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120 Profiläufer und 380 Hobbysportler nahmen am 1. Kaiser-Maximilian-Lauf in Seefeld teil.

Hickhack um populären Volkslauf

König-Ludwig-Lauf: Oberammergau sauer auf Seefeld

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Oberammergau/Seefeld - Um den traditionellen König-Ludwig-Lauf in Oberammergau, der heuer mangels Schnee abgesagt wurde, ist nun ein Zwist zwischen Bayern und Tirol entbrannt.

Als ob sich bei den Verantwortlichen des König-Ludwigs-Laufs in Oberammergau nach der wetterbedingten Absage nicht schon genug Frust angestaut gehabt hätte: Nun gibt’s auch noch Ärger mit den Tiroler Nachbarn. Über Facebook, mediale Veröffentlichungen und Anrufe erfuhr das OK am vergangenen Wochenende von einer kurzfristig eingeschobenen Langlaufveranstaltung im benachbarten Seefeld, die exakt am gleichen Wochenende wie der (ausgefallene) Ludwigslauf angesetzt war.

Dafür warb die Olympiaregion Seefeld mit markigen Ankündigungen: „ . . . springt Seefeld spontan als schneesicherer Veranstaltungsort ein und rettet somit den 44. König-Ludwig-Lauf“; oder: „ . . . wurde der 44. König-Ludwig-Lauf am 7. Februar 2016 aufgrund unsicherer Wetterverhältnisse und Schneemangels nicht wie geplant in Oberammergau, sondern in Seefeld als Kaiser Maximilian Lauf durchgeführt.“ Wer dies las, musste annehmen, dass Seefeld nun das Langlaufspektakel anstelle von Oberammergau austragen würde.

Im König-Ludwig-Lauf-Büro fiel man „aus allen Wolken“, als man davon erfuhr. OK-Chef Hans Reicherl: „Mit uns hat keiner aus Seefeld gesprochen, sowas geht doch nicht.“ Unverzüglich nach Bekanntwerden dieses „Premierenevents“, so die Tiroler in einer Pressemitteilung, veröffentlichte Oberammergau auf Facebook ein klares Dementi: „Wir möchten unsere Läufer darauf hinweisen, dass die in Seefeld stattfindende Skilanglaufveranstaltung KEIN Teil der Worldloppetserie ist und auch kein Ersatz für den König Ludwig Lauf.“ Am Montag dann folgte eine weitere Klarstellung: „ . . . legen wir als Veranstalter großen Wert darauf, dass die Veranstaltung in Seefeld kein Wertungsrennen des Worldloppets sowie der FIS war und in keinem Zusammenhang mit dem ausgefallenen König Ludwig Lauf stand. Der ,echte’ König Ludwig Lauf wird auch weiterhin ausschließlich am ersten Februar-Wochenende ausgetragen.“ Marc Schauberger, Zweiter Vorsitzender des KLL-Vereins, zeigt sich leicht befremdet vom Vorgehen der Seefelder: „Das Ganze hat schon einen faden Beigeschmack, vor allem, weil wir vor vollendete Tatsachen gestellt wurden.“ Man könne niemandem verbieten, so etwas zu machen, doch hier unseren Namen so ganz nebenbei mit einzustreuen, ist nicht gerade die feine Art. Ob sich hier jemand mit fremden Federn schmücken wollte?

Ersatzrennen in Blitztempoaus dem Boden gestampft

Tatsächlich war es ein gewaltiger Kraftakt, in so kurzer Zeit solch’ einen Wettbewerb aus dem Boden zu stampfen. Am vergangenen Dienstag erfolgte die Zusage, am Sonntag fand dann das Rennen statt. Werbung, Name, Logo, Streckenfestlegung, Helfer-Aufruf, Finanzieung – alles wurde in Windeseile umgesetzt. Darauf ist Markus Graf, Tourismusdirektor der Olympiaregion Seefeld, auch ein wenig stolz: „Das war ein Husarenritt, den wir da gemeistert haben“. Den Vorwurf aus Bayern, für das eigene Rennen den Namen König Ludwig Lauf als „Köder“ eingesetzt zu haben, kann Graf nur bedingt nachvollziehen: „Wenn es so den Anschein hatte, war es nicht richtig. Aber wir sind ja bei den Profiläufern tatsächlich für Oberammergau eingesprungen. Es gab nie den Gedanken, den kompletten Volkslauf zu übernehmen.“ Nun haben die Seefelder aufgrund des Erfolgs („Es war das anspruchsvollste Rennen, seit es die Ski Classic Tour gibt, das haben uns die Spitzenläufer bestätigt“) und der „wunderschönen TV-Bilder“ Blut geleckt. Man stehe mit dem Veranstalter dieser Langlaufserie, so Markus Graf, in Verhandlungen für 2017: „Zu einem anderen Termin als in Oberammergau“.

Im übrigen setzt der Tourismuschef auf „den hohen Level unserer anspruchsvollen Streckenführung“. In Oberammergau sei die Strecke dagegen sehr einfach, weil sie fast nur eben dahinführe: „Das ist doch im Fersehen langweilig anzuschauen, wenn die Läufer die ganze Zeit nur im Doppelstock-Einsatz zu sehen sind.“

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