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Kommt nach Murnau: die Euro-Kritikerin Alice Weidel, die dem Bundesvorstand der AfD angehört.

Nach Frauke Petry kommt Alice Weidel  

AfD setzt auf Promi-Offensive im Landkreis

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Murnau - Die Alternative für Deutschland (AfD) versucht offenbar, im Landkreis Fuß zu fassen – und schickt ihr Spitzenpersonal zur Unterstützung. Nach Frauke Petry wird Anfang Juli, diesmal in Murnau, die nächste hochkarätige Vertreterin der Rechtspopulisten erwartet: Euro-Kritikerin Alice Weidel.

Es ist gerade mal zwei Wochen her, dass die AfD-Bundeschefin Frauke Petry in Garmisch-Partenkirchen im Gasthof zum Rassen auftrat – und damit einen Gegendemo verursachte. Am Sonntag, 3. Juli, steht im Murnauer Kultur- und Tagungszentrum (Beginn: 14 Uhr) erneut ein prominent besetzter Termin an, mit dem die AfD die Aufmerksamkeit auf sich zieht: Auf Einladung des Kreisverbandes Oberbayern Süd-West, der die Landkreise Garmisch-Partenkirchen, Weilheim-Schongau und Landsberg abdeckt, spricht die promovierte Ökonomin Alice Weidel, die wie Petry Mitglied des AfD-Bundesvorstandes ist. Das Thema der öffentlichen Veranstaltung lautet: „Euro oder Freiheit?“. Weitere Redner sind der Edelmetall-Fachmann Peter Boehringer und der Wirtschaftshistoriker Bruno Bandulet.

Die Talkshow-erprobte Politikerin Weidel aus der Bodenseeregion gibt sich eher gemäßigt und wird als Hoffnungsträgerin der deutschnationalen Partei gehandelt. Laut dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“ ist sie als mögliche Spitzenkandidatin für den kommenden Bundestagswahlkampf im Gespräch. In Murnau will sie über die „Bedeutung der Geldsystemfrage in der Gesellschaft und im AfD-Programm“ reden – ein zentrales Thema der Rechtskonservativen. Diese betrachten bekanntlich das Euro-Währungssystem als Fehlkonstruktion und fordern dessen Auflösung.

Der Termin kurze Zeit nach dem Petry-Besuch sei rein zufällig zustande gekommen, erklärt die Kreisvorsitzende Edeltraud Schwarz auf Nachfrage. Man habe sich bereits Anfang des Jahres darum bemüht. „Da steckt keine Strategie explizit dahinter“, sagt sie. Natürlich gehe es auch darum, die AfD in der Region zu stärken. „Wenn wir Partei-Prominenz bekommen, ist das schön für uns.“ Ihr gehe es aber in erster Linie darum, das Gründungsthema der AfD, die Euro-Kritik, aufzugreifen. Die Funktionärin aus Scheuring kann sich nach eigenen Angaben durchaus vorstellen, dass ihre Partei eines Tages im Landkreis Ortsvereine gründet und kommunalpolitisch aktiv wird. Bislang treffen sich die Mitglieder und Anhänger meist in Garmisch-Partenkirchen und Murnau an Stammtischen.

Bemerkenswert: Referentin Weidel lebt nach Medienberichten mit ihrer Partnerin in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung und hat ein Kind – was dem traditionellen Familienbild der AfD nicht unbedingt entspricht. Schwarz hat damit kein Problem. „Das ist völlig in Ordnung“, erklärt sie. Jede Frau könne frei entscheiden, wie sie leben möchte. Der AfD gehe es darum, die Familie besonders zu schützen.

Bleibt noch eine Frage: Wieso bietet die Marktgemeinde Murnau als Hausherrin Weidel und ihren Mitstreitern im Kultur- und Tagungszentrum eine Plattform? Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) verweist auf die Rechtslage. Die Kommune sei zur Neutralität verpflichtet, erklärt er, und könne die AfD nicht ausschließen. Der Rathaus-Chef distanziert sich deutlich von Petry, Gauland & Co.. „Ich glaube nicht, dass die AfD eine Alternative für Deutschland ist“, betont Beuting. Er hält diese für eine reine Protestpartei. „Inhaltlich bietet sie nicht viel, außer Krawall und Showeffekte.“ Deren Vorschläge würden seiner Ansicht nach die Probleme noch verschlimmern. Beuting ist sich sicher: Beispielsweise würde eine Rückkehr zur D-Mark massive Wohlstandsverluste mit sich bringen.

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