Sind Westrieder Bürger zweiter Klasse?

Murnau - Sind die Einwohner Westrieds Bürger zweiter Klasse? Diesen Eindruck hat nicht nur Stephan Bauermeister, der in dem Murnauer Ortsteil wohnt und Erster Vorsitzender der Gruppierung Mehr Bewegen ist. Grund für seinen Ärger ist, dass in Westried immer noch keine Geschwindigkeitsmessanlagen aufgestellt wurden.

Zum Hintergrund: Im Mai beschloss der Verkehrsausschuss, dass an der Staatsstraße in Westried zwei Messgeräte platziert werden. Der Antrag kam von der Fraktion „Mehr Bewegen“. Anwohner klagen seit Jahren über Raserei in diesem Bereich. Nach dem Beschluss gingen einige Wochen ins Land, doch die Geschwindigkeitsanzeiger sind bis heute noch nicht montiert.

Bauermeister ergriff dann am 19. Juli im Gemeinderat in der Bürgerfragestunde das Wort. Dabei sei „lapidar mitgeteilt“ worden, dass die Anzeiger zwar vorhanden seien, aber aktuell im Markt gebraucht würden. „So setzen sich Verwaltung und Bürgermeister also über die Beschlüsse der eigenen Gremien hinweg“, schimpft Bauermeister. Die Bewohner des Ortsteils Westried kämen sich langsam wie Bürger zweiter Klasse vor. „Denn wenn gemachte Zusagen nicht mehr eingehalten werden, um zu Gunsten der Probleme im Ober-/Untermarkt zu handeln, dann muss es wohl erst Verletzte geben bis endlich Einsicht einkehrt.“ Spätestens seit dem Einzug der Flüchtlinge im ehemaligen CVJM-Heim in Moosrain sei die Lage „brenzlig, denn diese müssen, wenn sie mit dem Rad oder zu Fuß nach Murnau wollen, über die sehr gut befahrene Staatsstraße“. Der Westrieder bittet daher Bürgermeister und Verwaltung dringend, den Beschluss umgehend umzusetzen und die Geschwindigkeitsanzeiger da zu montieren, „wo sie dringend gebraucht werden“. Wenn die Geräte anderswo benötigt werden, müsse die Gemeinde eben zusätzliche anschaffen, sagte Bauermeister dem Tagblatt. „2000 bis 3000 Euro sollten ein Menschenleben schon wert sein.“

Verärgert ist auch Michael Haitel, der schon länger temporeduzierende Maßnahmen in Westried fordert. „Tatsache ist jedenfalls, dass wir hiesigen Bürger zweiter Klasse die Anschaffungen für wessen Vorteil in Murnau auch immer mit unseren Steuern mitbezahlen durften - das Risiko, von rasenden Vollidioten totgefahren zu werden, dürfen wir nach wie vor alleine tragen.“ In einer E-Mail fordert er Beuting, Vizebürgermeisterin Dr. Julia Stewens, sowie Landrat Anton Speer (beide Freie Wähler) auf, die Geschwindigkeitsmessanlage bis zum heutigen Donnerstagabend um 18 Uhr „am eigentlichen Bestimmungsort Murnau-Westried zu installieren und in Betrieb zu nehmen“. Haitel sagt, er habe aufgehört, zu zählen, wie viele LKW- und Busfahrer in Westried durch die 60er Zone rasen, „weil es ihnen zu lästig ist, abzubremsen und wieder zu beschleunigen“.

Florian Krammer, Leiter des Murnauer Ordnungsamts, bestätigt, dass die Messanlagen im Ortszentrum im Einsatz sind. „Wir haben umdisponieren müssen.“ Hintergrund ist der Verkehrsversuch, der gerade im Zusammenhang mit der Einbahnregelung in der Pfarrstraße läuft. Die Anzeiger stehen an der Kuppe der Schloßbergstraße, 30 Meter weiter am Drachennest sowie am Viehmarktplatz und in der Schwaigangerstraße. Krammer betont, dass zwei Geräte nach Ende des Verkehrsversuchs nach Westried kämen. „Wir stehen zu unserer Zusage“, sagt auch Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum). Die Gemeinde wisse um die Situation in Westried. „Das haben wir nicht aus dem Blick verloren.“ Wann die Messanlagen im Murnauer Ortsteil aufgestellt werden, kann er im Moment noch nicht sagen.

Beuting verweist zudem auf die Kommunale Verkehrsüberwachung. Murnau hat kürzlich beschlossen, dem entsprechenden Zweckverband beizutreten. Er könne sich gut vorstellen, hin und wieder an der Staatsstraße in Westried messen zu lassen, sagt der Rathauschef. „Das dürfte das effektivste Mittel sein“, um dem Problem Herr zu werden. (roy)

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