das Seehauser Strandbad mit seiner Gastronomie.
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Im Zentrum von Vorwürfen: das Seehauser Strandbad mit seiner Gastronomie.

Besucher von Gemeinderats-Sitzung erhebt Vorwürfe

Seehauser Strandbad: Liste an Anschuldigungen

  • Andreas Mayr
    vonAndreas Mayr
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Ein Seehauser hat harsche Vorwürfe erhoben, was angeblich problematische Zustände im Strandbad betrifft. Er sprach das Thema öffentlich in der Sitzung des Gemeinderats an.

  • Ein Dorfbewohner hat in der Sitzung des Gemeinderats heftige Kritik an der Situation im Seehauser Strandbad geübt.
  • Die Liste seiner Anschuldigungen ist lang und reicht von Lärm und Licht bis in die Morgenstunden, illegalem Terrassenausbau und Holzfäll-Aktionen bis hin zu rücksichtslosen Pächtern. Dem Fremdenverkehrsverein, der das Bad betreibt, warf er Missmanagement vor.
  • Der Gemeinderat beschäftigt sich demnächst in einem seiner Ausschüsse mit dem Thema.

Seehausen – Im Grunde war das Thema denkbar harmlos. Es sollte nur um einen Kiosk gehen, der das Essen und Trinken im Strandbad Seehausen leichter macht. Ein Einbau, wenige Quadratmeter, kein großes Ding. Doch bevor auch nur ein Gemeinderat ein Wort gesagt hatte, hob ein Gast die Hand. Bürgermeister Markus Hörmann (CSU) rief ihn auf. Er durfte sprechen. Es war schließlich Bürgerfragestunde.

Sitzungsbesucher findet: Seehauser Strandbad ist zum Problemfall verkommen

Der Mann zügelte seine Worte nicht, er ließ sie vielmehr von der Leine. Das schöne Strandbad von Seehausen sei zu einem Problemfall verkommen, sagte er als Einleitung seiner Philippika. Danach folgte eine Liste an Anschuldigungen. Ein kleiner Auszug sei gestattet: Veranstaltungen, Lärm und Licht bis in die Morgenstunden, illegaler Terrassenausbau, Holzfäll-Aktionen, rücksichtslose Pächter, die er mit einem wenig schmeichelhaften Begriff bedachte, ein Gastrobetrieb, den keiner brauche und der nur für Dreck und zusätzlichen Verkehr sorge. Dem Fremdenverkehrsverein, der das Bad betreibt, warf er Missmanagement vor. Der Zustand sei nicht tragbar. „Mit dem ganzen Dorf wird rücksichtslos umgegangen.“ Einige dächten ähnlich, sagten aber nichts, behauptete der Mann, der in der rechten hinteren Ecke des Saals saß. Ihn kennen alle im Gasthof Stern. Er wohnt in der Nähe des Bades, möchte seinen Namen aber in der Zeitung nicht genannt haben – trotz seiner öffentlichen Einlassungen. Das hat er dem Tagblatt noch am selben Abend per Mail mitgeteilt. Seine Worte aber hallen nach. Der Gemeinderat beschäftigt sich demnächst in einem seiner Ausschüsse mit dem Thema. Hörmann hat den Vorschlag einiger Gemeinderäte aufgegriffen. So ungehobelt die Wortwahl auch war, die Frage verweilt im Äther: Wie schlimm geht’s denn zu im Strandbad zu Seehausen?

Strandbad Seehausen: Polizei sind Schwierigkeiten nicht bekannt

Ein Anruf bei Joachim Loy, Polizeichef in Murnau. Lärm, Krach, ausufernde Partys, zügellose Abende, rücksichtslose Betreiber? „Uns ist überhaupt nichts bekannt“, sagt Loy und fügt sicherheitshalber noch ein „Nein“ im Halbsatz an. Dabei bestätigt Pächter Marco Pollini, dass ab und an eine Streife gerufen wird. Aber die Beamten sagten ihm stets Ähnliches. Alles in Ordnung. Bürgermeister Hörmann bestätigt: „Die Polizei ruft immer wieder bei mir an und sagt: Wir waren draußen und konnten nichts feststellen.“ Hörmann ließ auch Pollini reden. Er sprach wenig, er sprach freundlich. Er wies die Worte zurück. „Das entspricht nur zum Teil der Wahrheit“, betont der Wirt. Klar gab es auch einmal eine Party, eine Hochzeit feiert man eben nur einmal im Leben, auch das Licht brannte gelegentlich länger. Ansonsten habe es nie Probleme gegeben, weder mit der Polizei noch mit der Gewerbeaufsicht. Er kenne seine Grenzen als Wirt. Auf die Injurien wollte Pollini nicht detailliert eingehen. „Das ist unter meinem Niveau.“ Er sagte noch einen interessanten Satz: „Ich weiß auch von den Vorpächtern, wer der Hauptgegner der Gastro ist.“

Verantwortlicher Fremdenverkehrsverein will sich zu den Vorwürfen nicht äußern

Nun ist das legitim, gegen eine Kommerzialisierung des Badebetriebs zu sein. Gegen noch mehr Gäste. Gegen noch mehr Autos. Gegen die Schattenseiten der schönen Seelage. Hört man sich im Dorf um, erfährt man, dass der Anwohner angeblich seit Jahrzehnten dagegen vorgeht. Der Fremdenverkehrsverein, der seit 1903 existiert und die Räumlichkeiten vermietet, wollte sich nicht äußern zu der Situation. Dem Vernehmen nach sind die Verantwortlichen müde und mürbe von dieser Geschichte. Hörmann und Dritter Bürgermeister Daniel Schreyer (CSU) verwiesen zudem auf die Verantwortlichkeiten. Die Gemeinde sei weder für Lärm noch für Schwarzbauten zuständig. „Das sind alles Behauptungen, sehr starke Behauptungen. Wir brauchen greifbare Sachen“, sagte Schreyer in Richtung des Redners. Er solle sich an die zuständigen Behörden wenden.

Strandbad: Kiosk darf unterhalb es Restaurants gebaut werden

Später stimmten sämtliche Gemeinderäte für den Bau des Kiosks unterhalb des Restaurants. Die Verwaltung hatte nichts zu beanstanden. Pollini erklärt, es gehe darum, den Betrieb zu entzerren. Wer in Badehose Pommes oder ein Weißbier möchte, soll nicht ins Restaurant hinauf gehen müssen. „Unkompliziert, schnell und hygienisch“ soll das Geschäft im Kiosk ablaufen. Pollini, der 2017 den Betrieb übernahm und in seine fünfte Saison geht, möchte übrigens nicht mehr so schnell weg. 10, 15 Sommer, sagte er nach der Sitzung im Tagblatt-Gespräch, könne er sich schon vorstellen.

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