Skisprung-Schanze: Wer hat Schuld an der Preissteigerung?

Garmisch-Partenkirchen - Gleich nach der Veröffentlichung der Abrechnungszahlen hat die Diskussion um die Schuldfrage begonnen. Während die Opposition Bürgermeister Thomas Schmid in der Verantwortung sieht, greift dessen Gemeinderatsfraktion sogar die Rathaus-Verwaltung an.

17,24 statt 9,9 Millionen Euro: Bis die massive Kostensteigerung beim Neubau der Skisprung-Schanze offiziell bestätigt wurde, hat es mehrere Jahre gedauert. Die Schlammschlacht in der Schuldfrage hat gleich gestern begonnen - jenem Tag, an dem die Zahlen im Tagblatt standen. Die Veröffentlichung hat fast alle Fraktionsvorsitzenden des Gemeinderates überrascht. Sie wurden weder über diesen Schritt informiert, noch kannten sie die aktuellen Zahlen. Einzige Ausnahme bildet Dr. Peter Samstag, der das Christlich-Soziale Bündnis (CSB) von Bürgermeister Thomas Schmid vertritt. Als Mitglied des Rechnungsprüfungs-Ausschusses befinde er sich seit der jüngsten Sitzung auf dem neuesten Stand. Er sieht mehrere Gründe für das Millionen-Fiasko.

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Besonders brisant: Samstags Kritik gilt auch den Mitarbeitern der Verwaltung, deren Chef der Bürgermeister ist. „Das Bauamt war überfordert“, behauptet der Fraktionsvorsitzende. Das Projekt sei viel zu groß für die Kapazitäten der Abteilung gewesen. Kein Wunder: Schließlich hätten weder der Leiter Jörg Hahn, noch sein Stellvertreter Markus Gehrle-Neff Erfahrungen mit dem Bau einer Schanze gehabt. Deswegen seien ja die Projektleiter von „Drees & Sommer“ eingeschalten worden.

Für die Leitungsgruppe hat Samstag jedoch kein gutes Wort übrig. Deren Aufgabe sei es eigentlich gewesen, die Kostenexplosion zu vermeiden. Aber genau das Gegenteil sei eingetreten. Von diesem Umstand hätte das Unternehmen profitiert - weil seine Bezahlung prozentual zur Abrechnungssumme steigt. „Dabei hätten sie gar kein Honorar verdient.“

„,Drees & Sommer‘ haben immer korrekt gearbeitet“, lautet dazu die Reaktion von Alfred Heinle, Fraktions-Vize der SPD. Seiner Ansicht nach ist bei diesem Projekt vieles schief gelaufen. „Das Hauptproblem war aber der Zeitdruck.“ Das sieht sein Gemeinderatskollege Ecko Eichler (FDP) genauso. Das Einholen der Angebote und der Baubeginn seien überhastet gewesen. „Deshalb hat keine Kostensicherheit bestanden.“ Dass Arbeiten sogar ohne Genehmigung ausgeführt worden sind, musste Bauamtsmitarbeiter Gehrle-Neff im Oktober 2008 vor dem Gemeinderat zugeben. Ein Vorgehen, dass Streitereien bei der Abrechnung zur Folge hatte. Warum die Verwaltung die Arbeiten trotzdem nicht stoppen ließ, erklärte Gehrle-Neff damals gleich selbst. „Entweder weiterbauen oder Stillstand auf der Baustelle und Neuausschreibung der Arbeiten“ wären die Alternativen gewesen. Letztere hätte jedoch das Aus für das Neujahrsspringen 2008 bedeutet - und das wollte die Marktgemeinde unbedingt vermeiden. Es wurde befürchtet, dass der Internationale Skiverband FIS die Großveranstaltung anderweitig vergibt.

In den Augen von Ecko Eichler wurde dieses Argument aber nur vorgeschoben. Für ihn hat nicht etwa der Druck des Sportverbandes Thomas Schmid so angetrieben. „Das war wohl eher der Wahltermin.“ Zur Erinnerung: Im März 2008 standen die Kommunalwahlen an. Die Tatsache, dass ausgerechnet Schmids Fraktion Kritik an der Verwaltung übt, kann Dritter Bürgermeister Hannes Krätz (Freie Wähler) nicht so recht nachvollziehen. Er verweist auf den Abschlussbericht des Kommunalen Prüfungsverbandes, der im Herbst dem Gemeinderat vorgestellt werden soll. Krätz erwartet Aufschluss darüber, welche Verantwortung die einzelnen Akteure tragen.

Für Andreas Grasegger von der Bayernpartei ist der gesamte Prozess sowieso nicht nachvollziehbar. Jeder private Unternehmer müsse sich an die eigenen Angebote halten. „Da kann ich nicht einfach sagen, jetzt kostet es doppelt so viel.“

Dass die Kosten um mindestens 70 Prozent steigen könnten, hat der Rathaus-Chef schon im Oktober 2008 gewusst. „Davor haben ,Drees & Sommer‘ immer gewarnt“, sagt CSU-Fraktionschefin Elisabeth Koch. Für sie ist es ein Unding, dass nun die Projektleiter und Bauamtsmitarbeiter derart angegangen werden. „Der Bürgermeister trägt die Verantwortung und sonst keiner.“ Deshalb sollten die Garmisch-Partenkirchner mal darüber nachdenken, wie Schmid mit Wahrheiten umgehe.

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