Unter Beschuss: Dem langjährigen SPD-Gemeinderat Michael Manlik (M.) fehlt der Rückhalt in der eigenen Partei. Links daneben Welf Probst (Freie Wähler), rechts Dr. Franz Englbrecht und ganz außen Holger Poczka (beide ÖDP/Bürgerforum). Foto: Lory

Showdown bei den Genossen

Murnau - Der Machtkampf in der Murnauer SPD spitzt sich zu. Für Gemeinderat Michael Manlik geht es ums politische Überleben.

Seit 40 Jahren ist Michael Manlik in der SPD, seit fast 30 Jahren sitzt er für diese im Murnauer Gemeinderat: Eigentlich bekommt so jemand die Ehrenmitgliedschaft oder eine andere honorige Auszeichnung. Doch dem 60-jährigen Lehrer droht ein härteres Schicksal: Er soll gegen seinen Willen in den vorzeitigen politischen Ruhestand geschickt werden. „Das kommt mir vor wie ein Tritt in den Hintern“, ärgert er sich. Aufgeben will Manlik deswegen noch nicht. Der Machtkampf unter den Genossen steuert auf das Finale zu. Der Einsatz ist hoch: Im schlimmsten Fall zerbricht der Ortsverein.

Wie bereits berichtet, hat der Vorstand der Murnauer SPD beschlossen, den altgedienten Volksvertreter Manlik sowie Ratsmitglied Hans-Peter Burger nicht mehr für die Kandidatenliste zur Kommunalwahl 2014 vorzuschlagen. Das kommt einem Rauswurf gleich - nicht gerade die feine Art. Doch die Führungsriege scheint keinen anderen Ausweg zu sehen: Mit dem Vorschlaghammer will sie die seit zwei Jahren gärende Krise endlich beenden. Manlik und Burger gelten als erbitterte Kontrahenten, viele Genossen machen sie für den Dauerzoff hauptverantwortlich. Die SPD-Spitze ist sich einig: Nur ohne die beiden Streithähne könne der Neuanfang gelingen.

„Wir haben alles versucht“, berichtet der Ortsvorsitzende Felix Burger, Sohn von Hans-Peter Burger. Aber es habe sich kein Weg gefunden, wie ein Miteinander klappen könnte. Seiner Ansicht nach kämen sein Vater und Manlik zwischenmenschlich einfach nicht miteinander klar. „Die beiden haben uns keine andere Wahl gelassen“, sagt der Ortsvereinschef.

Während Hans-Peter Burger die Entscheidung offenbar akzeptiert und diese als „gangbare Lösung“ bezeichnet, ist Manlik alles andere als begeistert. Er spricht von einem Affront, von Wut, Trauer und Enttäuschung. Und wie geht es jetzt weiter? Manlik lässt sich nicht in die Karten schauen. Alles sei möglich, sagt er. „Ich warte die Reaktionen der Mitglieder ab.“

Nach Kapitulation klingt das nicht, eher nach einer leisen Kampfansage. Über Manliks weitere Schritte kann nur spekuliert werden. Am wahrscheinlichsten ist: Er versucht, Anhänger zu mobilisieren, um den Vorstandsbeschluss zu kippen. Dieser ist nur eine Empfehlung. Das Manlik-Lager könnte es auf der Aufstellungsversammlung im Herbst zu einer Kampfabstimmung kommen lassen, um den alten Politfuchs doch noch auf die Liste für die Gemeinderatswahl zu bringen. Das wiederum würde vermutlich zu einem Eklat führen. Felix Burger kündigt für diesen Fall vorsorglich schon mal das „Ende der Murnauer SPD“ an - und spielt damit auf Rück- und Austritte an. Es ist schwer abzuschätzen, ob die Manlik-Freunde bereit sind, für diesen in die Bresche zu springen - oder es bei harmlosen Mitleidsbekundungen belassen.

Sollte das Ganze scheitern, bleiben Manlik noch zwei Möglichkeiten: Er kann mit der Politik aufhören oder zu einer anderen Gruppierung wechseln. Das ÖDP/Bürgerforum würde den Sozialdemokraten vermutlich mit offenen Armen empfangen. Schon jetzt bildet Manlik zusammen mit der Truppe um Holger Poczka die Opposition im Gemeinderat.

Wie auch immer die Sache ausgehen mag: Die SPD schadet sich mit dem internen Gezanke gewaltig. Das ist Gift ein Jahr vor der Kommunalwahl, wenn eigentlich Geschlossenheit gefordert ist. Parteistrategen befürchten bereits einen schmerzhaften Stimmenverlust - und weniger Sitze im Kommunalparlament. Auf zwei bis drei könnte man abstürzen, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Derzeit stellt die SPD vier Gemeinderäte. Eine Einheit bilden diese schon längst nicht mehr. Nach dem Bruch der Vierer-Fraktion arbeitet ihr einstiger Sprecher Manlik als Einzelkämpfer. Die drei anderen, Elisabeth Hoechner, Hans-Peter Burger und Ernst Ochs, haben sich mittlerweile wieder zu einer Fraktion zusammengeschlossen. (as)

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