Kieswüste: Tausende Kubikmeter Geröll lagern im Fluss. Das Hochwasser hat sie angespült. Foto: Tomaschek

Seehofers großes Versprechen

Wallgau - Problem Isarkies: Seit Jahren kämpfen die Wallgauer gegen das Geschiebe. Nun setzen sie ihre ganze Hoffnung auf das Wort des Ministerpräsidenten. Im Frühjahr sollen die Steine raus.

„Rufen Sie mich an, wenn es nicht funktioniert.“ Diesen Satz hat Wallgaus Bürgermeister Hansjörg Zahler (CSU) immer im Hinterkopf. Und er wird vom Angebot Horst Seehofers Gebrauch machen, sollte das Problem Isarkies nicht zeitnah endgültig gelöst werden. Bayerns Ministerpräsident hatte, wie berichtet, beim Festakt zum 1250. Jubiläum vor dem ganzen Dorf vollmundig verkündet: „Ich nehme den Kies gerne mit.“

Dafür kämpfen die Wallgauer schon seit rund acht Jahren. Doch es scheint, als ob nun, da Seehofer gesprochen hat, tatsächlich Bewegung in die Sache kommt. Es gibt dem Bürgermeister zufolge bereits das Okay der Regierung von Oberbayern, große Mengen Gestein im Frühjahr nächsten Jahres aus der Isar zu baggern. Schriftlich bestätigt ist dies noch nicht. Denn es soll im September einen Termin mit allen Beteiligten geben. Das sei fest ausgemacht, unterstreicht Zahler. Dann wollen sich Vertreter von Gemeinde, Wasserwirtschaftsamt, Naturschützer und weitere Beteiligten an einen Tisch setzen und „über Lösungsmöglichkeiten unterhalten“ - wieder einmal.

Immer wieder war die Entnahme großer Mengen von Kies, die dem Dorf und vor allem seinem Trinkwasserbrunnen zunehmend zu schaffen machen, am Einschreiten der Naturschützer gescheitert. Sie sehen die Flora und Fauna gefährdet.

Bei dem Runden Tisch geht es diesmal nicht darum, einmal Geschiebe zu entfernen, sondern um ein Planfeststellungsverfahren. An dessen Ende steht ein Bescheid, der die Entnahme dauerhaft genehmigt, sobald eine bestimmte Höhe des Flussbettes erreicht ist. „Und zwar ohne jedes Mal wieder ein ewig langes Verfahren einleiten zu müssen“, sagt Zahler. So, wie es bereits im Nachbarort Krün gehandhabt wird. Den Wallgauer Rathauschef beschäftigt dieses Thema seit Jahren, den Kampf ist er leid.

Derzeit ist das Problem nicht zu übersehen: Rund 85 000 Kubikmeter Gestein lagern zwischen Krün und Isarsteg im Fluss. Das Hochwasser Anfang Juni hat sie angespült. Das Wasser ist wieder weg, der Kies bleibt. Der kam bei den Fluten gefährlich nahe an den Brunnen, Wallgaus Trinkwasser war in Gefahr. In einer ersten, schnellen Maßnahme wird nun der Schutzdamm für den Brunnen erneuert. Die Arbeiten des Wasserwirtschaftsamts Weilheim laufen derzeit.

Die Experten waren auch im Vorfeld von Seehofers Besuch in Wallgau, maßen die Kieshöhe, stellten Berechnungen an. „Wir wollten ja etwas Belastbares in der Hand haben“, verdeutlicht Zahler. Er wusste, dass mit dem Gastspiel des Ministerpräsidenten seine Chance gekommen war. Der Plan ging auf: Seehofer gab das große, lang ersehnte Versprechen. Der Bürgermeister ist sich sicher: „Wenn er nicht gekommen wäre, wäre alles sicher zäher gegangen.“

So gibt es zumindest schon mal die Absichtserklärung der Regierung von Oberbayern, die Entnahme zu genehmigen. Sollte dieser nun wider Erwartens doch kein Bescheid folgen, ist eines klar: Dann greift Zahler zum Telefonhörer. (Janine Tokarski)

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