Schuh-Verweigerer: Daniel Haser fühlt sich beim Barfuß-Gehen rundum wohl. Foto: schauer

Selbstversuch: Von früh bis spät nur barfuß unterwegs

Bad Bayersoien - Ein außergewöhnliches Experiment hat Daniel Haser aus Bad Bayersoien gestartet: Er lässt seit sechs Wochen seine Schuhe im Schrank und meistert den Alltag "unten ohne".

Ob Bonn, Hannover, Stuttgart oder im Ausland: Daniel Haser ist viel unterwegs. Seine Reisetasche zu packen - bereits Routine. Seit sechs Wochen fehlt jedoch stets etwas in seinem Gepäck: Schuhe. Nicht etwa aus Vergesslichkeit, sondern aus purer Absicht. Der Bad Bayersoier hat nämlich ein kleines Experiment gestartet, er bestreitet seinen Alltag nur noch barfuß. Einen speziellen Grund, warum der 21-Jährige auf seine Treter verzichtet, gibt es nicht. „Ich mag es einfach“, erklärt er. „Und es ist gesund.“

Für ihn ein schöner Nebeneffekt. Schon jetzt fühlt er sich wohler in seiner Haut, nicht nur aus pragmatischer Sicht. Schließlich muss er keine Schuhe mehr putzen oder Socken zusammensuchen. „Ich glaube, meine Haltung hat sich verbessert und bin mehr abgehärtet.“ Er trotzt auch kalten Temperaturen oder Regen. Selbst vor Verletzungen hat Haser keine Angst. „Anfangs war ich noch sehr sensibel, aber man wird schnell schmerzunempfindlicher“, beschreibt er. Kleine Scherben beispielsweise interessieren ihn schon gar nicht mehr.

Sein Selbsversuch bedeutet ihm ein Stück weit „befreiteres Leben“. An seine Grenzen ist der Jurtenbauer dabei erst zweimal gestoßen: beim Kanufahren sowie bei der Deutschen Meisterschaft im Trampen. „Wenn ich drei Kilometer mehr gehen hätte müssen, hätte ich meine Schuhe angezogen“, blickt der Fünftplatzierte zurück. Haser blieb konsequent. Sogar im Beruf - der 21-Jährige arbeitet als einer von sechs Vorsitzenden bei den Internationalen Jugendgemeinschaftsdiensten (IJGD) - zieht er sein Barfuß-Experiment durch. Nur einmal entschloss er sich dazu, eine Ausnahme zu machen: bei einem Bewerbungsgespräch. „Ich wollte nicht, dass ich jemand abschrecke und dieser meinetwegen die Stelle nicht mehr will.“

Ablehnung oder Kritik hat Haser indes noch nicht erfahren müssen - im Gegenteil. Die Resonanz sei durchwegs positiv, vor allem bei älteren Menschen. Was der Soier fast schon als absurd empfindet - dass viele sich rechtfertigen, es selbst nicht genauso zu handhaben. „Ich glaube, es würden mehrere gern machen, aber irgendetwas hindert sie daran: vielleicht die Gesellschaft“, vermutet er.

Der 21-Jährige selbst sieht sich nicht als Revoluzzer, als alternativ oder gar esoterisch veranlagt. In diese Schublade möchte er auch nicht gesteckt werden. Er findet es einfach interessant, vor allem, dass etwas eigentlich ganz Natürliches als so außergewöhnlich angesehen wird. „Das Barfußgehen war das Hauptgesprächsthema in den letzten Wochen“, erinnert er sich. Er wird nicht müde, darüber zu erzählen. Vielmehr profitiert Haser von der Aktion. „Ich bin nicht gerade extrovertiert“, sagt er über sich, „jetzt werde ich oft angesprochen.“ Das breche schnell das Eis.

Wie lang er noch ohne Schuhe durch die Welt tingelt, steht noch nicht fest. „Ich werde es so lange machen, bis es sich unangenehm anfühlt.“ Sogar im Winter? Nicht ausgeschlossen. Auch wenn er dann einige Zeit im warmen Marokko verbringt. „Das ist schließlich kein Wettbewerb mit mir selbst, sondern einfach nur eine Bereicherung oder ein Anstoß für andere.“

(msch)

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