+
Zum Auftakt der König-Ludwig-Nacht nimmt die Ettaler Blasmusik die vielen Besucher auf eine musikalische Reise Richtung Osten mit.

Romantische Stimmung mit 1845 Kerzen und Feuerschalen

Ein Spätsommer-Märchen

Linderhof - Geburtstagsfeierlichkeiten der besonderen Art: Die König-Ludwig-Nacht verzaubert 1500 Besucher - mit Romantik, Kultur und Einblicken in das Leben des Kini.

Er liebte die Stille, die Einsamkeit und in den Biographien wird er auch als sehr menschenscheu beschrieben. Wenn es denn Ludwig II. hätte noch selbst erleben dürfen, wäre er wohl geflüchtet bei den Feierlichkeiten zum 170. Geburtstag ihm zu Ehren am Dienstagabend in Schloss Linderhof – in die einsame Bergwelt des Schachen-Schlosses oder auf eine seiner vielen Ausfahrten in der königlichen Kutsche. Doch der gewaltige Zuspruch, von Einheimischen gleichermaßen wie von Königstreuen bis von München und Augsburg und auch vielen Urlaubern, mag belegen, wie sehr die Menschen nachwievor das Erbe, das der Märchenkönig hinterlassen hat, schätzen und lieben.

Zu der Veranstaltung, die fast schon Event-Charakter hatte, strömten gut 1500 Besucher, darunter auch Landrat Anton Speer. Minister Söder hatte wegen eines anderen Termins abgesagt. Sie verteilten sich alsbald über den Schlosspark und das Areal um das Schloss. 1845 Lichter und Feuerschalen (in Anlehnung an das Geburtsjahr des Königs), die von den Mitarbeitern der Schlossverwaltung in einer wahren Sisyphos-Arbeit aufgestellt worden waren, sorgten für eine zauberhafte, romantische Stimmung, die das Herz anrührte.

Bereits am Nachmittag begann das Kinderprogramm mit „Märchen aus 1001 Nacht“, ehe am Abend die Ettaler Blasmusik – quasi ein Heimspiel – unter der Leitung von Timo Lamprecht mit ihrer „Musik für königliche Träume“ zum Motto der Geburtstagsfeier „Orient in Linderhof“ überleitete.

Hunderte von Gästen am Vorplatz und nochmal so viele entlang des Wasserparterres und auf den Treppen der Terrassengärten zum Venustempel hin lauschten der musikalischen Darbietung, die mit „Also sprach Zarathustra“ von Richard Strauss begann und mit der Bayernhymne endete. Die Kapelle bewies Fleiß und großen Einsatz, doch sollte von den Organisatoren überdacht werden, nächstes Mal vielleicht ein voluminöseres Orchester von klassischem Format aufzubieten.

Auf jeden Fall freute sich Angela Finley, die vom Schloss-Balkon aus durch das Konzert führte, „dass wir heute endlich mal mit einer Tradition gebrochen haben, „weil es nämlich im Gegensatz zu den Vorjahren diesmal nicht regnet“. Nach dem Konzertende strömten die Besucher in verschiedene Richtungen auseinander, um Lesungen und Vorträgen im Maurischen Kiosk bzw. im Marokkanischen Haus Gehör zu schenken, Themenführungen in den Garten-Parterres zu folgen oder nächtlichen Schlossführungen beizuwohnen.

Leider kamen etliche Besucher aufgrund des Andrangs manchmal nicht in den Genuss des Aktivitäten, wobei Security-Leute an den Eingängen hier doch eher als störende Elemente empfunden wurden. Freiwillige in einheitlicher Kleidung, wie etwa Studenten oder Rentner, würden sicher denselben Effekt erzielen. Insgesamt genossen die vielen Gäste diesen Abend ausgiebig und in vollen Zügen. Sie waren begeistert von der Stimmung, vom Ambiente, manche gerieten regelrecht ins Schwärmen, wie eine Frau aus Landsberg: „Ich habe es keine Sekunde bereut, dass ich hierher gekommen bin. Das ist einmalig und einfach nur wunderschön.“

Und es hätte nicht überrascht, wenn der König höchstpersönlich im Schloss kurz hinter einem Vorhang eines schummrig beleuchteten Fensters hervorgetreten wäre, um seine Botschaft auszusenden: „Schaut her, ich bin doch geblieben, weil Ihr alle gekommen seid, mich zu besuchen." Träumen muss erlaubt sein, gerade an so einem Ort wie in Linderhof!

Die Bilder zur König-Ludwig-Nacht 2015:

König-Ludwig-Nacht in Linderhof: Die Bilder

Ludwig Hutter

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Baubeginn 2020: Garmisch-Partenkirchen reagiert auf Wohnungsnot
Bezahlbarer Wohnraum ist in Deutschland knapp. In vielen Städten und Gemeinden herrscht echte Wohnungsnot – auch in Garmisch-Partenkirchen. Das will der Markt ändern. …
Baubeginn 2020: Garmisch-Partenkirchen reagiert auf Wohnungsnot
StoV-Gelände Mittenwald: Nichts Neues aus Bonn
Das ehemalige Gelände der Standortverwaltung liegt weiter brach. DieGemeinde Mittenwald, die eine Erstzugriffsoption besitzt, drängt die zuständige Bundesanstalt für …
StoV-Gelände Mittenwald: Nichts Neues aus Bonn
Uralte Tradition: Wenn die Glocken fliegen, wird in Garmisch geratscht
Sie wird heuer 100 Jahre alt, ist aber immer noch aktiv im Einsatz: Die Ratsche aus dem Hause Ostler rattert am Karfreitag ab 6 Uhr im Ortsteil Garmisch. Hinter dem …
Uralte Tradition: Wenn die Glocken fliegen, wird in Garmisch geratscht
Grainau wird vom Verkehr überrollt: CSU plant Aktion - und wählt bewusst eine spezielle Zeit
Er ist und bleibt das größte Problem in Grainau: der Verkehr in der Loisach- und Eibseestraße. Um das Ausmaß der rollendenKolonnen deutlich zu machen, wird eine Aktion …
Grainau wird vom Verkehr überrollt: CSU plant Aktion - und wählt bewusst eine spezielle Zeit

Kommentare