Die „Post“ anno dazumal: Mit dem geplanten Umbau soll das Traditionshotel an die Zeit vor hundert Jahren erinnern. Foto: fkn

Spagat zwischen Tradition und Moderne

Wallgau - Das traditionsreiche Posthotel macht den Anfang: Im Zuge der Dorferneuerung will die Familie Neuner die Fassade und den Wirtsgarten ihres Hauses wieder in den Urzustand versetzen.

Vor 392 Jahren - während des Dreißigjährigen Krieges anno 1621 - beginnt die Geschichte eines der geschichtsträchtigsten Anwesen Wallgaus: des Posthotels. Seinerzeit hieß es noch Gasthof „Zum alten Wirt“. Bis 1912 diente das markante Haus der Familie Neuner am Dorfplatz als Posthalterei. Viele Reisende suchten dort im lauschigen Wirtsgarten Erfrischung und Erholung.

Der heutige Hotelchef Bernhard Neuner junior will dieses Ambiente wieder aufleben lassen. Der „Posthalter“ wagt den Spagat zwischen Tradition und Moderne. Er will den 1975 mit einer Terrasse überbauten Wirtsgarten und die Hotelfassade wieder in den ursprünglichen Zustand zurückversetzen. Doch der Blick Neuners, der 2009 das Posthotel von seinem Vater Bernhard übernommen hat, geht auch in die Zukunft. „Ich habe die Vision, das Anwesen auf den Standard des 21. Jahrhunderts zu bringen.“

Die Modernisierung der Küche ist abgeschlossen, die Zimmer und teilweise die Bäder sind bereits renoviert. Um Platz für den neuen Wirtsgarten mit Holzboden und massiven Tischen und Bänken zu schaffen, wurde der „Salettl“ genannte Anbau abgerissen. „Der stammt aus dem Jahre 1975. Damals wirkten sich eine Einfachverglasung und Dachisolierung wegen der geringen Ölkosten noch nicht so gravierend aus“, erklärt Neuner, „wir haben quasi den ganzen Dorfplatz mitgeheizt.“ Weiterer positiver Aspekt: „Durch den Abriss erhält jetzt auch der große Postsaal wieder genügend Licht.“

Da das Haupt- und Nebengebäude des Posthotels unter Denkmalschutz stehen, sieht Neuner die Umgestaltung des Gartens als Freilegung eines Denkmals: „Denn wir werden auch die Fassade und die darauf durch den bisherigen Anbau verdeckten Lüftlmalereien wieder so herstellen wie anno dazumal.“

Zur weiteren Absprache haben sich für morgigen Dienstag Vertreter der Denkmalschutz-Behörde angesagt. Nicht ganz ohne Stolz betont Neuner junior: „Ich bin der erste Privatmann, der sich in das Projekt Dorferneuerung eingeklinkt und somit ein Zeichen gesetzt hat.“ Alles gehe Hand in Hand mit dem federführenden Amt für ländliche Entwicklung (ALE). Der zuständige Baudirektor Rudolf Meinl hat laut dem „Posthalter“ die kosmetische Operation bereits als Förderprojekt eingestuft.

Darüber freut sich auch Bürgermeister Hansjörg Zahler (CSU). „Im Rahmen der Dorferneuerung gibt es auf Antrag auch Zuschüsse für Privatleute“, unterstreicht der Rathauschef, „derzeit können Fördermittel bis knapp unter einer Million Euro beantragt werden.“ Eine ordentliche Summe, findet der Rathauschef. „Dies zeigt, welches Potenzial in dem Projekt Dorferneuerung steckt.“

Und vielleicht hat die „Post“-Offensive ja auch Signalwirkung auf den benachbarten „Kirchenböbl“ und den Dorfplatz. Denn das Herz Wallgaus wartet schon viel zu lange auf eine Wiederbelebung.

ku

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