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In der Westtorhalle tummeln sich die Filmfans: Insgesamt werden an den beiden Tagen 13 Streifen gezeigt. 

Zweitägiges Festival

Westtorhalle: Filmemacher zeigen ihr Können

Die Riedhauser Westtorhalle verwandelte sich für zwei Tage in eine Hochburg der Cineasten. Filmemacher präsentierten im Rahmen eines Festivals, das der Murnauer Regisseur Daniel Lang zum neunten Mal organisiert hatte, ihre Werke.

Riedhausen – Unentschlossen steht der Bombenentschärfer Herman vor der Kantinenausgabe. Er starrt auf den Teller mit dem Stück Schnitzeltorte. Ihm bricht der Schweiß aus. „Jäger- oder Zigeunersoße?“, will die Dame auf der anderen Seite zum wiederholten Male wissen. Herman kann sich nicht entscheiden. Ihm ist nicht klar, dass er sich in diesem Moment mit seiner größten Angst konfrontiert sieht. „Decidophobie – die Angst vor Entscheidungen“, sagt eine Sprecherin aus dem Off. Das zahlreiche Publikum in der Riedhauser Westtorhalle amüsierte sich köstlich über den Kurzfilm „Herman the German“, in dem der Protagonist um seiner geistigen Genesung Willen sämtliche Phobien der Welt ausprobieren muss.

Der Streifen wurde im Rahmen des zweitägigen Filmfestivals „Über Kurz oder Lang“ gezeigt, das der Murnauer Regisseur und Dozent an der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film München (HFF), Daniel Lang, heuer zum neunten Mal organisiert hatte. Insgesamt gab es an den beiden Tagen 13 Filme zu sehen. Im ersten Block wurden acht Werke präsentiert, die in Sachen Thematik nicht unterschiedlicher hätten sein können. Die Eröffnungsanimation „Megatrick“ zählt zu Langs persönlichen Favoriten und kann das Leben in knapp zwei Minuten wortwörtlich auf den Punkt bringen.

Ergreifend zeigte sich die Dokumentation „F32.2“ von der HFF-Studentin Annelie Boros, die den Werdegang ihrer depressiven Kommilitonin und besten Freundin Vera porträtiert. Der Titel ist zugleich das Kürzel für den Diagnoseschlüssel der Protagonistin. Diese beschreibt ihre Krankheit so: „Stell dir den schlimmsten Liebeskummer vor und multipliziere ihn tausendfach.“ Für seine gefühlsstarken Bilder erhielt der Streifen den „Young Eyes Award“ auf dem Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilme (DOK Leipzig). Die Filmemacherinnen konnten nicht persönlich vorbei kommen, dafür schickten sie eine Videobotschaft. „Wir erhoffen uns, dass die Bilder, Töne und Klänge das Wesen der Depression beschreiben können“, teilte die Protagonistin darin mit. „Dieser Film war hautnah dran und hat mich sehr berührt“, meinte Alexandra Heise aus dem Publikum.

Hingegen konnte „Tarfala“ mit eindrucksvollen Naturaufnahmen aufwarten. Regisseur und HFF-Student Johannes Östergard dokumentiert hier das Leben eines nordschwedischen Hüttenwarts. Sein Werk wurde für den Studentenoscar nominiert. Bei dieser breiten Auswahl war für jeden Geschmack etwas dabei. Lang war mit der Resonanz zufrieden: „Ich freue mich, dass das Festival nach wie vor so gut angenommen wird.“

Constanze Wilz

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