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Skitouren: Behörde regelt Pistensperrungen

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Ein Skitourengeher im Berchtesgadener Land (Symbolfoto). © dpa

Garmisch-Partenkirchen - Wichtige Weichenstellungen: Nach einem Bescheid des Landratsamtes Garmisch-Partenkirchen spüren die Skitourensportler Rückenwind im langen Streit um eine zweite Aufstiegsspur. Zudem verhandelt das Verwaltungsgericht heute (Donnerstag) über die Pistensperrungen.

Das kleine Wort „aber“. Es macht in einer Diskussion oft den großen Unterschied aus. In einem Nebensatz eingebaut, kann es alle Argumente relativieren und in ein neues Licht rücken. Wie im Streit um eine zweite Aufstiegsspur im Skigebiet Garmisch Classic. Die Sperrung der Abfahrten durch die Bayerische Zugspitzbahn (BZB) für Tourengeher sei zulässig, befindet das Landratsamt Garmisch-Partenkirchen in einem jetzt erlassenen Bescheid. Aber – und das ist entscheidend – die Olympia-Abfahrt bilde eine Ausnahme. Und damit jene Abfahrt, die der Verein der Skitourensportler seit mehr als zwei Jahren als zusätzliche Aufstiegsroute ab der Kreuzeck-Talstation fordert. Erstmals spricht sich die Behörde für diese Alternative aus.

Der siebenseitige Bescheid soll regeln, ob und unter welchen Umständen Pistensperrungen durch die BZB nach dem Naturschutzgesetz rechtens sind. Für Robert Herz kommt das Papier zu einem guten Zeitpunkt. Er gibt dem streitbaren Vorsitzenden und den Vereinsmitgliedern Rückenwind für die Verhandlung am Donnerstag vor dem Bayerischen Verwaltungsgericht in München. Dort wird ab 10.45 Uhr über eine Klage entschieden, die die Skitourensportler gegen die Gemeinde eingereicht haben: Sie gehen damit gegen die Anordnung vor, die den Sperrungen im Classic-Gebiet – ausgenommen sind die Aufstiegsspur am Hausberg und die Olympia-Abfahrt bis 11 Uhr – eine rechtliche Grundlage gibt.

Auch präparierte Pisten Teil der freien Natur, ABER...

Doch auch gegen das Landratsamt läuft eine Klage. Herz & Co. fordern ein Grundsatzurteil: Die Behörde soll die Sperrungen generell für unzulässig erklären. Im Bescheid sieht Herz nun „einen erheblichen Schritt in Richtung Aufstiegsspur vom Kreuzeck aus“. Also in Richtung Ziel. Die Sperrung der Olympia sei wohl nicht zu halten. Begeisterung klingt dennoch anders – Herz ist der Bescheid nicht konkret genug. Das Problem sind für ihn die vielen weiteren „Abers“, die klare Aussagen relativieren. So sieht das Landratsamt beispielsweise – ganz im Sinne der Tourengeher – auch präparierte Skipisten als Teil der freien Natur und widerspricht damit der Rechtsauffassung der BZB, die Pisten als Sportstätten deklariert und das Hausrecht in Anspruch nimmt. Zugleich schränkt die Behörde die Freiheit ein. In den „Richtlinien für die Beurteilung der Zulässigkeit von Sperren“ heißt es im Bescheid: Auf blau gekennzeichneten, leichten Abfahrten dürfe der Aufstieg während des Skibetriebs in der Regel nicht verboten werden – es sei denn, es bestehe eine Aufstiegsmöglichkeit. Wie am Hausberg der Fall. Weitere Sperrungen sind dort also zulässig. Schwarze Pisten dagegen könnten für Skitourengeher „ohne nähere Einzelfallbetrachtung in der Regel gesperrt werden“. Die Kandahar als Aufstiegsspur vom Kreuzeck-Parkplatz aus fällt also aus. Bleibt die Olympia. Rote Pisten wie diese bedürfen laut Landratsamt einer genauen Betrachtung hinsichtlich der Gefahrenlage.

Pistensperrungen bleiben vorerst bestehen

Eine solche hat die Behörde bereits im März 2012 vorgenommen. Zwei Gefahrenstellen haben die Mitarbeiter auf Tourenski ausgemacht: an einer engen Passage unterhalb des Baderstadels und an einer Steilstufe oberhalb des Kandahar-Expresses. Die BZB muss sich gemäß Bescheid nun „ernsthaft bemühen“, mit Grundstückseigentümern eine Vereinbarung zu treffen, damit die riskanten Stellen umgangen werden können. Dieses Bemühen ist in den kommenden sechs Monaten „schlüssig nachzuweisen“.

Dieser Punkt stört Herz besonders. „Das ist nicht Fisch und nicht Fleisch. Die Auflage ist ganz nett, aber ,ernsthaftes Bemühen‘ bedeutet nicht, dass die BZB etwas tun muss.“ Gespräche zumindest wird sie führen. Der kaufmännische Vorstand Matthias Stauch will den Kontakt zu den Grundstückseigentümern – ihm zufolge vor allem Privatpersonen – suchen. Eine Einigung hält er für unwahrscheinlich.

An seiner Tiefen-Entspannung, die er im Skitouren-Streit stets an den Tag legt, hat das Schreiben aus dem Landratsamt nichts geändert. Er konzentriert sich auf die positiven Dinge im Bescheid. Dazu gehört: Das Landratsamt erlässt keine Beseitigungsanordnung. Die Pistensperrungen bleiben erst einmal bestehen. Ohne Wenn und Aber.

Katharina Bromberger

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