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Großer Jubel 2006 in Villamoura: (v. l.) Rosi Mittermaier, Bürgermeister Thomas Schmid, Karin Stoiber, Edmund Stoiber, Alfons Hörmann und Christian Neureuther feiern den Sieg der Bewerbung für die WM 2011.

Fischers Ausstieg in 2018 spielt eine Rolle

Keine Bewerbung für Ski-WM 2023

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Garmisch-Partenkirchen - Die Entscheidung ist gefallen: Es wird keine Bewerbung für die Ski-WM 2023 geben. SC Garmisch und Deutscher Skiverband haben beschlossen, ihren Hut nicht in den Ring zu werfen.

Dieses Ergebnis hat sich in den vergangenen Wochen abgezeichnet. Wer es verstand, auf Zwischentöne zu achten, der bemerkte, wie viele Gesprächspartner, die mit dem Thema zu tun hatten, sich um klare Aussagen drückten und/oder verschwurbelt antworteten. Jetzt ist klar, warum, wieso und weshalb. Die Bewerbung um die alpine Ski-Weltmeisterschaften 2023, mit der man sich beim Skiclub Garmisch, bei der Marktgemeinde und dem Deutschen Skiverband (DSV) in den zurückliegenden Monaten mal mehr und auch mal weniger beschäftigt hatten, ist gestorben. Das Ende dieses Prozesses teilte Garmisch-Partenkirchens Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) den Gemeinderäten am Dienstag nach den Haushaltsberatungen mit. Hinfällig ist damit auch die Klausur des Gemeinderats im April, während der sich die Kommunalpolitiker intensiv mit einer erneuten Bewerbung auseinandersetzen wollten. „Die braucht’s natürlich nicht mehr“, sagt Meierhofer.

Die Möglichkeit, dass Garmisch-Partenkirchen irgendwann in den 2020-Jahren noch einmal seinen Hut in den Ring werfen wird, um zum dritten Mal nach 1978 und 2011 eine Ski-Weltmeisterschaft auszurichten, bleibt von dieser Entscheidung, die SCG-Vorsitzender Peter Fischer in Absprache mit dem DSV getroffen hat, unbenommen. „Wir haben nur die 2023-Bewerbung gecancelt“, sagt Fischer. „Darauf lege ich Wert. Das bedeutet kein generelles Aus von zukünftigen Weltmeisterschaften in Garmisch-Partenkirchen.“ Die Marktgemeinde sei für den Deutschen Ski-Verband weiterhin erste Wahl.

Ski-WM 2023: Deshalb gibt es keine Bewerbung

Was Fischer sagt, steht so auch in der offiziellen Erklärung, die er per E-Mail an die Rathaus-Chefin geschickt hat. Die darin enthaltene Argumentationskette mag zwar schlüssig sein, wirkt allerdings dünn und aufgesetzt. Eine Bewerbung mache derzeit wenig Sinn, heißt es, da an einem Gesamtkonzept für Skisportveranstaltungen in Garmisch-Partenkirchen gearbeitet werde. Es müsse ein zukunftweisendes Papier erstellt werden, das die Grundlage für eine Bewerbung bilde.

So weit, so gut. Die wahren Gründe sind natürlich andere:

Der DSV bewirbt sich mit Oberstdorf im Juni beim Kongress des Internationalen Skiverbands (FIS) in Cancun (Mexiko) für die nordischen Welt-Titelkämpfe 2021. Es ist der fünfte Anlauf, den die Gemeinde aus dem Allgäu nimmt. Diesmal wird’s klappen – schon allein wegen des Mitleidsfaktors. Dass Deutschland zwei Jahre späten den Zuschlag für eine alpine WM erhält – so gut wie ausgeschlossen. Das weiß auch Fischer, der bestens vernetzt ist und der sehr gute Kontakte zu FIS-Generalsekretärin Sarah Lewis und Präsident Gian Franco Kasper pflegt. „Das wird nicht passieren.“

Faktor Wetter spielt eine Rolle

Dass Fischers seinen Vertrag als Geschäftsführer des Weltcup-Organisationskomitees nur bis Ende Dezember 2018 verlängert hat und danach ausscheidet, spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Der Macher der WM 2011 will seinen Nachfolgern kein Erbe hinterlassen, das sich mehr als Last, weniger als Lust erweisen könnte.

Nicht unterschätzt werden darf der Faktor Wetter. Der Klimawandel ist unübersehbar. Winter wie der jetzige werden häufiger, Schnee bis in die Tallagen seltener. Die Zeichen der Zeit haben Fischer ins Grübeln gebracht. Die Zukunft der alpinen Wettbewerbe sieht er skeptisch. „Wir dürfen die Augen nicht vor der Realität verschließen.“

Das tut auch Meierhofer nicht. Sie will mögliche Bewerbungen für Ski-Weltmeisterschaften ab 2025, „wenn diese noch in meine Amtszeit fallen, genau prüfen. Es müssen alle Daten auf den Tisch.“

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