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In der Hinterglasabteilung: Museumsleiter Joseph Führer unterhält sich mit Dr. Constanze Werner (3. v. l.), Leiterin des Oberammergau Museums. Seehausen war einst ein bedeutendes Zentrum dieser Maltechnik.

Neues Kleinod im Ort

Staffelseemuseum in Seehausen öffnet seine Pforten

Nach mehrjähriger Planung und Bauzeit ist am Freitag das neue Staffelseemuseum in Seehausen mit einer Vielzahl an Festgästen eröffnet worden. Es wartet mit einer zeitgemäßen Neukonzeption auf.

Seehausen – Am Donnerstag um zehn Uhr abends ist noch feucht durchgewischt worden. Dann war das Werk vollendet – und der Eröffnung des Seehauser Staffelseemuseums stand nichts mehr im Wege.

Der Freitag war ein Festtag für den Ort, den Beteiligten fiel sichtlich ein Stein vom Herzen. Das Vorhaben hatte sich etwas verzögert. „2015 war nicht klar, welchen langen und anstrengenden Weg wir zurücklegen müssen“, betonte Projektleiter Tobias Horak, der auch Kassier des Heimat- und Museumsvereins ist, beim Festakt im Gasthaus Stern.

Ein „Wahnsinnsaufwand“

So verhandelte man des Öfteren mit der Landesstelle für nichtstaatliche Museen und dem Landesamt für Denkmalpflege, auch mit dem Planungsbüro Thöner von Wolffersdorff stand der Verein in engem Kontakt. Eine der zentralen Fragen war die Finanzierung, denn ein kleiner Verein verfügt nur über begrenzte Finanzmittel. So schaute man sich nach potentiellen Geldgebern um – und wurde fündig. Aus dem EU-Förderprogramm Leader gab es 85 000 Euro. Die erwähnte Landesstelle steuerte insgesamt 90 000 Euro bei, während die Bayerische Landesstiftung knapp 20 000 Euro zur Verfügung stellte. Die Neugestaltung und Neukonzeption kostete 240 000 Euro. Darüber hinaus steckte die Gemeinde Seehausen 200 000 Euro in den Umbau der Räume. Die Kommune hatte zuvor mit der Diözese Augsburg einen Erbpachtvertrag für den Pfarrhof geschlossen, der über 70 Jahre läuft. Von einem „Wahnsinnsaufwand“ sprach Bürgermeister Markus Hörmann (CSU).

Landrat Anton Speer (Freie Wähler) zeigte sich begeistert. Das Staffelseemuseum sei „ein gutes Beispiel“, wie Leader-Fördermittel „nachhaltig eingesetzt werden können“. Die Einrichtung sei zwar „räumlich eines der kleineren Museen, von der Ausstellungsthematik her ist es aber eines der ganz großen“. Es geht, kurz zusammengefasst, um die Insel Wörth, die möglicherweise früher Bischofssitz war, Seehausen als Fischerdorf sowie um die Hinterglasmalerei. Der Ort, mit den Malerdynastien Gege und Noder, war einst ein bedeutendes Zentrum dieser Maltechnik.

Seinen Hut vor der „Meisterleistung“ des Heimat- und Museumsvereins zog Shahab Sangestan (Landesstelle). Es handle sich um eine grundlegende Neugestaltung, „die weit über die Grenze eines Heimatmuseums hinausgeht“. Die Hinterglasabteilung „sucht auf der didaktischen Ebene seinesgleichen in Deutschland“. Einen prominenten Unterstützer hatte der Verein übrigens auch. Der Schauspieler Siegfried Rauch (85), der in Söchering lebt, sprach das Wessobrunner Gebet ein, das an einer Audiostation zu hören ist.

Der Projektleiter - das Finanzgenie

Viel Lob gab es für Projektleiter Horak. „Er hat sich zu einem wahren Finanzgenie entwickelt. Wir haben schon überlegt, ob wir Dich in die neue Regierung schicken“, scherzte die Vereinsvorsitzende Inge Policzka (Freie Wähler), die auch Zweite Bürgermeisterin ist. Das alte Heimatmuseum war im Jahr 2000 gegründet worden und befand sich in einem Anwesen an der Dorfstraße. Das ganze Material war allerdings auf diverse Standorte verteilt. Das neue Staffelseemuseum kann ganzjährig außer im März und November von Donnerstag bis Sonntag sowie an Feiertagen von 14 bis 18 Uhr besucht werden. Aufgrund der Neueröffnung ist die Einrichtung heuer auch im März zugänglich.

Roland Lory

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