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Setzen auf den Hornschlitten: (v. l.) BRK-Einsatzleiter Benedikt Oswald, Fabian Fölmer, Benedikt Saller, stellvertretende Bereitschaftsleiterin Erika Staab, Andreas Mayr und Stephan Witzke im Kandahar-Zielbereich.

Kraftakt für den Ski-Weltcup

Der Lohn für die Mühe

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Garmisch-Partenkirchen - Spektakuläre Rennen bei schwierigen Bedingungen bekamen die Zuschauer an den Weltcup-Wochenenden zu sehen. Für die Streckerer war’s eine enorme Anstrengung, für die übrigen Kräfte ein eher ruhiger Einsatz. Passiert ist glücklicherweise kaum etwas.

Es war ein Kraftakt, die Weltcup-Rennen auf der Kandahar zu stemmen. Darüber sind sich alle einig, die jetzt tagelang im Einsatz waren. Einigkeit herrscht aber auch darüber, dass sich alle Mühe gelohnt hat und das Miteinander zwischen Organisatoren, Rettern und Streckerern hervorragend war. Der einzige Wermutstropfen, darüber gehen ebenfalls alle Beteiligten konform, war die Absage der Herren-Riesenslaloms, der buchstäblich ins Wasser fiel.

Gegen das Wetter kommen eben auch die Teams auf der Strecke nicht an, die teilweise bereits um 4.30 Uhr mit der Kreuzeckbahn an ihre Positionen gefahren sind. Sonderschichten mussten da die Mitarbeiter der Bayerischen Zugspitzbahn (BZB) genauso schieben. „Und haben’s gerne getan“, versichert Vorstand Matthias Stauch. Logisch, dass seine Mannschaft mit den hunderten Streckeren um Pistenchef Mike Bräu mitfiebert. Den Kampf um den Riesenslalom mussten sie aufgeben, an allen anderen Tagen sorgten sie für gute Bedingungen für die Weltcup-Fahrer.

Fast erstaunlich, dass bei dieser gewaltigen Anstrengung nur zwei Streckerer bei der Bergwacht landeten. Einer am Herren-Wochenende mit einem Schwächeanfall – „kein Wunder bei dem, was die leisten“, sagt Einsatzleiter Thomas Müller. „Aber er hat sich wieder derrappelt.“ Der andere musste im Rahmen der Damenrennen per Hubschrauber ins Klinikum geflogen werden. Mit seiner Rippen-Verletzung „konnte er nicht mehr selber abfahren“, sagt Einsatzleiter Andi Dahlmeier. Ansonsten ist wenig passiert. Zum Glück. „Der schwere Sturz von Corinne Suter beim Super-G hat uns erst einmal alle erschreckt.“ Auch die Schweizerin sei ziemlich geschockt im Netz gelegen – und dann aus eigener Kraft ins Tal gelangt. „Es waren spektakuläre Rennen, bei denen wir wenig zu tun hatten.“

Ähnlich sah’s bei den BRK-Kräften aus, die neben dem Sanitätszelt noch zwei Stationen im Zielbereich betreuten. 25 Hilfeleistungen verzeichnete Einsatzleiter Sandro Leitner in seinem Protokoll. Und die reichten von einem Verdacht auf Herzinfarkt bis zu kleineren Blessuren. Um die Zuschauer sowie die Athleten samt Betreuern schnell zu versorgen, transportieren die Retter ihr Material auf alten Hornschlitten. „Das hat sich bewährt“, sagt Leitner. „Die lassen sich auch bei batzigem Schnee gut ziehen.“

Bewährt haben sich außerdem die intensiven Gespräche im Vorfeld. Deshalb bestätigt auch Thomas Holzer, stellvertretender Leiter der hiesigen Polizeiinspektion, „dass die Zusammenarbeit mit allen Sicherheitsorganen super geklappt hat. Eingreifen brauchten die Beamten aber nur selten. Etwa bei den Zuschauern, die am Bahndamm standen, um mehr zu sehen. Oder bei dem Hundebesitzer, der erst einmal nicht einsehen wollte, dass sein Vierbeiner nicht in die Arena darf. „Da mussten wir Überzeugungsarbeit leisten.“ Ein entschiedenes Einschreiten war nur am Samstagabend bei der Damen-Siegerehrung vor der Spielbank gefordert. Zwei Österreicher hatten inmitten von etwa 800 Menschen Notsignal-Handfackeln gezündet. „Die werden extrem heiß, die Verbrennungsgefahr ist enorm“, sagt Holzer. Polizei und Feuerwehr lösten das Problem sehr schnell, die beiden Weltcup-Fans erwartet allerdings eine Anzeige wegen des Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz.

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