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März 2010: Die Skirennläufer fahren beim Weltcup-Finale – wie in den Vorjahren – auch über das strittige Grundstück kurz vor dem Ziel.

Ski-WM 2011: Streit gefährdet Austragung der Rennen

Garmisch-Partenkirchen - Nur noch 69 Tage bis zur Eröffnung der Ski-WM in Garmisch-Partenkirchen. Und damit auch nur noch 69 Tage, um eine Lösung in einem heiklen Grundstücksstreit zu finden.

Ein Eigentümer im Zielbereich der Kandahar-Abfahrt soll sich bisher weigern, seine Flächen zur Verfügung zu stellen. Es ist von Enteignung durch die Gemeinde und von Erpressung durch den Besitzer die Rede.

Die Verantwortlichen des WM-Organisationskomitees um Geschäftsführer Peter Fischer verhandelten das ganze Jahr mit dem Grundbesitzer. Seine Fläche soll dem Vernehmen nach 20 Meter lang und 40 Meter breit sein und direkt vor dem geplanten Ziel liegen.

Nun scheint der Streit eskaliert zu sein. Als das WM-OK nicht mehr weiterkam, hat sich die Gemeinde dessen angenommen. „Es waren immer weitere Forderungen erhoben worden“, erklärte der Anwalt des Rathauses, Alexander Jaud, im Bayerischen Fernsehen. „Zum Schluss dann, als man eigentlich schon alles erreicht hat, hat man noch einen draufgesetzt.“ Der Markt sollte gezwungen werden, „als Baugenehmigungsbehörde rechtswidrige Baugenehmigungen“ zu erteilen. „Da ist dann ein Punkt erreicht worden, wo sich eine Marktgemeinde einfach nicht mehr erpressen lassen kann.“

Florian Nöbauer, Pressesprecher der Marktgemeinde, wollte sich am Abend nicht zu dem Fall äußern: Es handle sich um ein laufendes Verfahren. „Wir sind nach wie vor zuversichtlich, dass wir eine Lösung finden“, sagte er. Ziel der Gemeinde sei, die Kandahar-Abfahrt für Rennen und für den touristischen Skilauf zu nutzen.

Rechtsanwalt Jaud soll nach Informationen des Garmisch-Partenkirchner Tagblatts offenbar den gegnerischen Vertreter darauf hingewiesen haben, wie ernst es der Kommune ist. Dabei soll er eine sogenannte förmliche Enteignung nach Artikel 35 des Bayerischen Naturschutzgesetzes angedroht haben.

Dieser sieht die Möglichkeit vor, dass Kommunen einen Grundstücksbesitzer im öffentlichen Interesse zeitlich begrenzt enteignen können: „zur Schaffung oder Änderung freier Zugänge zu (...) Ski- und Rodelabfahrten (...).“ Der Betroffene verliert dadurch nicht sein Eigentum am Grundstück.

„Wenn wir das Grundstück nicht bekommen, dann wird der Internationale Skiverband die Strecke nicht abnehmen“, erklärt Chefrennleiter Heinz Mohr. „Dann können keine Rennen stattfinden.“

Mit Nachdruck tritt Rathaus-Sprecher Nöbauer dem Vorwurf entgegen, der Markt wolle dem Besitzer sein Hab und Gut wegnehmen. „Es wird vor der Ski-WM keine Enteignung geben“, beteuert er. Die im Raum stehende förmliche Enteignung ist juristisch anders zu betrachten als es der allgemeine Sprachgebrauch nahelegt.

Eben eine Enteignung für die Olympischen Winterspiele 2018 fürchten viele Grundbesitzer, die ein Anwalt vertritt. Gegner der Bewerbung warnen lange vor diesem Schritt. Bei einem Gespräch des Anwalts und seinen Mandanten mit Staatskanzleichef Siegfried Schneider (CSU) am Freitagabend im Gasthof Zum Lamm war es gar zum Eklat gekommen: Nach Informationen des Münchner Merkur verglich ein Vertreter der Eigentümer die Flächensuche der Olympia-Befürworter mit den mehrfachen Enteignungen während der Nazi-Diktatur. Schneider wies das vehement zurück.

Alexander Schwer und Matthias Holzapfel

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