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Schmerzlich vermisst: Die Katzen Nelly (r.) und Barney sind wie weitere vier Tiere in den vergangenen drei Monaten spurlos aus dem Saulgruber Melkweg verschwunden.

Sieben Tiere in Saulgrub verschwunden

Ist ein Katzenfänger unterwegs?

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Saulgrub - Ratlosigkeit, Trauer, Wut fühlen Tanja und Frank Emmerich aus Saulgrub. Innerhalb von drei Monaten sind sieben Katzen aus dem Melkweg verschollen. Drei gehörten dem Ehepaar. Sie fürchten Schlimmstes.

Shiva spurtet durch die Wohnung, von einer Ecke in die andere. Dann pirscht sie sich an den gelben Tennisball von Hund Rudi heran. Sie kann ihn sich nicht krallen, Rudi rückt sein Spielzeug nicht raus. Tanja und Frank Emmerich sitzen am Küchentisch, beobachten die beiden und wirken trotz der Albernheiten geknickt. „Shiva ist nur ein Reha-Waise“, sagt die 50-Jährige. Für ein paar Wochen passen die Emmerichs auf den Wildfang auf. Dann müssen sie ihn wieder seinem Besitzer, einer Bekannten, zurückgeben. Ein Abschied, der nicht leicht fällt. „Sie ist ein Ebenbild von unserem Barney.“ Ständig werden sie an ihren Kater erinnert. Der ist wie noch zwei von ihren vierbeinigen „Familienmitgliedern“, Nelly und Minnimo, verschollen. Auch von vier weiteren Katzen aus ihrer Nachbarschaft im Saulgruber Melkweg fehlt jede Spur.

Alles haben sie abgesucht - ohne Erfolg

Auch von Minnimo fehlt jede Spur. 

Sieben Katzen in drei Monaten, allesamt von Besitzern, die in dieser ruhigen Ecke des Ortes wohnen – wie vom Erdboden verschluckt. Anfangs, im Juni, ist das Ehepaar noch davon ausgegangen, dass vielleicht im Straßenverkehr etwas passiert sei. Die Umgehungsstraße liegt nicht weit vom Melkweg entfernt. Alles wurde abgesucht, jeder Schuppen, jedes mögliche Versteck. Doch dann meldete sich ein Nachbar. Auch dessen Kater Paul – unauffindbar. Minnimo, der zweite Vierbeiner der Emmerichs, kam als nächstes nicht mehr zurück. Und das, obwohl er sich nach einer schweren Verletzung und einer Operation nicht mehr weit vom Haus entfernte. Spätestens um 14.30 Uhr zur Essenszeit stand Minnimo auf der Matte. Bis zum Tag seines Verschwindens. Da blieb der Fressnapf unberührt.

Nie gab es eine Spur oder einen Kadaver. Immer verschwanden die Tiere, die ihr Revier seit vielen Jahren kennen, am helllichten Tag. Aus einem Einzelfall entwickelte sich eine Serie. An einen Zufall glaubte niemand der Betroffenen mehr.

Stellt jemand Fallen auf?

„Irgendetwas geht hier vor“, betont Tanja Emmerich. Dass das Ehepaar seine drei Katzen wieder zurückbekommt, diese Hoffnung haben die Emmerichs längst begraben. Ihr Verdacht: Entweder treibt ein Katzenfänger/-hasser sein Unwesen oder jemand stellt Fallen auf. Das zumindest vermuten die Wahl-Saulgruber und die betroffenen Nachbarn. Die schlimmsten Vorstellungen schwirren ihnen im Kopf herum. Schließlich kam Barney bereits Ende Mai einmal kraftlos, voller Dreck und mit einem blutigen Hals nach Hause. „Das sah aus, als ob ihn jemand mit einem harten Gegenstand geschlagen hätte“, sagt die geriatrische-psychosoziale Betreuerin in der Oberammergauer Rheuma-Klinik. „Vier Tage ist er unter der Couch gelegen.“ Erst langsam traute er sich wieder heraus. Die Emmerichs wollen jetzt nur noch wissen, was passiert ist.

„Ich bin wie ohnmächtig“, sagt die 50-Jährige. In der Verzweiflung hat sich ihr Partner an die Gemeinde gewandt. Die Reaktion dort: Achselzucken. Bürgermeister Rupert Speer wusste bis gestern nichts von dem ominösen Verschwinden, will aber reagieren – mit einer Online-Meldung und einem Hinweis im nächsten Bürgerblatt, um die Leute zu sensibilisieren. Diese Fälle seien „schon komisch“, sagt er auf Tagblatt-Nachfrage.

Umgehend bei Polizei und Tierheim melden

Auch Anton Rager von der Polizei Murnau, in deren Zuständigkeitsbereich Saulgrub liegt, hört zum ersten Mal davon. Vergleichbares sei ihm in der Umgebung nicht zu Ohren gekommen. Er kennt die Gerüchte um potenzielle Katzenfänger, bewahrheitet habe sich das noch nie, verdeutlicht der Vize-Inspektionsleiter. Er rät den Betroffenen trotzdem – selbst, wenn es keine konkreten Hinweise gibt – solche Begebenheiten umgehend zu melden.

Tessy Lödermann, Chefin des Tierheims Werdenfels in Garmisch-Partenkirchen, ist wie Rager kein Fall bekannt, in dem man einen Katzenfänger dingfest machen konnte. Sie hat bereits abenteuerliche Geschichten erlebt. Zum Beispiel die: Eine Katze tauchte einmal 50 Kilometer entfernt von ihrem Zuhause wieder auf, weil sie unbemerkt in einem Auto mitgefahren ist. Lödermanns dringender Appell: Die Tiere mit Chip markieren und bei ihrem Verschwinden das Tierheim informieren. Denn allein im vergangenen Jahr nahm die Einrichtung 150 Fundkatzen auf, nicht mal die Hälfte war gekennzeichnet. Niemand weiß dann, wem sie gehören. Doch das, was sich in Saulgrub abgespielt hat, findet die Expertin „sehr eigenartig“.

Die Freigängerkatzen einzusperren, würde aber nicht funktionieren. „Die werden zu Nervensägen.“ Doch die Emmerichs wollen die Gefahr nicht eingehen, noch ein Tier zu verlieren. Deshalb muss Shiva weiter in der Wohnung herumtollen.

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