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Für die Seehauser mehr als ein Kirchenfest: die Seeprozession.

Seeprozession in Seehausen

Fronleichnam: Traumtag auf dem Staffelsee

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Seehausen  - Das Wetter meinte es gut mit den Seehausern: Über dem Staffelsee lachte bei frühsommerlichen Temperaturen die Sonne – ein Traumtag für das katholische Hochfest Fronleichnam, das in dem Fischerdorf auf eine ganz besondere Weise begangen wird.

Die Gläubigen ziehen nach dem Gottesdienst nicht nur – wie in vielen anderen bayerischen Orten auch – durch ihren herausgeputzten Ort, sondern setzen mit Booten über zur Insel Wörth, wo die Wurzeln der Pfarrei St. Michael liegen. Mehrere hundert Besucher verfolgten die religiöse Veranstaltung, die trotz des großen Interesses in einer ruhigen und andächtigen Atmosphäre ablief. Es war von der Bootslände aus ein imposanter Anblick, als die Teilnehmer, die meisten in Tracht, über das Wasser ruderten beziehungsweise sich rudern ließen – mit der Fähre im Mittelpunkt, auf dem der Zelebrant, Salesianerpater Reinhard Gesing, unter einem Stoffbaldachin („Himmel“) die Monstranz mit dem „Allerheiligsten“ hielt. Für die Fotografen war diese Szene freilich ein Parademotiv. Entsprechend häufig klickten nach dem Ablegen die Kameras.

„Das ist einzigartig und gelebtes Brauchtum“, meinte etwa Ingrid Hempel aus Olching, die bereits zum dritten Mal die Seeprozession mitverfolgte. „Sehr ergreifend“ – so lautete das Urteil der Urlauber Thomas und Ursula Steinhauer aus Düsseldorf. Und eine weitere Zuschauerin sprach von einem „Zeugnis katholischer Frömmigkeit“.

Für Pater Gesing war es eine Premiere: Der Direktor des Klosters Benediktbeuern erlebte das Ganze zum ersten Mal: „Ich bin wirklich sehr beeindruckt“, sagte der Geistliche, der in seiner Predigt die Bedeutung der Eucharistie und die Bewahrung der Schöpfung betonte. „Das war für mich eine Ehre. Ich habe dies als Geschenk erfahren.“ Es sei ein „wunderschönes Zeichen“, zur Wörth überzusetzen, so der Geistliche weiter. Denn: „Dort hat der Glaube seinen Anfang genommen.“

 Zum historischen Hintergrund: Schon im siebten Jahrhundert wurde auf dem Eiland mitten im Staffelsee eine Steinkirche errichtet; im achten Jahrhundert erhob sich ein Kloster; und etwa 800 Jahre lang bis ins 18. Jahrhundert stand dort die Seehauser Pfarrkirche, die vom Festland aus über einen hölzernen Steg zu erreichen war – ein oftmals beschwerlicher Weg. Für die Seehauser ist daher Fronleichnam mehr als ein Kirchenfest, es ist ein Stück ihrer Identität. Das ganze Dorf ist auf den Beinen, von den Kommunionkindern bis zum Bürgermeister, wenn mit Chor und Blaskapelle, mit Liedern und Gebeten diese Tradition gepflegt wird. Die geschmückten Stationen befanden sich beim Lebensmittelladen Krüger, vor der Jakobs-Insel, auf der Insel Wörth und schließlich am Ostufer beim „Kreuzl“.

Bilder: Traumhaftes Fronleichnam auf dem Staffelsee

Bilder: Traumhaftes Fronleichnam auf dem Staffelsee

 „Es war schön“, resümiert die Vorsitzende des Pfarrgemeinderats, Angelika Guglhör. Im Zuge der festlichen Prozession werde einem jedesmal bewusst, welch ein Privileg es sei, in dieser herrlichen Gegend zu leben. Damit verbunden sei auch der Appell, sich für den Erhalt der Natur einzusetzen. Besonders positiv sei ihr aufgefallen, dass viele Gäste mitbeteten und mitsangen – und nicht nur zusahen.

 Das Wort Fronleichnam geht auf das mittelhochdeutsche „vron“ für „Herr“ und „lichnam“ für „lebendiger Leib“ zurück. Die Gläubigen zelebrieren das Geheimnis der Eucharistie, also die leibliche Gegenwart Jesu in Brot und Wein. Die Umzüge haben ihren Ursprung im 13. Jahrhundert, die Seehauser Seeprozession entstand in ihrer heutigen Ausprägung erst 1935. Bei schlechtem Wetter fiel sie auch schon aus.

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