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Neue Heimat für Menschen mit schmalem Geldbeutel - die grünen Häuser am Rainenbichl in Oberammergau.

91 neue Wohnungen in Oberammergau

Des Grafen neue Häuser am Rainenbichl

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Oberammergau - Ein Vorzeigeprojekt des Sozialen Wohnungsbaus ist in der Siedlung am Rainenbichl in Oberammergau verwirklicht worden.

Es war ja abzusehen, dass die gewöhnungsbedürftige Optik schnell für entsprechende Spitznamen sorgen würde: „Froschhausen“ (wegen der grünen Farbe) oder „Vogelheislsiedlung“ (Vielzahl an Balkonen) nennen manche Ammergauer das neu entstandene Wohngebiet am Rainenbichl. „Das Gerede macht mir nichts aus, ich wohne sehr gern hier“, erzählt eine ältere Mieterin, die „das Glück hatte“, eine Wohnung zu ergattern: „Die anderen Wohnungen im Ort, die frei sind, kann ich nicht bezahlen.“ Auch Bürgermeister Arno Nunn hat eine Bezeichnung für das neu entstandene Viertel parat: „Ein Geschenk ist das für Oberammergau, ein wahrer Glücksfall“.

Nach fünfjähriger Bauzeit in zwei Abschnitten ist jetzt die Neubausiedlung am südlichen Ortsrand zwischen Ettaler Straße und Rainenbichl fertiggestellt und mit einem Einweihungsfest offiziell seiner Bestimmung übergeben worden. Insgesamt 91 Zwei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen haben Bauherr Florian Graf von Deym – dessen Großvater einst in den 1960-er Jahren hier schon Siedlungshäuser gebaut hatte – und Projektleiter Hubertus von Ramin geschaffen. Und ein Modellprojekt im Rahmen des geförderten Sozialen Wohnungsbaus verwirklicht – unter dem Titel „Wohnen in allen Lebensphasen“. Graf von Deym in seiner sympatischen Art: „Wir können auf ein gelungenes Werk blicken. Und schön ist, dass alle Einheiten belegt sind.“

Gesamtkosten von 17 Millionen Euro

Dabei ist dem Grafen und seinem Partner von Ramin das Projekt ganz schön teuer gekommen: Bei Baubeginn lag die Kostenschätzung bei neun Millionen Euro, am Ende sind es knapp 17 geworden. Für zwölf Millionen Euro gab der Freistaat ein zinsgünstiges Förderdarlehen. Dafür wurde preisgünstiger Wohnraum geschaffen, pro Quadratmeter liegen die Mieten zwischen 4,25 und 6,25 Euro. Eine der neuen Mieterinnen ist Anja Haublitz, die vor einem Jahr aus Bad Tölz hierher gezogen ist: „Ich zahle für meine Zwei-Zimmer-Wohnung mit 55 Quadratmetern 390 Euro warm. In Tölz hatte ich eine kleinere Wohnung und eine höhere Miete.“

Seinen Anfang nahm das Projekt, das auf ein Miteinander von Alt und Jung ausgerichtet ist, im Jahr 2007. Unter 27 eingereichten Entwürfen gewann das Münchner Büro Breining-Buchmaier den Architektenwettbewerb und erstellte im engen Zusammenwirken mit der Gemeinde (Johannes Lang, Andreas Eitzenberger, Leonhard Trainer), dem Landratsamt und der Obersten Baubehörde die Planung der barrierefreien Anlage. Dabei fiel auch die Entscheidung für eine grüne Fassade mit Holzschalung. Dazu Architekt Peter Breining: „Wir finden es eine gelungene Kombination, und auch den meisten Mietern gefällt es wohl so.“

Beim Einweihungsfest am Freitag betonte Bauherr Graf von Deym, dass es wohl ohne Förderung nicht möglich gewesen wäre, so ein Vorhaben zu verwirklichen. Den Mietern gab er mit auf den Weg, die neuen Möglichkeiten zu nutzen. Als eine „Siedlungsanlage mit Vorzeigecharakter“ würdigte Gerhard Haslbeck von der Obersten Baubehörde das Projekt in Oberammergau: „Diese Form des Zusammenlebens ist ein absolutes Zukunftsmodell für die künftige Gesellschaft. Der Begriff Nachbarschaft erhält wieder eine ganz neue Qualität.“ Haslbeck lobte das große Fingerspitzengefühl und hohe Engagement des Grafen, denn dass ein privater Bauherr in den sozialen Wohnungsbau investiere, sei nicht alltäglich. Wörtlich sagte der Regierungsbeamte: „Oberammergau ist jetzt um ein attraktives Wohnviertel reicher“. Nachdem Bürgermeister Arno Nunn als Geschenk von der Gemeinde zwei Obstbäume versprach, segneten Diakon Gerhard Titze und sein evangelischer Kollege Pfarrer Peter Sachi die Siedlung. Dann sorgte Zauberer Vlado mit seinen Künsten noch für allseits großes Staunen und einen spannenden Ausklang des Einweihungsfestes.

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