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Stiftet Verwirrung: An der Tür des Seniorentreffs hängt ein Zettel mit der Information, dass dieser am 1. Februar wieder öffnet. Die Marktgemeinde teilte einen anderen, späteren Termin mit.

Alte Mitarbeiterinnen werden nicht übernommen

Seniorentreff: Wogen noch nicht geglättet

Garmisch-Partenkirchen -  Es ist ein emotionales Thema: Die Besucher des Seniorentreffs beklagen ein fehlendes Mitspracherecht. Außerdem sind sie entsetzt über Personalentscheidungen. 

Zorn, Enttäuschung, Unverständnis. Die Senioren-Seele kocht. Wieder. Oder: Immer noch. Die Veränderungen, mit denen die Besucher des Seniorentreffs Marianne Aschenbrenner konfrontiert wurden und werden, stößt in ihren Reihen weiter auf Kritik. „Wir kommen uns entmündigt vor“, sagt Karla Teply. Die Garmisch-Partenkirchnerin spricht stellvertretend für den ganzen Treff. Der gleiche Satz steht auch in einem fast fünfseitigen handgeschriebenen Brief, den sie verfasst hat. Adressiert an Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD). Teply hat mächtig Wut im Bauch. Aus vielen Gründen, aber vor allem aus einem. Denn während die Seniorentreff-Homepage noch die Vergangenheit abbildet, sieht der Ist-Zustand bereits anders aus: Die Lebenslust, die seit Anfang dieses Jahres als Träger agiert, übernimmt die bisherigen Mitarbeiter der Einrichtung an der Ludwigsstraße nicht.

„Wir sind entsetzt“, sagt sie. „Mit dieser uns unverständlichen Entscheidung hat niemand gerechnet.“ Betroffen davon sind Barbara Maurer und Karin Teufl. „Gerade diese waren es, die mit Herzblut unseren Alltag erträglich gemacht haben. Mit ihrem Wissen und ihrer Menschlichkeit sind sie uns ans Herz gewachsen und haben unser Vertrauen gewonnen“, schreibt Teply. Die ehemalige Leiterin Theresa Blaschek hat sich gar nicht erst auf eine Anstellung beworben. Zumindest sei Klaus Lobenhofer, der im Auftrag der Lebenslust für den Seniorentreff verantwortlich ist, nichts anderes bekannt.

Die Marktgemeinde jedoch ist der falsche Beschwerde-Empfänger. Der Finanzausschuss war zwar für die Entscheidung zugunsten der Lebenslust als Träger zuständig, aber „eine Einmischung in einzelne Arbeitsverhältnisse hat ausdrücklich nicht stattgefunden“, teilt Rathaus-Sprecher Florian Nöbauer mit. Das soziale Netzwerk, dem zum Beispiel die Caritas, die Diakonie oder das BRK angehören, erhielt in diesem Punkt Handlungsfreiheit.

Neue Mitarbeiterinnen werden am 4. Februar vorgestellt

Warum Maurer und Teufl die Posten nicht weiter besetzen dürfen, darüber schweigt Lobenhofer. Das normale Vorgehen bei Personalentscheidungen. Dafür verrät er, dass es wie bisher drei Mitarbeiterinnen geben wird. Eine für die Verwaltung, zwei für den „pädagogischen Bereich“. Der Vertrag bei zweien davon läuft ab dem 1., bei der dritten im Bunde ab dem 15. Februar. Nur um wen es sich handelt, dieses Geheimnis lüftet er zumindest bis zum 4. Februar nicht. Dann will die Lebenslust in Anwesenheit von Meierhofer die Neuverpflichtungen vorstellen und einen Ausblick auf die Zukunft der Einrichtung geben.

Informationen wie diese vermissen die Senioren. Die Ungewissheit wächst. Wie Teply schildert, wissen ihre Mitstreiter nicht einmal, wann der Treff wieder öffnet. Auf einem Zettel, der an der Tür der Einrichtung hängt, ist vom 1. Februar die Rede. „Ich hab’ bei der Gemeinde angerufen und da hieß es am 1. März eventuell“, empört sich die Garmisch-Partenkirchnerin. Tatsächlich bestätigt Nöbauer auf Tagblatt-Nachfrage den Termin 1. Februar. Lobenhofer kennt das Verwirrspiel. Der Aushang stamme nicht von der Lebenslust. „Aber wir packen den Stier jetzt bei den Hörnern“, sagt er. Das bedeutet, der Treff öffnet am 1. Februar. „Am Vormittag wird jemand zum Gespräch da sein“, prophezeit er und klärt damit schon mal eine der drängenden Fragen der Senioren.

Räumlichkeiten an der Ludwigstraße bleiben vorerst erhalten

Vielleicht besänftigt das die Gemüter der treuen Anhänger der Einrichtung. Sie sind schlichtweg verunsichert. Vor allem wollen sie die alten geschätzten Strukturen beibehalten. Ihre selbst organisierten Ausflüge zum Beispiel. „Wir hatten immer Mitspracherecht“, beklagt Teply. „Jetzt dürfen wie sie nicht mehr im Alleingang machen.“ Oder die Räumlichkeiten an der Ludwigstraße. Doch Lobenhofer hat gute Nachrichten: „Der Standort bleibt.“ Vorerst zumindest. Es gibt nämlich die Idee, im alten Finanzamt eine Begegnungsstätte für Senioren zu schaffen. Was unter diesen Umständen passieren würde, kann Lobenhofer noch nicht abschätzen.

Der Diakon der evangelischen Kirchengemeinde Partenkirchen bemüht sich, die Wogen zu glätten. „Ich will jede Stimme ernst nehmen“, betont er, bittet aber auch um Verständnis und Geduld. Ein genaues Konzept für den Treff existiert derzeit noch nicht, ein Entwurf – erstellt von Blaschek – schon. „Man muss diesen an den Bedarf anpassen.“ Schließlich sei man erst in der Warmlaufphase. Aber schon jetzt verspricht Lobenhofer: „Alles ist verhandelbar.“ Man möchte die Senioren nicht übergehen.

Doch genau so haben sie sich bisher gefühlt.

Zur Information

Eine erste Öffnung in Anwesenheit einiger Vertreter der Lebenslust  ist für den 1. Februar, von 9 bis 12 Uhr, terminiert. Die offizielle Eröffnungsfeier findet am 29. Februar um 14 Uhr statt.
Der 4. Februar dient lediglich als Pressegespräch.


mas

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