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Analyse fürs Bayerische Fernsehen (v. l.): Skiclub-Chef Klaus Wurmer, Redakteurin Isabella Friedt und Kameramann Stephan Nöbauer. 

Drei Daumen hoch für Abfahrer

Olympia: Mittenwalder Fans zittern um 3 Uhr morgens mit Dreßen

Weder Kälte noch das frühe Aufstehen schrecken echte Fans ab. Zahlreiche Mittenwalder stehen auf, um live das olympische Abfahrts-Rennen von Thomas Dreßen zu verfolgen. Mutter Martina Monath schaut das Rennen zu Hause auf der Couch an. 

Mittenwald – Es ist bitterkalt an diesem Donnerstag, 2 Uhr morgens. Klaus Wurmer hat eingeheizt. Schließlich startet um 3 Uhr Thomas Dreßen in der Olympia-Abfahrt von Pyeongchang. Einige Fans werden dem Mittenwalder und Mitglied des örtlichen Skiclubs live vor der Leinwand zujubeln – und sie sollen’s schön warm haben im „Skiglu“ am Parkplatz des Luttenseeliftes. Auch das Bayerische Fernsehen hat sich bei Liftbetreiber und SC-Vorsitzendem Wurmer angemeldet. Pünktlich sind Kameramann Stephan Nöbauer, Tontechniker Thomas Köhler und Redakteurin Isabelle Friedt da, um die Stimmung einzufangen.

Einige Mitglieder fehlen, sie müssen am nächsten Morgen wegen der Arbeit früh raus. Auch Matthias Herbrechtsmeier junior hat sich entschuldigt – er steht an der koreanischen Abfahrtsstrecke, samt Skiclub-Grußbanner. Kurz vor Rennstart erreicht Wurmer ein Foto via Handy.

„Ganz gemütlich“ zu Hause mit dem Ehemann

In diesem Moment sitzt Martina Monath zu Hause in Mittenwald auf der Couch. „Ganz gemütlich“, sagt Dreßens Mutter. Zwei Wochen lag sie mit Grippe flach. Dass sie aber das Olympia-Rennen ihres Sohnes mitten in der Nacht verpasst und sich stattdessen eine Wiederholung am Morgen anschaut – undenkbar. „So krank kann ich gar nicht sein.“ Ihr Mann Thomas denkt genauso. Auch ihn hat der Infekt niedergestreckt, auch er fiebert um 3 Uhr im Wohnzimmer mit.

Alle drücken die Daumen (v. r.): Martina Nissen-Gaupp, Kathrin und Klaus Wurmer, Marlen und Rainer Hachmeier, Alois Müller, Manfred Bayer und Thomas Köhler.

Der Skiclub-Nachwuchs macht es sich im „Skiglu“ am Boden direkt vor der Großleinwand mit Decken gemütlich. Er wartet auf sein Vorbild. Nach dem ersten Platz in der Olympia-Kombinations-Abfahrt entschied sich der Streif-Sieger Dreßen bei der Spezialabfahrt für Startnummer eins. Hinter und vor der runden Schneebar-Theke werden Daumen gedrückt. Jeder zittert mit.

Spaß - „das ist doch das Wichtigste“

Mutter Monika Monath ist immer nervös, gerade, wenn sie nicht live vor Ort ist. Aber Sorgen, dass etwas passieren könnte, macht sie sich vor dieser Abfahrt keine. Sie hat ein gutes Gefühl. Die obligatorischen Grüße schickte sie bereits ab. Vor jedem Rennen schreibt sie ihrem Sohn. Rechtzeitig, damit er die Nachricht vor der Streckenbesichtigung liest. Allgemeine Dinge stehen drin, sagt sie. Mal, dass sie ihm die Daumen drückt. Mal, dass er es krachen lassen soll. Und immer wünscht sie ihm viel Spaß. „Das ist doch das Wichtigste.“ Dreßens Antwort? Mal ein „Danke, Mama“. Und meistens drei Daumen nach oben.

Der 24-Jährige stürzt sich aus dem Starthaus. Kein Fahrfehler zu erkennen, SCM-Schriftführer Manfred Bayer schaut genau hin – auch er macht keinen aus. Vier andere Rennfahrer aber sind an diesem Tag einfach besser als Dreßen. Rang fünf, „ein Top-Ergebnis“, sagt Bayer und spricht allen aus der Seele. Auch Martina Monath. In diesem Feld aus herausragenden Athleten zu bestehen – und das nach all dem medialen Trubel der vergangenen Wochen – „das ist super“. Zumal ihr der fünfte Platz ohnehin besser gefällt als ein undankbarer vierter. „Und alles andere wäre ein Zuckerl gewesen“, sagt die Mutter.

„Großes Lob - er ist sehr gut gefahren“

Auch Nachwuchs-Skifahrerin Lisa Nissen (16) – sie hat mit Schwester Lena und ihrer Mutter, der Club-Schatzmeisterin, Martina Nissen-Gaupp die Live-Übertragung verfolgt – ist zufrieden. „Und das sollte Thomas auch sein“, findet die Schülerin. Rainer Hachmeier (61), der mit Ehefrau Marlen (63) zum Public Viewing gekommen ist, spricht Thomas Dreßen „großes Lob“ aus. „Er ist sehr gut gefahren.“ Dem schließt sich SCM-Chef Wurmer vor Mikrofon und Kamera des Bayerischen Fernsehens an. „Für seine ersten Olympischen Spiele war das ein perfektes Rennen.“ Und er versichert: „Wir werden unseren Thomas gebührend empfangen und ehren.“ Egal, welchen Platz er bei seinem zweiten Olympia-Auftritt im Super-G am Freitag um 3 Uhr hiesiger Zeit belegt.

Wieder eine Nachtschicht für Dreßen-Fans. Martina Monaths Wecker – selbstverständlich gestellt. Die Nachricht an ihren Sohn – pünktlich verschickt. „Viel Spaß.“ Drei Daumen hoch.

Wolfgang Kunz und Katharina Bromberger

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