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Eine Institution: die Westtorhalle in Seehausen, im Hintergrund der Neubau der Firma ifb.

Verein lädt zur außerordentlichen Versammlung für Donnerstag ein

Standort Westtorhalle in „akuter Gefahr“

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Zwei Herzen schlagen in Markus Hörmanns Brust. Eines für die Westtorhalle und ihr Kulturangebot, das andere für die Firma ifb, die erweitern muss. Beides beschäftigt den Seehauser Bürgermeister. Und die Mitglieder des Forums Westtorhalle, die für Donnerstag zu einer außerordentlichen Versammlung einladen.

Seehausen – Das Angebot ist einmalig im Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Ein derart breit gefächertes Programm, das von Konzerten aller Stilrichtungen über Filme, Theater, Lesungen und Tangoabende bis zur Kreativwerkstatt reicht, sucht seinesgleichen in der Region. Die Westtorhalle im Seehauser Ortsteil Riedhausen macht’s möglich – und lockt Zuhörer weit über die Gemeindegrenzen an. Seit 23 Jahren, seit dem Rückzug der Bundeswehr aus der Kemmel-Kaserne, existiert die Einrichtung. Mittlerweile ist sie eine Institution, die allen Stürmen getrotzt hat. Auch dem der Entrüstung, der von Seiten der lärm-geplagten Nachbarn auf sie rübergeschwappt ist. „Wir haben einen guten Weg gefunden“, bestätigt Claus Auwärter, Vorsitzender des Vereins Forum Westtorhalle. Er und seine Mitstreiter, die sich allesamt ehrenamtlich engagieren und auch schon viele Stunden in den Unterhalt der Halle investiert haben, „sind glücklich an unserem Standort am Professor-Becker-Weg“. Doch der ist jetzt in Gefahr. „In akuter“, betont Auwärter. Deshalb lädt er für Donnerstag, 12. April, zu einer außerordentlichen Versammlung ein (Beginn 19.30 Uhr in der Westtorhalle) und hofft auf einen konstruktiven Austausch mit Mitgliedern und Interessierten.

Hintergrund seiner Sorge sind laufende Gespräche mit der Gemeinde Seehausen, die händeringend eine Fläche für das Institut zur Fortbildung von Betriebsräten (ifb) sucht. Seit Inhaber Hans Schneider 2005 mit seiner Firma an den Staffelsee gezogen ist, wächst diese gewaltig: „Mit 35 Mitarbeitern ging’s los, jetzt beschäftigen wir 180“, sagt Schneider. Nachdem sich das Unternehmen weiter auf Expansionskurs befindet, benötigt er ein entsprechendes Grundstück. Die Fläche im Norden, die an den Neubau aus dem Jahr 2016 angegrenzt, steht aktuell nicht zur Verfügung. „Das Ganze gehört einer Erbengemeinschaft“, erklärt der ifb-Chef. „Wann da etwas passiert, ist nicht absehbar.“ Somit kommt das gemeindeeigene Grundstück gegenüber ins Spiel, auf dem allerdings die Westtorhalle steht.

Gemeinde schätzt das enorme Engagement des Vereins

Bislang wurde das Ganze nicht-öffentlich diskutiert – im Gemeinderat, aber auch in kleinerem Rahmen. „Es geht darum, Alternativen zu finden“, unterstreicht Bürgermeister Markus Hörmann (CSU). Denn das Engagement des Vereins und das einmalige Angebot, das dieser seit 23 Jahren auf die Beine stellt, erkennen die Gemeinde und ihre politischen Vertreter sehr wohl. „Die Westtorhalle genießt bei uns einen sehr hohen Stellenwert.“ Das bestätigt Dr. Robert Roithmeier (Liste Bürgernah): „Hut ab vor der von den Ehrenamtlichen erbrachten Leistung“, sagt der Gemeinderat. Für ihn steht außer Frage, dass „das Forum Westtorhalle unbedingt in seiner Funktion für das Allgemeinwohl erhalten werden muss“. Zu möglichen Wegen dorthin oder Vorschlägen für einen Standort äußert er sich genauso wenig wie Hörmann. Beide berufen sich darauf, dass bislang nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit darüber gesprochen wurde.

Auch Auwärter hält sich diesbezüglich bedeckt. Allerdings hebt er vier Punkte hervor, ohne die eine solche Institution nicht möglich „eine Gemeinde wie Seehausen, die uns seit 23 Jahren die Räumlichkeiten günstig zur Verfügung stellt, ortsansässige Unternehmer, die durch ihre Steuern der Gemeinde den finanziellen Freiraum dafür geben, die ehrenamtliche Arbeit unserer Vereinsmitglieder sowie Freunde und nicht zuletzt die Anwohner, die mit ihrer Kompromissbereitschaft ein Überleben der Westtorhalle ermöglicht haben“. Entscheidend für ihn ist, ein Gespräch mit allen Beteiligten.

Idee: unterirdische Halle unter dem ifb-Neubau

Dafür holt er nun bei der Versammlung am Donnerstag das Meinungsbild seiner Mitglieder ein – aktuell sind das das gut 400. Ein Vorgehen, das Hörmann nachvollziehen kann, auch wenn er bedauert, dass das Thema dadurch schon jetzt öffentlich diskutiert wird. Ein Vorschlag, der für die Westtorhalle im Raum steht, kommt direkt von Schneider. „Die Idee ist, eine unterirdische Halle in gleicher Größe wie die vorhandene auf dem Areal unterzubringen“, sagt er. Damit einher geht allerdings, das der Verein seinem Architekten zufolge bis zu 14 Monate auf alternative Veranstaltungsorte ausweichen müsste. Im Gegenzug erhält er Räumlichkeiten mit optimalem Brand- und Schallschutz sowie Belüftung. „Das ist mein Angebot mit einem Mietvertrag auf fünf Jahre sowie der Option, um weitere fünf Jahre zu verlängern.“

Das Kulturangebot, dass der Verein seit über zwei Jahrzehnten in Seehausen auf die Beine stellt, schätzt auch Schneider. „Eigentlich ein überregionales Thema“, meint er. Daher sollte man es auf eine breitere Basis stellen und zumindest den Landkreis einbeziehen. Was den Verein antreibt, verdeutlicht Auwärter: „Wir bieten viel Kultur für einen kleinen Geldbeutel, damit sich niemand ausgegrenzt fühlt.“ Und das kommt der ganzen Region zugute.

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