Zum siebten Mal ein Publikumsmagnet: An beiden Festivaltagen fanden sich rund 300 Gäste im Westtor ein. Fotos: Wilz

Spannende Einblicke, tiefsinnige Geschichten

Riedhausen - Wie ein eisernes Ungetüm bahnt sich der Zug seinen Weg. Das ohrenbetäubende Ächzen der Gleise nimmt den ganzen Raum ein - und raubt den Zuschauern in der Riedhauser Westtorhalle schier den Atem. Diese Szene ist Teil der Dokumentation „La Bestia“, die bei der siebten Auflage des Kurzfilmfestivals „Über Kurz oder Lang“ Deutschlandpremiere feierte.

In dem Streifen gewährten die beiden Regisseure und Münchner Filmhochschulstudenten Konstantin Steinbichler und Gisela Carbajal Rodriguez Einblicke in das Leben sechs verschiedener Flüchtlinge, die von Zentralamerika aus ganz Mexiko per Güterzug durchqueren. Familie, Heimat und Freunde haben sie verlassen, um in die USA zu gelangen. In eindrucksvollen Bildern wurde diese gefahrvolle Reise erstmals öffentlich auf Leinwand gezeigt.

Zu diesem Anlass waren die zwei Regisseure vor Ort, um über den Film zu sprechen, der reichlich Applaus erntete. „Unsere Intention ist es, das Individuum zu zeigen“, sagte Carbajal Rodriguez, die selbst mexikanische Wurzeln hat. Dabei sollten die ausgewählten Einzelschicksale persönliche Betroffenheit beim Zuschauer erzeugen, wie Steinbichler das Konzept erklärte.

Das kam gut an. „Diese Umstände waren mir bisher unbekannt und ich fand das spannend und aufrüttelnd zugleich“, meinte etwa Vera Meisner aus dem Publikum. Ihr zufolge sei das Thema Flucht relevant, weil es derzeit auch vor Ort aktuell ist.

An beiden Veranstaltungstagen waren laut dem Initiator und Murnauer Regisseur Daniel Lang rund 300 Besucher erschienen. Ihnen wurde eine bunte Mischung geboten: Vom Zweiminüter bis zum Langfilm gab es spannende, unterhaltsame und ungewöhnliche Animations-, Spiel-, Dokumentar- und Experimentalfilme zu sehen. Für zahlreiche Lacher sorgte beispielsweise der knapp siebenminütige Einstiegsfilm „AlieNation“ von Laura Lehmus. Basierend auf realen Interviews mit Teenagern, bekamen die Zuschauer humorvoll animierte Szenen über die wesentlichen Dinge des Alltags zu sehen.

Als heimlicher Publikumsliebling entpuppte sich die niederländische Dokumentation „If Mama ain´t happy, nobody´s happy“, die bereits auf internationalen Festivals gefeiert wurde. Dabei porträtiert Regisseurin Mea de Jong vier Frauengenerationen ihrer Familie, wovon jeweils drei größtenteils ohne Männer ausgekommen waren. „Mit dieser tiefsinnigen Mutter-Tochter-Geschichte konnten sich viele identifizieren - die Resonanz war sehr gut“, meinte Lang.

Das war einer von neun Filmen, die am ersten Veranstaltungstag gezeigt wurden. Vier weitere Streifen folgten am zweiten Tag - darunter auch „Dissonance“ von Till Nowak. Die eindringlich inszenierte Mischung aus Realfilm und Animation zeigt eine rührende Vater-Tochter-Geschichte, die den Deutschen Kurzfilmpreis 2015 einheimsen konnte. Zu guter Letzt gab es den Spielfilm „Alki Alki“ von Axel Ranisch zu sehen. In 100 Minuten wird dem Zuschauer auf einfühlsame und zugleich unkonventionelle Weise das Thema Alkoholismus am Beispiel des Protagonisten Tobias (Heiko Pinkowski) nahe gebracht. Dieser war zugegen und erzählte über sich und den Film. „Ich habe dafür 30 Jahre lang geübt, weil ich selbst Alkoholiker war und nun trocken bin“, erklärte er. Für diese Ehrlichkeit erhielt er viel Beifall von den Besuchern.

Lang zeigte sich rundum zufrieden: „Das Festival wurde wieder sehr gut angenommen.“ (Constanze Wilz)

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