Rita Klimmer, Kindergarten Seehausen
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Eine Institution im Kindergarten Seehausen: Rite Klimmer bei ihrem Abschiedsfest.

Abschied nach 34 Jahren als Mitarbeiterin

Kindergarten Seehausen: Deshalb war Rita Klimmer eine Institution

Alles begann mit einem Täuschungsmanöver - am Ende wurde Rita Klimmer im Kindergarten Seehausen ein schöner Abschied zuteil. Den hatte sie sich verdient.

  • Rita Klimmer hört nach 34 Jahren als Kinderpflegerin im Seehauser Kindergarten auf.
  • Kinder, Eltern und Kolleginnen bereiten der Uffingerin einen schönen Abschied.
  • Bürgermeister Hörmann betont, dass der Kindergarten eine Institution verliert.

Seehausen – Das Auto, das sie zum Open-Air-Konzert bringen sollte, nahm eine seltsame Route. Erst als Rita Klimmer vor ihrem Arbeitsplatz stand, begriff sie das ganze Ausmaß dieses Täuschungsmanövers. Man hatte sie reingelegt, um ihr den Abschied zu ermöglichen, den Corona ihr fast genommen hätte. Nach 34 Jahren als Kinderpflegerin im Seehauser Kindergarten hört die 63-jährige Uffingerin auf.

Abschied von Rita Klimmer: Corona-Beschränkungen machen das Feiern zunächst schwierig

Eigentlich hätte es ein großes bayerisches Fest geben sollen. Mit Bierbänken und Buffet und allen Kinder und Eltern. Aber die Behörden verschoben die Feierlichkeit. Also überplante Kindergartenleiterin Angelika Bierbichler das Fest – eine Nummer kleiner. Wieder untersagte man es. „Wir wollten sie aber nicht ohne Verabschiedung gehen lassen“, betont Bierbichler. Herausgekommen ist eine äußerlich sehr lakonische Feier, allerdings eine mit hoch-emotionalen Wendungen.

Das fing ja schon bei der Begrüßung an. Die Kinder der Mond-Gruppe, also Klimmers Kinder, und ihre Eltern hatten sich mit Picknick-Decken in den Garten gesetzt. Ihre Familie saß auf Bänken. Die Kolleginnen standen. Gemeinsam sangen sie den Seehauser Klassiker „Guten Morgen, Frau Fischer“. Ein Lied, das das Dorf gerne am Ende von langen Festen singt, umgedichtet auf die Frau Klimmer. Man erfuhr etwa von ihren Backkünsten, von ihrer Vorliebe für das Turnen, das sie den Kindern beibrachte, oder von dieser witzigen Anekdote, die man sich heute noch im Kindergarten erzählt. Sie geht so: Zu Fasching studierte Klimmer mit Bierbichler (neun Jahre gemeinsam in einer Gruppe) ein Kasperl-Theater ein. Blöderweise erfasste kurz vor dem Auftritt eine Windpocken-Welle den Kindergarten, die Hauptdarsteller fielen aus.

Und was machten die gewitzten Erzieherinnen? Sie spielten Kasperl und Seppl beim Räuber Hotzenplotz selbst, soufflierten den anderen Kindern, zogen sie an, schubsten sie in die passende Position. „Wir sind hin und her gehupft“, sagt Bierbichler. Am Ende waren alle glücklich.

34 Jahre im Kindergarten Seehausen: Bei ihrer Abschiedshymne wird Rita Klimmer emotional

Während alle Klimmers Abschiedshymne vortrugen, ließ diese sich Taschentücher reichen. Es war nicht die Hitze, es flossen Tränen die Rührung. Für solche Momente gibt es Pia Unterstein. Sie nannte Klimmer „meine zweite, bessere Hälfte“ – und das war kein Stück übertrieben. 25 Jahre betreuten sie gemeinsam die Mond-Gruppe. Voriges Jahr, quasi zur Silbernen Kindergarten-Hochzeit, ging Unterstein in den Ruhestand. Aber erst jetzt, 2020, sei die Frau Unterstein ganz aus dem Gebäude verschwunden, sagt sie. „Wir haben nie gestritten“, so Unterstein. „Auch wenn ich’s versucht habe“, entgegnete Klimmer – und alle lachten.

Am ehesten diskutierten sie einmal über neue Methoden und Techniken in der Erziehung. Bei Klimmer schwang häufig Skepsis mit, sie hinterfragte das Neue kritisch. „Wenn sie es für gut befunden hat, stand sie voll dahinter“, sagt Kindergarten-Leiterin Bierbichler.

Rita Klimmers Abschied: Obolus in einer gebastelten Eisenbahn

Doch wie vergütet man nun 34 Jahre „Firmentreue“, wie das Bürgermeister Markus Hörmann (CSU) formulierte? Was schenkt man? Nun, ein Kindergarten ist ein Hort der Kreativität. Die Kolleginnen wussten ja von der Reiselust der Rita Klimmer. Sie bastelten eine Eisenbahn, steckten einen ordentlichen Obolus hinein. Passte dann ja auch zu Klimmers Leitsatz, nicht auf jeden Zug aufzuspringen. Hörmann überreichte die Lokomotive, garniert mit würdigen Worten. „Sie sind eine Institution, sie haben große Fußstapfen im Keller hinterlassen.“ Klimmer antwortete auf die Gaben: „Die nächste Reise ist gesichert.“ Ihr fiel nicht viel ein, weil sie „keine große Rednerin“ sei.

Das Reden übernahmen „ihre“ Kinder. Viele hatten ein Video bespielt, das auf einer Leinwand gezeigt wurde. „Ich bin baff“, sagte Klimmer. Ihre „wunderschöne Zeit“ ist vorbei. „Jetzt bricht eine neue an.“

Andreas Mayr

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