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Kunst und Handwerk im Ammertal

Sehenswerte Ausstellung der Schnitzschule Oberammergau

Oberammergau - Wo sich die Spreu vom Weizen trennt: So lässt sich die Ausstellung der Schnitzschule Oberammergau beschreiben, die nun Vernissage gefeiert hat.

Weizenkörner und Spreuschalen – aus Linde, Eiche oder Ahorn, ein ästhetisches, elegantes, überdimensionales Abbild der Natur. Zwischen 77 Zentimeter und fast 1,5 Meter groß, anscheinend anwachsend aufgereiht. Die Spreu zum Teil mit Graphit geschwärzt und schwebend – je kleiner umso leichter und schwereloser. Sie ist ein Blickfang bei der Ausstellung „In der Schwebe“, die in der Schitzschule Oberammergau Eröffnung gefeiert hat. Zu den Höhepunkten zählt auch eine ganz spezielle Installation: 64 Blöcke und Weizenkörner aus Holz, die in echten Weizenkörner gebettet, im Hintergrund eine Wand aus handgeschöpften Papier. Zu diesem Werk gehört die Geschichte vom Erfinder des Schachspiels, der vom persischen König als Dank dafür Weizen wünscht. Auf jedes Feld des Schachspiels doppelt so viele wie auf das vorhergehende, beginnend mit einem Korn. Ein Wunsch, unmöglich zu erfüllen, der es aber möglich machen würde, die ganze Weltbevölkerung zu ernähren.

Mit der Ausstellung im Schul-Pavillon gibt Hermann Bigelmayr, seit diesem Schuljahr neuer Lehrer, seine Visitenkarte im Ammertal ab. Bigelmayr, bekannt durch seine spektakulären Großplastiken im öffentlichen Raum, hat seine Ausbildung zum Holzbildhauer in Oberammergau unter Hans Schwaighofer durchlaufen und unterrichtet nun sogar in dem Unterrichtsraum, in dem er selbst drei Jahre lang als Schüler saß. Es mache ihm Freude, etwas von dem zurückzugeben, was er selbst erhalten hat, erklärt er. Weizenkörner, auf menschliches Maß vergrößert, sollen auf das drängende Problem der Versorgung mit Grundnahrungsmitteln und „die Grenzen des Wachstums“ hinweisen – so lautet auch der Titel seines 1992 in einem internationalen Wettbewerb prämierten Kunstwerks vor dem Institut für Umwelt und Gesundheit.

Platz für 30 Meter große Plastiken bietet der Pavillon natürlich nicht, doch eignet sich der lichte Raum mit seinen verschiedenen Ebenen ideal für die Präsentation der Körner und der schwebenden Spreu. Ob die Kunstwerke von Bigelmayr nun zur Architektur des Pavillons passen, oder die Architektur passend ist zu den Kunstwerken wie Anne Funck in ihrer Einführung zur Ausstellung fragt, lässt sich nicht beantworten. Doch sicher kann die hier entstandene homogene Verbindung von Kunst und Bau als ideal bezeichnet werden. Fast ist es schade, dass so viele Besucher zu der Ausstellungseröffnung gekommen sind. Denn noch besser kämen die Skulpturen im unbevölkerten Raum zur Geltung. Das große Interesse freut Bigelmayr aber besonders. „Denn immerhin opfern sie dafür ja ihre wertvolle Freizeit“. Noch viele weitere Besucher wünschte Florian Stückl, der ehemalige Leiter der Schnitzschule, dieser ungewöhnlichen und beeindruckenden Ausstellung.

Ulrike Bubenzer-Schmitz

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