Zwei Generationen: Hallen-Vater Georg Klein (M.) mit dem Vorsitzenden Jakob Hamburger (r.) und seinem Stellvertreter Felix Maderspacher.
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Zwei Generationen: Hallen-Vater Georg Klein (M.) mit dem Vorsitzenden Jakob Hamburger (r.) und seinem Stellvertreter Felix Maderspacher.

Einer der Gründerväter blickt zurück

Vom Militärkino zur Kulturstätte: Westtorhalle besteht seit 25 Jahren

  • Die Westtorhalle in Riedhausen besteht seit 25 Jahren.
  • Georg Klein, einer der Gründerväter blickt zurück.
  • Manch Veranstaltung überdauerte ein Vierteljahrhundert, darunter der Kneipenabend und der Tango-Treff.

Riedhausen – Mit dem Hintergedanken, einen Ort für Kleinkunst zu schaffen, riefen sechs Freunde im Jahr 1995 die Riedhauser Westtorhalle ins Leben. Einer davon war Georg Klein. Er leitete damals die Initialzündung für diese Kulturstätte ein, die heuer ihr 25-jähriges Jubiläum begehen kann.

Der Traum vom Kulturzentrum

    „Auf der Suche nach einem geeigneten Standort hatten wir ein Auge auf die Murnauer Kemmelkaserne geworfen, die 1995 aufgelöst wurde“, erzählt Klein. Das Areal war nach dem Zweiten Weltkrieg von amerikanischen Einheiten besetzt worden. Die Räumlichkeiten, in denen sich heute die Halle befindet, hatte das US-Militär für Filmvorführungen genutzt. Auch eine Weißnäherei wurde in dem Bauwerk mit der Nummer 143 betrieben. „Ich fragte die Soldaten, ob ich das Gebäude besichtigen kann. Sie stimmten zu“, sagt Klein. Er war daraufhin Feuer und Flamme. Für ihn war klar, dass er den Traum vom Kulturzentrum an diesem Ort verwirklichen wollte. Dahinter steckte auch ein ideeller Gedanke: Der Riedhauser wohnte seit 1979 direkt am Begrenzungszaun zur Kaserne. Es entstand der Eindruck, „dass Soldaten unseren Garten bewachen“.

Kultur, die für jeden erschwinglich ist

    Der Wunsch, eines Tages auf der anderen Seite des Zaunes etwas umzusetzen, war geboren. Zusammen mit Thomas Geggerle, Stefan Karoll, Stefan Pflüger, Peter Pfitzner und Heida Lohbihler erschuf Klein das Projekt Westtor. Der Grundgedanke: Auf ehrenamtlicher Basis ein Kulturangebot zu schaffen, das für jedermann erschwinglich ist. Die Gemeinde Seehausen fand das unterstützenswert. Bürgermeister Sylvester Eichberger (CSU) gab dem Konzept seinen Segen. Immerhin handelte es sich um das einzige Kasernen-Gebäude auf Seehauser Gebiet.

Kreative Lösungen

    So kam es, dass 1995 die erste Veranstaltung in der Halle über die Bühne ging. Für einen Eintrittspreis von fünfzehn D-Mark wurde den Gästen Live-Musik sowie eine Kunstausstellung mitsamt kulinarischer Verköstigung geboten. „Die Resonanz war sehr positiv“, erinnert sich Klein, „alle waren neugierig und wollten wissen, was wir da aus dem Boden gestampft haben.“ Diese Beschreibung trifft es gut, denn die sechs Gründungsmitglieder zeigten sich bei der Umsetzung ihrer Idee kreativ und spontan. Die Ausstattung bestand zum Großteil aus Recyclingmaterial. So stammten Theken- und Kühlelemente aus einem aufgelösten Militär-Casino. „Das haben wir dem Markt Murnau für ’n Appel und ’n Ei abgekauft“, sagt Klein. Ausrangierte Scheinwerfer bezogen die Hallengründer von der Bayerischen Staatsoper in München. Über die Augustiner-Brauerei erwarb man die Biergartengarnitur, auf der die Gäste heute noch Platz nehmen.

Gründungsmitglieder im Jahr 1995: (v.l.) Georg Klein, Stefan Pflüger, Stefan Karoll, Peter Pfitzner und Thomas Geggerle. Nicht auf dem Bild ist Heida Lohbihler. Foto: Privat

Den Kneipenabend gibt es heute noch

Darüber hinaus überdauerte auch so manch Veranstaltung ein Vierteljahrhundert, darunter der Kneipenabend und der Tango-Treff. Das breite kulturelle Spektrum blieb über die Jahre hinweg erhalten. Theater, Kabarett und Konzerte sind nach wie vor feste Bestandteile des Programms. Der dazugehörige Verein wurde 1998 von 34 Personen ins Leben gerufen. Heute zählt die Organisation knapp 700 Mitglieder. „Wir hätten damals nie gedacht, dass sich unsere Idee so lange halten kann“, betont Klein. Seine aktive Zeit ist zwar längst vorbei, doch verfolgt er den Werdegang des Westtors mit großem Interesse. Durch ehrenamtliches Engagement und den Rückhalt aus Bevölkerung und Politik überstand die Kulturstätte bisher alle Krisen – darunter den langwierigen Nachbarschaftsstreit wegen Lärmbelästigung.

Kein Betrieb seit März

    Die größte Herausforderung stellte die 2018 aufgekommene Debatte über die Zukunft der Halle dar. Seit der Standort gesichert ist, blicken die Verantwortlichen positiv in die Zukunft. Daran ändert selbst Corona nichts. Zwar ist der Hallenbetrieb seit März stillgelegt, doch das Team passte sich den Gegebenheiten in Form einer Streamingplattform namens „Westtor Radio“ an. Auch gab es eine kleine Live-Konzertreihe mit Sicherheitsabstand im Biergarten.

Constanze Wilz

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