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Steht noch zum Verkauf: das Fischerstüberl in exklusiver Lage.

Seehauser Fischerstüberl

Betuchter Liebhaber gesucht

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Seehausen - Die Lage am Staffelsee gilt als exklusiv, das Lokal mit seinem Biergarten an der Seehauser Bootslände als Institution. Doch Betrieb herrscht seit längerem keiner mehr im Fischerstüberl - schon seit geraumer Zeit soll es verkauft werden.

Nach der vergangenen Winterpause hat das Wirts-Ehepaar die alteingesessene Wirtschaft gar nicht mehr wiedereröffnet. Toni Neumeier, Mitte 70, möchte das sanierungsbedürftige Millionen-Objekt aus Altersgründen verkaufen. Ein Prozess, der schon 2015 im Gange war und sich zieht. Ein seit März laufendes Bieter-Verfahren, bei dem Interessenten eine Preis-Offerte unterbreiten können, wurde nun bis Ende September verlängert, und der beauftragte Immobilienmakler Wolfgang Sartory (Peißenberg) rechnet damit, dass eventuell ein weiterer Monat draufgepackt wird. Es gebe Verhandlungen mit mehreren ernsthaften Interessenten, „aber diese gehen nicht innerhalb von ein paar Tagen über die Bühne“.

Noch immer liegen zwei Szenarien fürs Fischerstüberl auf dem Tisch, das eher einen betuchten Liebhaber denn einen knallhart auf Wirtschaftlichkeit bedachten Kalkulator braucht. Erstens: Ein Interessent könnte das Objekt kaufen und sanieren. Die Fläche für einen größeren Teil der Terrasse aber gehört dem Investor dann ebenso wenig wie bisher dem Wirtspaar, das den Bereich mit Blick auf den Staffelsee jahrzehntelang von der Gemeinde Seehausen gepachtet hat. Diese würde den Vertrag im Drei-Jahres-Rhythmus verlängern, will das Grundstück allerdings unter keinen Umständen abstoßen. Da eine langfristige Sicherheit fehlte, war nach Angaben Sartorys bereits einmal ein Bewerber abgesprungen.

Zweite Möglichkeit, mehrere Millionen Euro teuer: Ein Käufer könnte das alte Gebäude abreißen und einen Neubau nach hinten versetzt errichten lassen. Auf diese Weise entstünde Platz für eine Terrasse zur Seeseite hin auf eigenem Grund. Ein bewilligter Antrag auf Vorbescheid liegt vor. „Dann muss man sich auch mit niemandem auseinandersetzen“, sagt der Makler mit Blick auf die Gemeinde-Terrasse. Er findet sowieso, die Kommune müsste Interesse daran besitzen, dass „an so exponierter Lage etwas vorangeht, sie müsste gemeinsam mit den Leuten nach Lösungen suchen“. Doch da komme nichts.

Die Gemeinde bleibt bei ihrem Standpunkt: Der Grund wird nicht verkauft. Doch Bürgermeister Markus Hörmann (CSU) ist die Bedeutung der Gaststätte durchaus bewusst. „Da gibt es auch immer wieder Anfragen von Gästen.“ Man habe Interesse daran, dass es eine florierende Wirtschaft gebe. Hörmann verwehrt sich allerdings gegen die Äußerung, die Gemeinde habe nichts getan. Er weiß auch nur von einem möglichen Käufer, der die Terrasse erwerben wollte. „Andere Interessenten, die sich an die Gemeinde wandten, waren zufrieden mit der Auskunft, dass es Drei-Jahres-Pachtverträge gebe.“ Dies sei seit Jahrzehnten gängige Praxis. „Ich verstehe nach wie vor das Drama um diese Terrasse nicht.“

Aktuell, sagt Sartory, habe er für beide Wege Interessenten – also für Sanierung und Neubau. Ein Käufer müsse das Lokal als Liebhaber-Objekt begreifen und Bezug zu Seehausen besitzen, weiß er. Er spricht von großer Nachfrage – nur der letzte Schritt, die Unterzeichnung des Vertrags, habe bisher gefehlt. „Die Interessenten brauchen Zeit, da besprechen sich zum Teil ganze Gruppen.“

Ein reines Luxus-Wohnobjekt in dieser exklusiven Lage ließe sich wohl ruck, zuck versilbern. Doch hier hat die Gemeinde über den Bebauungsplan einen Riegel vorgschoben – und die Einrichtung einer Wirtschaft zementiert.

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