässt es nicht mehr zu, zum Baden zu radeln.

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