Der Gründer: Andreas Karg senior (v.l.) kauft 1912 die Brauerei. Mit im Bild sind (h.v.l.) Rosina Schubert (geb. Karg), Franziska Karg, Andreas Karg junior und Centa Karg sowie (v.v.r.) Emmi Pflüger (geb. Karg) und Franz Schubert.

Seit 100 Jahren in Familienbesitz

Murnau - Vor genau 100 Jahren wurde die Brauerei Karg in Murnau gegründet. Seither hat sich das kleine Familienunternehmen bis weit über die Landkreisgrenzen hinaus mit seinem Bier einen Namen gemacht. Zum Jubiläum steigt am Samstag in der Lederergasse in Murnau ein großes Fest.

Franz Schubert erinnert sich noch genau: Einmal, an der Einfahrt vom Ähndl in die B 2, ist ein Bierlaster umgekippt. Weil die Bordwand offen war, landeten rund 20 Tragl auf der Straße. „Die ganze B 2 war voller Scherben“, lacht Schubert, der zusammen mit seiner Tochter Victoria die Geschäfte der Brauerei Karg führt.

Die Verantwortlichen können heuer auf das hundertjähriges Bestehen des Betriebs zurückblicken. Man schrieb das Jahr 1912, als Andreas Karg, der Großvater des heutigen Bräus, die Brauerei kaufte. Zuvor hatte es an gleicher Stelle die Brauerei Hirschvogel gegeben, die 1899 gegründet wurde und ebenfalls Weißbier herstellte. 1912 existierten im Ort noch acht Betriebe, die Gerstensaft herstellten.

Franz Schubert (65) übernahm den Familienbetrieb Karg, der heute neun Personen beschäftigt, im Jahr 1977 von seinen Onkeln und Tanten. Er ist Diplombraumeister, hat in Weihenstephan studiert. Tochter Victoria (30), die Getränkebetriebswirtin und Bier-Sommelière gelernt hat, ist seit 2006 mit dabei und seit 2008 Mit-Geschäftsführerin. Das Brauen untergärigen Bieres (Helles und Dunkles) stellte Franz Schubert 1980 ein. Er konzentrierte sich voll auf das Weißbier. Es war einfach kein Platz mehr vohanden, um andere Biersorten zu lagern.

Karg hat heute einen Jahresausstoß von 10 000 Hektolitern. Produziert wird helles, dunkles und leichtes Weißbier sowie im Winter ein Bock. Gebraut und abgefüllt wird montags und dienstags. „Das Bier braucht dann rund drei Wochen bis es fertig ist“, erzählt der Braumeister.

Freilich: Die Menschen trinken heute weniger Bier als früher. Franz Schubert nennt mehrere Gründe: Die gesunkene Promillegrenze, fehlende Stammtische und die Gesundheitswelle. „Außerdem gab es früher mehr körperliche Arbeit.“ Heute existiere kaum mehr ein Betrieb, in dem es erlaubt ist Bier zu trinken. Schubert merkt das auch am Leergut. So genannte „Maurerflaschen“ mit Baustellenschmutz „gibt es nur noch in Ausnahmefällen“. Am höchsten war der Bierkonsum in Deutschland laut Schubert Ende der 1970er Jahre. „Damals wurden pro Kopf 148 Liter im Jahr getrunken.“ Heute seien es 104 Liter - gut ein Drittel weniger. Indes: „Die Menschen trinken zwar weniger Bier, aber mehr Weißbier“, sagt Schubert. „Und das Bier, das in Bayern am meisten getrunken wird, ist Weißbier.“ Alkoholfreies Weißbier finde zwar immer mehr Anhänger. Die Schuberts wollen diese Sorte aber nicht anbieten. „Der Aufwand ist sehr groß“, sagt der Brauereichef.

An Anekdoten aus der langen Brauereigeschichte mangelt es nicht. Es ist noch gar nicht lange her, dass ein Bierlaster mit der Hinterachse in den Staffelsee eintauchte. Das Fahrzeug befand sich auf der Fähre und war auf dem Rückweg von der Insel Buchau. „Die Feuerwehr musste ausrücken“, schmunzelt Victoria Schubert.

Zum Hundertjährigen wird es ein großes Fest geben. Es steigt am morgigen Samstag ab 17 Uhr in der Brauerei-Halle. Dabei wird auch gefeiert, dass die Familie Göpfert seit 40 Jahren das Karg-Bräustüberl betreibt. Zudem wurde vor 25 Jahren die Gebirgsschützen-Kompani Mur-nau wieder gegründet. Für Stimmung sorgt die Band Rockaholixs, die Oktoberfestmusik im Programm hat. Die Veranstalter sorgen für Speis und Trank. Der Eintritt ist kostenlos. (roy)

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